Fritz Panzer und die Prenninger Küche

Ein Ausflug in Lebenswelt und -werk eines steirischen Künstlers, den seine kreative Auseinandersetzung von Graz über New York, Prenning und Berlin nach Wien führte. Sein

04/03/2005

Ein Ausflug in Lebenswelt und -werk eines steirischen Künstlers, den seine kreative Auseinandersetzung von Graz über New York, Prenning und Berlin nach Wien führte. Sein Werk gibt Aufschluss über die künstlerische Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Die Neue Galerie in Graz zeigt noch bis 28.03.2005 in der Ausstellung "Fritz Panzer. Das Dilemma der Dinge in Malerei, Zeichnung und Skulptur" das Gesamtwerk des steirischen Künstlers.Am meisten faszinieren die dreidimensionalen Skulpturen aus Draht, die aus der Entfernung eher wie Skizzen im Maßstab 1:1 wirken und bei näherer Betrachtung doch reale Räume bilden.

Es sind Panzers jüngste Arbeiten, nachdem er bereits in den 1960er Jahren Skulpturen aus Karton formte - Stühle und Tische, ganze Küchen und Schlafzimmer: "Das Fragwürdige unserer ramponierten Existenz inmitten einer nicht minder hinfälligen Welt, die uns das Gastrecht verbürgtermaßen nur für eine kurze Weile gewährt - all das findet seine Entsprechung in der Wahl des Werkstoffes, den sich der Künstler für seine ersten Arbeiten ausgesucht hat. Denn naturgemäßer ließe sich die Beschaffenheit unserer Lebenswirklichkeit wohl nicht darstellen als mittels eben jenes schnell verrottenden Materials, aus dem man Kulissen baut [...]. Man braucht die Dinge nur einmal unter die Lupe zu nehmen und schon sieht man, wie sie aus dem Leim gehen und die Suppe an ihnen heraus rinnt, wenn sie eine Zeitlang im Freien herumstehen", schreibt Klaus Hoffer treffend im Katalog zur Ausstellung.(1)

Die Fragilität unserer Lebenswelt spitzt sich in den filigranen Drahtgebilden zu, in einer Küche, die im Versuch der Entmaterialisierung und des verschwinden Lassens des Raumes doch wieder Raum erzeugt - denn ein Bleistiftstrich wirft keine Schatten.

Die Küche ist eine besondere, Panzer nennt sie die "Prenninger Küche". Wer Prenning bei Deutschfeistritz in der Steiermark kennt, weiß auch um das Besondere dieses Ortes.

Ende des 19. Jahrhunderts von der Familie Feuerlöscher als Produktionsstätte für Pappe ausgebaut, entwickelte sich Prenning zu einer Enklave geistigen und künstlerischen Austausches und wurde in den 1930er Jahren zum Treffpunkt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Der Architekt Herbert Eichholzer verkehrte hier genauso wie der Bildhauer Walter Ritter, deren gemeinsam entworfenes Spielzeug "KLUMP" in Prenning gefertigt wurde, aber auch Margarete Schütte-Lihotzky und Anna-Lülja Praun, um nur einige zu nennen.

1966 wurde die Fabrik der Familie Feuerlöscher stillgelegt. Fritz Panzer lebte und arbeitete von 1978 - 1998 in Prenning und ließ sich vom Geist und der Vitalität dieses Ortes inspirieren.

Im Frühsommer 2003 belebte Prof. Volker Giencke mit seinen Architekturstudenten aus Innsbruck die Trocknungshalle der stillgelegten Fabrik mit einem Architekturworkshop und gewährte noch einmal Einblick in diesen wunderschönen Ort.

Und die Zukunft von Prenning:

Gabriel Hirnthaler, Einwohner von Prenning, Versicherungsdirektor und Kunstsammler aus Leidenschaft, erwarb 2002 das Grundstück auf dem die aufgelassene Fabrik steht.

In Erinnerung an die Topologie und die geschichtliche Bedeutung des Ortes beauftragte er den Grazer Architekten Volker Giencke mit der Planung des Projektes "Prenning Park" - ein Seminar- und Apartmenthotel mit neu adaptiertem Atelierhaus und einem als Skulptur gebauten Performancezentrum. Damit soll dem Ort die überregionale Bedeutung zurückgegeben werden, die er in der Zwischenkriegszeit und in der Zeit des zweiten Weltkrieges bereits innehatte.

(1) Klaus Hoffer, "Über die allmähliche Entwicklung eines Weltbildes beim Malen. Zur Kunst von Fritz Panzer", in: Christa Steinle (Hg.), Fritz Panzer, publication PN1 Bibliothek der Provinz, S.: 83 ff.AUSSTELLUNG

Fritz Panzer. Das Dilemma der Dinge in Malerei, Zeichnung und Skulptur

Dauer: 05.02. - 28.03.2005

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum - 1. Stock

Sackstraße 16, A-8010 Graz

Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr FRITZ PANZER wurde 1945 in Judenburg in der Steiermark geboren. Er absolvierte 1971 die Akademie der Bildenden Künste in Wien (Professoren Gütersloh, Mikl, Hollegha). Es folgten Aufenthalte in Italien, den USA, in Prenning in der Steiermark und in Berlin. Der Künstler lebt und arbeitet in Wien.

Verfasser/in:
Ute Angeringer - Wohin am Wochenende

Weiterführende Links

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Fritz Panzer "Prenninger Küche" (2002), Ausschnitt
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Fritz Panzer "Prenninger Küche" (2002), Ausschnitt
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Fritz Panzer "Prenninger Küche" (2002), Ausschnitt
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Fritz Panzer "Prenninger Küche" (2002), Ausschnitt
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Bilder zur Ausstellung, anlässlich der Eröffnung am 4. Februar 2005, fotografiert von J. Kindermann
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Korrekturgespräch im Rahmen des Workshops mit Volker Giencke im Frühsommer 2003; mehr über Prenning siehe auch untenstehender Link

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