... Mit dieser Frage wurde der interessierte Grazer Bürger zu einem Vortrag von Stadtplanungschef Heinz Schöttli ins HDA Graz gelockt, um mit derselben Frage nach etwas mehr als einer Stunde wieder entlassen zu werden.
Seit Oktober 2010 leitet der Schweizer Architekt Heinz Schöttli nun das Grazer Stadtplanungsamt. Die Ankündigung, Schöttli werde bei seinem Vortrag am 08.02.2012 im HDA Graz über seine Erfahrungen des vergangenen Jahres, die bisher geleistete Arbeit und seine Pläne und Visionen für die Grazer Stadtentwicklung berichten, füllte das HDA mit interessierten BesucherInnen und deren Erwartungen, die schließlich nicht erfüllt wurden. Denn Schöttli widmete sich fast ausschließlich der Präsentation seiner bisherigen Projekte als Stadtplaner und Gestaltungsbeirat in der Schweiz (Aarau, Zug), Österreich (Wien, Salzburg) und Deutschland (Schaffhausen) - man gewann den Eindruck, dass Schöttli sehr erfahren und somit auch die Grazer Stadtplanung in guten Händen sei. Auf eine Berichterstattung über seine Tätigkeit in Graz im Sinne der Veranstaltungsankündigung wartete man jedoch vergeblich, das wurde spätestens nach der Präsentation des fünften Projekts klar. Lediglich zum Schluss schwenkte Schöttli nach Graz, indem er kurz ein Projekt namens „Smart Cities“ erwähnte, jedoch derart knapp, dass er damit mehr Verwirrung stiftete als zufriedenstellend informierte.
Die Fragen aus dem Publikum im Anschluss daran waren dementsprechend dürftig. Der konkrete Vorschlag Schöttlis an eine Fragestellerin und durch Verdichtung betroffene Bewohnerin von Graz lautete, „sich einfach Verbündete“ im Kampf gegen den Bauträger zu suchen. Dies zeigte wieder einmal auf, dass ein gesamtheitliches, vertretbares Stadtentwicklungskonzept ebenso fehlt wie der professionelle Umgang mit BürgerInnenbeteiligung. Die Einschätzung Schöttlis, dass es etwa 10 Jahre dauern werde, bis seine Arbeit im Stadtbild von Graz sichtbar sein würde, klang weder beruhigend noch aussichtsreich.
Als Grazer BürgerIn durfte man sich von diesem Abend wirklich mehr als einen „Antrittsvortrag“, der vor einem Jahr akzeptabel gewesen wäre, erwarten. Am Mittwoch ist Schöttli damit jedenfalls viele Antworten schuldig geblieben.
- Verfasser/in:
- Michaela Wambacher, Kommentar
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