Fassadenwettbewerb für ECE Annenstraße

Die Kulturhauptstadt Graz bewirbt sich um den UNESCO Titel „City of Design“. Für das geplante Mega Einkaufszentrum ECE in der Annenstraße wird es einen geladenen Fassaden

19/04/2009

Die Kulturhauptstadt Graz bewirbt sich um den UNESCO Titel „City of Design“. Für das geplante Mega Einkaufszentrum ECE in der Annenstraße wird es einen geladenen Fassadenwettbewerb geben.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wenig, und das ist das Problem.

Von einer europäischen Kulturhauptstadt und Stadt mit dem Selbstverständnis, des Titels "City of Design" würdig zu sein, erwartet man, dass sie sich umfassend um Gestaltungsqualität bemüht. Dieses Bemühen sollte sich nicht auf einzelne Vorzeigeprojekte reduzieren.

Für das geplante und heftig umstrittene Mega Einkaufszentrum ECE, gegen dessen Errichtung zwei BürgerInneninitiativen seit längerem aktiv sind (GAT berichtete), soll ein ziemlich fragwürdiger Fassadenwettbewerb durchgeführt werden. Dieser ist Bestandteil des im Juli 2008 von der ECE und der Stadt Graz unterzeichneten Aufschließungsvertrags. Die zum Fassadenwettbewerb vereinbarten Rahmenbedingungen sind es „wert“, auszugsweise zitiert zu werden. Für diesen baukünstlerischeren Wettbewerb wird „der konstruktive Rahmen (Statisches System, Aufhängepunkte, Primärkonstruktion, etc. ergänzt durch Angaben zu Materialität funktionalen Erfordernissen, Werbeanlagen) vorgegeben.“

Vier TeilnehmerInnen sollen geladen werden, davon werden zwei von der ECE und zwei von der Stadt nominiert. In die fünfköpfigen Jury entsenden ECE und Stadt je zwei VertreterInnen, ein/e weitere/r wird gemeinsam nominiert. Die TeilnehmerInnen erhalten für ihre eingereichten Entwürfe von der ECE jeweils 3000 Euro. Ein Anspruch auf Beauftragung besteht nicht, aber es kann im Falle der Realisierung eines der Projekte herangezogen werden! Die Kosten für die Jury werden zwischen ECE und Stadt Graz aufgeteilt.

Es drängt sich die Frage auf, ob es sich hier möglicherweise um eine Alibi-Aktion handelt, weil der Entwurf für eine Fassade vielleicht schon längst in der Schublade liegt. Bei nahezu allen Berichterstattungen über das ECE taucht jedenfalls immer dasselbe Schaubild auf. Überdies kann sich die ECE ja eines der vier Projekte aussuchen.

Gerade bei einem Projekt der Größenordnung des ECE Annenstraße, das das Straßenbild und ein ganzes Stadtviertels wesentlich prägen wird, wäre wohl mehr als ein Alibi-Fassadenwettbewerb erforderlich gewesen. Die Stadt Graz hatte jedoch bedauerlicherweise schon vor Jahren verabsäumt, die für ein derartiges Projekt nötigen Vorstudien und stadtplanerischen Zielsetzungen zu entwickeln und darauf aufbauend die ECE mit entsprechenden Mitteln zu einem Architekturwettbewerb für das gesamte Einkaufszentrum zu verpflichten.

Es bleibt zu hoffen, dass der Fassadenwettbewerb von der Architektenkammer nicht freigegeben wird oder es gar nicht zur Realisierung des Gesamtprojektes ECE kommt.

Verfasser/in:
Elisabeth Lechner, Kommentar

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