Ergebnis Wettbewerb "Pilgerherbergen"

Geladener Architekturwettbewerb zur Erlangung von Ideen und Entwürfen für einen Idealtypus einer Pilgerherberge im Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein und im

19/08/2005

Geladener Architekturwettbewerb zur Erlangung von Ideen und Entwürfen für einen Idealtypus einer Pilgerherberge im Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein und im Mesnerhaus in Spital am Semmering.

Im Jahr 2003 wurde das Projekt "Auf den Spuren der Pilger und Wallfahrer" ins Leben gerufen. Rund 1000 Kilometer Wander- und Pilgerwege führen zu Wallfahrtsorten, Quellen und Kraftplätzen. Um das Beherbergungsangebot entlang dieser Wege zu erweitern und zur Erlangung eines Entwurfs für einen Quartier-Prototyp wurde vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung, A16 – Landes- und Gemeindeentwicklung ein geladener Architekturwettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis noch bis 24.08.2005 im Erdgeschoß der A16, Stempfergasse 7 in Graz, ausgestellt ist.SIEGER > Architekt Malek ZT GmbH, Graz

2. Platz > Arch. DI Christa Zach, Graz

3. Platz > SchwarzPlatzer Architekten, Graz

Nachrücker > Dr. Arch. Martin Gruber - Planorama Graz

DIE WEITEREN TEILNEHMER:

purpur.cc_boric_zt_keg, Graz

Arch. DI Andreas Pajduch, Mürzzuschlag

Arch. DI Bernhard Hafner, Graz

Arch. DI Alex Mautner, St. Johann bei Herberstein JURYPROTOKOLL

Ort: Graz, Joanneumhalle

Zeit: 7. Juli 2005, 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr

Anwesende:

DI Peter Pretterhofer

Hofrat Dr. Manfred Pögl

DI Barbara Mlaker

Arch. DI Dr. Manfred Fuchsbichler

Arch. DI Bettina Dreier-Fiala

Hermann Gigler

DI Franz Quinz

DI Kristina Posch, Wettbewerbsvorbereitung

Arch. DI Gerald Deutschmann, Vorprüfung

In der Folge werden alle Teilnehmer ohne Titel genannt

Begrüßung durch den Vorprüfer.

Alle 8 Teilnehmer haben ein Projekt eingereicht.

Vorstellung des Vorprüfberichtes, alle Projekte haben grundsätzlich die Aufgaben erfüllt. Je Projekt 1 Datenblatt und ein zweites Blatt für persönliche Eintragungen.

Jury ist beschlussfähig.

Vorsitzender Pretterhofer

Stellvertreter Dreier-Fiala

Schriftführer Mlaker

Beurteilung lt. Wettbewerbsausschreibung:

3 Schwerpunkte

- Prototyp Pilgerzimmer

- Umsetzung in konkretes Projekt

- Infopoint

Schwerpunkt soll in der Bewertung des Prototypen des Pilgerzimmers sein (Thema Pilgern, Ruhe, Raum)

Wettbewerb ist in erster Linie auf die beiden Musterobjekte abgestimmt und die Umsetzung der Pilgerzimmer für klassische Beherbergungsbetriebe kann dieser zur Ideenfindung beitragen. Hier erfolgt erst später eine Abstimmung. Eine Klärung aus touristischer Sicht ist noch erforderlich.

Herberge und Infopoint werden in getrennten Durchgängen beurteilt.

Anschließend erfolgt eine Vorstellung der Projekte durch den Vorprüfer. Nach der Vorstellung der einzelnen Projekte erfolgt eine angeregte Diskussion. Die Jury kommt zur Entscheidung, dass in einem ersten Durchgang jedes Jurymitglied abstimmt, ob das Projekt in eine zweite Runde kommt. Es wird mit einfacher Mehrheit abgestimmt.

Projekt 8: 5:2 verbleibt

Projekt 7: 4:3 verbleibt

Projekt 6: 7:0 verbleibt

Projekt 5: 1:6 scheidet aus

Projekt 4: 2:5 scheidet aus

Projekt 3: 7:0 verbleibt

Projekt 2: 0:7 scheidet aus

Projekt 1: 6:1 verbleibt

Somit werden 5 Projekte in einer zweiten Runde beurteilt.

In der zweiten Runde werden die Projekte nochmals eingehend betrachtet und erörtert und hinsichtlich ihrer Funktion und Umsetzung beurteilt.

Die Jury kommt zum Schluss, dass das Projekt 7 als Nachrücker nominiert wird und die Entscheidung zwischen den Projekt 1,3 und 6 fällt.

Jedes Jurymitglied vergibt entsprechend der von ihm gewählten Platzierung in umgekehrter Reihenfolge Punkte, das Projekt mit den meisten Punkten gewinnt.

Ergebnis:

Projekt 1: 16 Punkte 1. Preis

Projekt 3: 14 Punkte 2. Preis

Projekt 6: 12 Punkte 3. Preis

Im Anschluss wurde der Infopoint beurteilt. Es wurde die gleiche Vorgehensweise wie für die Pilgerherberge gewählt.

Projekt 8: 0:7 scheidet aus

Projekt 7: 5:2 verbleibt

Projekt 6: 7:0 verbleibt

Projekt 5: 7:0 verbleibt

Projekt 4: 0:7 scheidet aus

Projekt 3: 0:7 scheidet aus

Projekt 2: 0:7 scheidet aus

Projekt 1: 6:1 verbleibt

In der zweiten Runde wurde das Projekt 7 als Nachrücker nominiert. Die Abstimmung für die drei verbleibenden Projekte erfolgte in gleicher Weise wie für die Pilgerherberge.

Ergebnis:

Projekt 6: 21 Punkte 1. Preis

Projekt 1: 11 Punkte 2. Preis

Projekt 5: 10 Punkte 3. Preis

Beschreibung und Bewertung der Projekte:

Projekt 1 - 1. Preisträger Pilgerherberge

Das Projekt überzeugt durch eine klare Konzeption sowohl bei der Lösung der Pilgerherberge als auch bei der Lösung des prototypischen Zimmers. Eine klare Zonierung sowohl an der Rückwand als auch an der Fensterwand kennzeichnet und charakterisiert das Projekt. Das gewählte Konzept gewährleistet eine weitgehend großzügige Raumstruktur gemäß den Bestandsvorgaben. Er belässt und wahrt die historische Raumstruktur und greift gering in die denkmalgeschützte Substanz ein. Das Neue wird eindeutig zeitgemäß artikuliert und reduziert. Die Entspannungsebene (Entspannungsmöbel) nutzt die Tiefe der Leibung und verbindet sich so mit dem Bestand. Die Verbindung zum Außenraum wird mit minimalen Mitteln optimal gelöst.

Der kompakte Sanitärblock (Funktionsmöbel) gliedert als Möbel den Raum und beansprucht ein Minimum der Fußbodenfläche.

Das Thema „Reinigung“ wird auf unaufgeregte Weise interpretiert. Die Gestaltung ist zurückhaltend und überlässt dem Benutzer ein größtmögliches Maß an Freiheit. Die Adaptierbarkeit auf unterschiedliche Situationen und Nutzerwünsche ist gegeben.

Empfehlungen der Jury:

Das Konzept der Wandnischenverbauung durch das Entspannungsmöbel bedarf einer besonderen und umfassenden bauphysikalischen Betrachtung der Vermeidung unerwünschter Kondensatausscheidung (Schwitzwasserbildung) an der Außenwand.

Die Behaglichkeit an den kalten Außenwandbauteilen ist durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen.

Des Weiteren ist die Manipulation im Betrieb (z.B. Bettenmachen, Reinigung, Wechsel zwischen Tagesbetrieb – Entspannung und Nacht – Schlafen) zu überdenken und die Praktikabilität nachzuweisen.

Geeignete Maßnahmen gegen Absturz beim Fenster und eine bedienerfreundliche Manipulation ist praktikabel zu gestalten.

Projekt 3 – 2. Preisträger:

Das Projekt berücksichtigt die authentische Raumstruktur und fügt die Einrichtung frei aufgestellt in den Raum ein wodurch das Raumvolumen weitgehend authentisch erlebbar bleibt. Gleichzeitig wird durch die mittige Aufstellung der Möbel die Nutzfläche entsprechend reduziert. Die Dominanz des Themas Reinigung wird thematisiert und vorrangig artikuliert. In wenig tiefen Räumen kann das gewählte Konzept mit WC jedoch nicht realisiert werden und lässt eine Komforteinbuse erwarten. Das System, wie im Musterzimmer angeführt, bedarf einer entsprechend großen Raumnutzfläche.

Das vorgeschlagene Konzept mit Steinbadewanne und Becken erfordert bei der Errichtung naturgemäß hohe Kosten wurde jedoch von der Idee und Konzept her sehr positiv bewertet.

Projekt 6 – 3. Preisträger:

Das Projekt besticht durcheine konsequente und sorgfältige Durcharbeitung der Aufgabenstellung und akzentuiert durch die gewählte Lichtführung und Farbgestaltung den Raum und lässt eine angenehme Atmosphäre im Zimmer erwarten. Zudem wurde die Ausstattung einfach und reduziert mit konventionellen Mitteln gewählt. Die Zonierung des Raumes und die Anordnung der Funktionsbereiche wurden positiv bewertet, wenngleich durch die Querstellung des Schrankmöbels der Raumeindruck beeinträchtigt wird.

Projekt 7 – Nachrücker:

Durch die Entwicklung eines all-in-one Möbels wurde konsequent eine interessante Raumlösung gefunden. Die Wahl der klaren Linien und Materialien wurde positiv bewertet und weckt „eindeutige“ Assoziationen zum Thema. Eine intime Rückzugsmöglichkeit auf kleinster Fläche wird geboten. Das Möbelmodul gewährleistet Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Wenig vorteilhaft wird durch die Raum hohe Gestaltung des Multifunktionsmöbel die dadurch anheim gehende Einengung der Raumbreite empfunden, wodurch zwangsläufig ein reduzierter Raumeindruck entsteht.

Projekt 8:

Positiv wurde das spektakuläre Raumkonzept „Raum in Raum“ bewertet. Die Wahl des Werkstoffes Lehm für die in den Raum gestellt Hülle wurde als jedenfalls interessanter Akzent und Beitrag empfunden. Die auskragenden Erkerfenster stellen einen widersprüchlichen Kontrast zur denkmalsgeschützten Bausubstanz dar. Das sehr plakative Projekt ignoriert den historischen Kontext und ist durch die extravagant konzipierte innovative Idee für eine allgemeine touristische Nutzung kritisch zu bewerten.

Projekt 2:

Der Gegensatz zwischen innovativem Ansatz (leerer Raum mit Klappelementen) und konventionelle Anordnung der Funktionsbereiche im Grundriss wird kritisch bewertet. Die Leere des Raumes scheint interessant und führte jedenfalls zu einer regen Diskussion innerhalb der Jury. Die Auseinandersetzung mit der Fassade wird positiv bewertet, die Elemente erscheinen jedoch überzogen.

Projekt 4:

Sehr positiv wird die Einbeziehung des Außenraumes in das Gestaltungskonzept bewertet. Der Eingriff in die Mauerwerkstruktur bei der Situierung der Sanitärzellen wird als aufwändige Maßnahme empfunden. Die räumliche Situation im Musterzimmer ist flankierend der Sanitärzellen durch die gewählte Nischenbildung nicht befriedigend gewählt.

Projekt 5:

Das gewählte Raum in Raum Konzept steht im Gegensatz zum konventionellen Grundriss und wird kritisch bewertet. Der Material-Mix und die Farbsymbolik wirken überladen. Der Ideenreichtum zum unkonventionellen Projekt wurde positiv bewertet.

INFOPOINT:

Generell wurde aus den eingereichten Projekten für den Infopoint keine überzeugende Lösung gefunden und daher wird derzeit eine Realisierung von der Jury nicht empfohlen. Das gewählte Ergebnis soll zur Ideenfindung beitragen.

Projekt 6:

Das erstgereihte Projekt ist ein konzeptionell interessanter zeitgemäßer Lösungsansatz und dient als Diskussionsgrundlage für weitere Überlegungen.

Projekt 1:

Hierbei wurde ein klares Zeichen mit dem funktionalen Mehrwert der Trinkstelle gefunden und stellt in Summe eine klare reduzierte Artikulation dar.

Projekt 5:

Hierbei wurden der platzgestalterische Aspekt und die Integration in die örtlichen Gegebenheiten positiv bewertet.

Anschließend erfolgt die Öffnung der Kuverts:

Projekt 2:

Arch. DI Andreas Pajduch

Wiener Straße 178

8680 Mürzzuschlag

Mitarbeiter:

Arch. DI Karl Schwarzl

Michael Stoppacher

DI Armin Haghirian

Projekt 4:

Arch. DI Bernhard Hafner

Hauptplatz 16/III

8010 Graz

Mitarbeiter:

DI Barbara Hafner

Projekt 8:

purpur.cc_boric_zt_keg

Toedtling, Laengauer, Boric, Loebell

Brockmanngasse 5

8010 Graz

Mitarbeiter:

Iunia Macavei

Projekt 7:

Dr. Arch. Martin Gruber – Planorama Graz

Schörgelgasse 27

8010 Graz

Mitarbeiter:

DI Thomar Kopfsguter

Paul Buchert

Projekt 5:

Arch. DI Mautner Alex

St. Johann/Herberstein 65

8222 St. Johann

Mitarbeiter:

DI Andreas Tsukalas

DI Johann Martin Rieger

DI Monika Kneißl

Projekt 6:

Arch. Büro Schwarz - Platzer

DI Werner Schwarz u. DI Christoph Platzer

Kastellfeldgasse 34/II

8010 Graz

Mitarbeiter:

Mario Lerner

Rainer Spath

Elen Pichler

Projekt 3:

Arch. DI Christa Zach

Rainweg 43

8041 Graz

Mitarbeiter:

Arch. DI Manfred Klement

Projekt 1:

Architekt Malek Ziviltechniker Gesellschaft m.b.H.

Körösistraße 17

8010 Graz

Mitarbeiter:

DI Eveline Malek

DI Georg Herbst

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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