Enquete: Intensiver Diskurs über die Zukunft der Mur

Mehr als 300 interessierte GrazerInnen besuchten am 20. Mai die Veranstaltung, bei der über die Auswirkungen des Murkraftwerkbaus in Graz-Puntigam referiert und diskutier

20/05/2011

Welche Auswirkungen würde das geplante Wasserkraftwerk im südlichen Grazer Stadtgebiet haben? Mit welchen ökologischen Folgen ist zu rechnen? Und wie würde sich das Kraftwerk auf das Leben der GrazerInnen auswirken? Diese und viele andere Aspekte des geplanten Murkraftwerkes standen heute, 20. Mai 2011, auf der Agenda der großen Mur-Enquete. Rund 300 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren auf Einladung von Bürgermeister Siegfried Nagl und Vizebürgermeisterin Lisa Rücker zur großen Informationsveranstaltung in die Grazer Minoriten gekommen. Acht geladene Experten aus den Bereichen der Energiewirtschaft, dem Umwelt- und Naturschutz sowie der Stadt- und Grünraumplanung standen Rede und Antwort und beleuchteten Nutzen und Folgen des geplanten Kraftwerkes.

Mur schon lange reguliert

„Die Mur wurde bereits im 19. Jahrhundert begradigt und in ein enges Bett gezwängt und noch bis in die 50er-Jahre wurden die Ufer völlig baumfrei gehalten", schilderte der erste Referent des Nachmittags, Ing. Christoph Rath von der Energie Steiermark, die frühen Eingriffe in die Flussgestaltung. Er präsentierte in seinem Referat alle relevanten Fakten zu dem geplanten Kraftwerk: Die Staustufe des Werkes, das Strom für 20.000 Haushalte produzieren soll, wird rund 600 Meter Länge einnehmen und ab der Höhe der Grazbachgasse wahrnehmbar sein. Zahlreiche ökologische Maßnahmen sollen nachteilige Auswirkungen im Zaum halten: Geplant sind unter anderem eine Fischaufstiegshilfe, ein Umgehungsbach und eine fischgängige Anbindung des Petersbaches. Wann das Projekt realisiert werden soll? Ing. Rath rechnet damit, dass der Bescheid aus der ersten Instanz des Umweltverträglichkeitsverfahrens im kommenden Jahr erlassen wird. Zuständig für dieses Behördenverfahren ist allerdings nicht die Stadt Graz, sondern das Land Steiermark. Nachdem mit Berufungen an den Umweltsenat gerechnet wird, soll dann die Entscheidung der zweiten Instanz voraussichtlich im Herbst 2013 erfolgen. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit würde das Kraftwerk dann im Spätherbst 2015 erstmals in Betrieb gehen.

Biotopverbund nicht ersetzbar

Den Applaus des Publikums erhielt Dr. Johannes Gepp, der Leiter des Instituts für Naturschutz und Landschaftsökologie: „Es geht um eine Fläche, die zehn Mal so groß ist wie der Grazer Stadtpark, es geht um 8.000 Bäume und es geht um den einzigen funktionierenden Biotopverbund in Graz", warnte er vor den Folgen eines Kraftwerkbaus. Der bekannte Grazer Naturschützer und Ökologe sieht insbesondere den Bestand von 350 Pflanzen-, wertvollen Schmetterlings-, 20 Fisch- und zahlreichen Säugetier- und Vogelarten gefährdet. Im Gegenzug würden sich Neophyten wie beispielsweise der japanische Wiesenknöterich oder das gefürchtete Springkraut ungehindert ausbreiten können. Gepp betonte weiters, dass das Fließgewässer und der funktionierende Biotopverbund nicht durch andere Maßnahmen ersetzt werden können.

Mit den Aspekten der Stadt- und Landschaftsplanung befassten sich in ihren Impulsreferaten der Leiter der städtischen Grünraum-Abteilung, DI Robert Wiener, sowie DI Peter Partl von der „freiland Umweltconsulting". Alle Unterlagen dazu finden Sie unter www.graz.at/murenquete

Nutzen und Risiken

Ein intensiver Diskurs über alle Vor- und Nachteile, Nutzen und Risiken des Kraftwerks wurde im zweiten Teil des Nachmittags geführt. Jeweils zwei Experten eines Fachgebietes beantworteten sehr kontroversiell jene Fragen, die im Vorfeld gesammelt wurden. Diese Statements wurden live protokolliert und sie sind ebenfalls auf unserer Homepage unter www.graz.at/murenquete nachzulesen.

Wie geht es weiter?

Aufgrund der Resümees der Vertreter der Gemeinderatsfraktionen ergab sich folgendes Bild: Sollte eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu einem positiven Ergebnis für ein Kraftwerk führen, wären ÖVP, SPÖ und FPÖ für die Neugestaltung des Murraumes; Grüne, KPÖ und BZÖ wären dagegen. Ein solcher Beschluss wird voraussichtlich in der Gemeinderatssitzung am 9. Juni fallen.

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