Empfehlung: Reserve der Form

Neunzig Arbeiten zur Formfindung aus den Bereichen Architektur, Kunst und Alltagskultur: noch bis Donnerstag, den 14. Oktober 2004 im Künstlerhaus Wien. Finissage ab 17:0

08/10/2004

Form passiert nicht einfach. Dieser elementaren Aussage stellen sich die KuratorInnen der Ausstellung „Reserve der Form“, Angelika Fitz und Klaus Stattmann. Die Kulturwissenschafterin Angelika Fitz, die schon mit „Trespassing – Konturen räumlichen Handels“ (zusammen mit Sandrine von Klot, Secession 2002) einen neuen Weg in der Repräsentation von Architektur gesucht hat, stellt sich erneut mit dem Architekten Klaus Stattmann einer programmatischen Ausstellungskonzeption: „Reserve der Form definiert Form als weit mehr als das Formale“: Dieses „mehr“ stellt sich in der Ausstellung, die mit neunzig Arbeiten in Form von Modellen, Videos bis zu Wandteppichen einen dichten Parcours webt, als komplexes Wesen heraus. Die Auswahl erscheint vorerst fast zufällig oder auch subjektiv, ohne Überraschungseffekte und mit ein wenig architektonischem Hintergrund springt viel „Altbekanntes“ ins Auge. Dieser Mangel an aktuellem Anspruch wird dennoch rasch zu einem entspannenden Aspekt, der viel Neues zum Thema Form erschließt. Architektur kommt ebenso wie Kunst nie ohne ästhetische oder formale Ansprüche aus. Aber Architektur ist, wie Max Rieder es formuliert, auch „soziale Kunst“, eine Profession, die mit einer Realität umzugehen weiß, die Nutzbarkeit, soziale, ökonomische oder rechtliche Parameter einbeziehen muss. Dass dies durchaus mit ästhetischem und kreativem Anspruch geschehen kann, wird hier fast zelebriert.

Steirische Architekten oder solche mit steirischen Wurzeln wie Günther Domenig (Steinhaus), ARTEC (Wohnhaus Nüziders), Wolfgang Feyferlik (Haus Feurer), Volker Giencke (Rote Bühne), Norbert Müller (Bar Limarutti) und Manfred Wolff-Plottegg (Landesausstellung Trautenfels) reihen sich in den anspruchvollen formalen Kontext ein. Das „Steirische“, kein Thema an sich, zeigt im Zusammenhang dennoch das kreative Potenzial einer Region, und wird (endlich) mit nationalen wie internationalen Projekten in Zusammenhang gebracht.

„Reserve der Form“ ist eine anregende Ausstellung, die viele Ebenen der Produktion und deren mögliches Potential erschließt. Der schon an der Treppe präsentierte Film Buster Keatons „One week“ aus dem Jahr 1920, in dem ein Ehepaar ein Fertigteilhaus errichtet, das letztlich zum ersten dekonstruktivistischen Werk wird, bringt den Besucher auf die richtige Spur. Immer wieder tauchen viele Parallelwelten auf, die Räume, Orte und Formen anders betrachten lassen. Was ist schon Form? Jedenfalls nicht reine Ästhetik, die Erwartungshaltungen und Geschmackkriterien folgt.

RESERVE DER FORM

Künstlerhaus Obergeschoß

Karlsplatz 5, 1010 Wien

Öffnungszeiten Di–So, 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, Mo geschlossen

www.k-haus.at

Finissage am Donnerstag, den 14. Oktober 2003, ab 17.00 Uhr.

Wer keine Zeit mehr für die Ausstellung findet, der sollte sich den gelungenen Katalog (und Lesebuch) bestellen: „Reserve der Form“ mit Beiträgen von Dirk Baecker, Sybille Krämer, Andreas Spiegl, Wolfgang Pauser, Angelika Fitz und Klaus Stattmann sowie den ArchitektInnen und KünstlerInnen. Revolver Verlag, Frankfurt/Main, August 2004, ca. 320 Seiten, 350 Abbild., Euro 32,00.

Verfasser/in:
Manuela Hötzl
"Freie Meinung"

Weiterführende Links

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Rote Bühne, Arch. Volker Giencke. Foto: Archiv Giencke
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Rote Bühne, Arch. Volker Giencke. Foto: Archiv Giencke
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Haus Feurer, Ach. Feyferlik / Fritzer, Graz. Foto: Paul Ott
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Haus Feurer, Ach. Feyferlik / Fritzer, Graz. Foto: Paul Ott

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