Empfehlung: Minimalismus von Steve Reich

Ein gepflegter Samstagabendkonzertbesuch in der Helmut-List-Halle. Die styriarte mit einem Programm, das nichts für Harnoncourt adorierende MusikliebhaberInnen ist.

02/07/2004

Nein, Steve Reich ist kein amerikanischer oder englischer Architekt, der minimalistische Häuser baut.

Reich ist als Komponist ein Vertreter der Minimal Music, einer in den USA Ende der 1960er Jahre entstandenen Musikrichtung, die durch die Minimalisten La Monte Young, Terry Riley, Philip Glass, mit Einschränkungen auch John Adams und eben Steve Reich repräsentiert wird.

Seine Kompositionen benutzen einprägsame musikalische Gebilde, die permanent über längere Zeit hinweg wiederholt und verändert werden, indem er sie etwa langsam gegeneinander verschiebt.

Das Kronos Quartet ist ein klassisches Streichquartett: 2 Violinen, Viola und Cello. Das Cello spielt eine Frau. Ein Streichquartett, das vor mehr als 30 Jahren gegründet wurde und von Anfang an moderne (E-) Musik der klassischen Streicherliteratur vorgezogen hat. Heute können die Musiker auf 450 Stücke zurückgreifen, die von allen namhaften modernen Komponisten für sie komponiert wurden. Aber das Kronos Quartet hat auch „Purple Haze“ von Jimi Hendrix und James Browns „Sex Machine“ in seinem Repertoire.

In der Helmut-List-Halle treten die vier, deren Outfit von den Journalisten immer ebenso aufmerksam beobachtet wurde wie ihre musikalischen Darbietungen, mit einem anspruchsvoll klingenden Programm auf. Vier hierzulande unbekannte Komponisten stehen neben Schnittke und – eben – Steve Reich.

Dessen Stück „Different Trains“ (1988) zählt zu seinen bekanntesten Werken.

Es kombiniert Bandaufnahmen von Zuggeräuschen, gesamplete Gesprächsfragmente von Holocaust-Überlebenden, von Reichs Gouvernante und einem ehemaligen Zugbegleiter sowie aufgenommene Streichquartett-Stimmen mit einem live dazu spielenden Streichquartett. In drei Teilen werden so Reichs persönliche Erinnerungen an Zugfahrten zwischen Chicago und New York als fünfjähriger Junge mit den Erinnerungen von Überlebenden an die Viehwaggons kontrastiert, die zur gleichen Zeit in Europa in die Konzentrationslager rollten. Im dritten Teil "After the War" bezeichnet das "but today, they're all gone" des alten Schaffners daher das Verschwinden der luxuriösen Wagen des Mercury Limited aus den vierziger Jahren genauso wie jenes der Opfer in den Lagern.

Different Trains wendet das radikale Prinzip der Wiederholung kleiner thematischer Stücke, welches so charakteristisch für die Musik der Minimalisten ist, auf Sprachfetzen an, die ins musikalische Gesamtbild eingewoben werden. Die Streichinstrumente beschränken sich dabei auf eine 'wörtliche' Imitation der Sprach- und Geräuschmelodie. Laut Reich stellt diese Technik den Versuch dar, eine musikalische 'Realität' zu erreichen, die den zugrundeliegenden Ereignissen gerecht wird. (Auszug aus einem Text von Martin Klebes, erschienen in parapluie, elektronische zeitschrift für kulturen · künste · literaturen)

Klingt kompliziert, wer sich jedoch darauf einlässt, kann mit eigenen Ohren überprüfen, was die Helmut-List-Halle bei solch moderner, teils live-, teils gesampleter Musik wirklich kann, wie ihre Klangwirkung/Akustik die „Different trains“ in die Halle holt.

Der Kohlezug der GKB, der einmal täglich die Gleisstrecke unmittelbar hinter der Helmut-List-Halle passiert und an dessen Lärmentwicklung sich angeblich die gesamte Abschirmung nach aussen - die Dämmmaßnahmen für Boden und Wände der Konzerthalle - ausrichteten, wird nicht mitwirken.

Different trains

wann: Samstag, 3.Juli 2004

wo: Helmut-List-Halle

Kartenbüro der Styriarte:

Palais Attems, Sackstraße 17

Mo - Fr 10 bis 18Uhr00

Sa 10 bis 17Uhr00

Tel. 0316 825 000

Programm unter: www.styriarte.com

Verfasser/in:
GAT Graz Architektur Täglich

Weiterführende Links

kronos_quartett.jpg
Kronos Quartet
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Noch einmal Kronos
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Steve Reich, geb. 1936

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