Am Donnerstag, den 29. September 2005 wurde der neue Stationstrakt am LKH Knittelfeld, geplant von fasch&fuchs. mit Lukas Schumacher, feierlich eröffnet. Bei Regen, was der Freude über den Zubau keinen Abbruch tat.
Welcher Architekt wünschte sich nicht, sein eben fertiggestelltes Bauwerk bei strahlendem Sonnenschein - sozusagen von der Sonnenseite – präsentieren zu können? Dieser Wunsch wurde den Architekten Hemma Fasch, Jakob Fuchs und Lukas Schumacher anlässlich der feierlichen Inbetriebnahme ihres Zubaus zum LKH Knittelfeld am 29. September nicht erfüllt. Es regnete, trotz massiven Dagegen-an-Spielens der örtlichen Werkskapelle, wie aus Kübeln. Der offizielle Beginn der Feierlichkeit war, zwar unter Dach, aber im frostigen Freien zwischen Alt- und Neubau, als erste Feuer-, pardon! Wasserprobe für die Architekten angelegt. Sollte der Regen gar bei höherer Macht bestellt worden sein, um zu beweisen, dass das ephemer wirkende Luftkissendach aus transparenter Folie den Unbillen des obersteirischen Klimas standhalten kann?
Nicht oft sind Realisierungen fast deckungsgleich mit ihrem (preisgekrönten) Entwurf. Dass es beim Zubau zum LKH Knittelfeld so ist, mag das Ergebnis professioneller Wettbewerbsvorbereitung des Auslobers, der KAGes, sein. Die Architekten haben daran auch ihren Anteil. Ihr Konzept für den 1998 europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb (mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren) zeigte von Anfang an realisierbare „Bodenhaftung“.
Der langgestreckte Neubau rückt vom Bestand nur so weit ab, dass eine kompakte Verbindung und effiziente Wegeführung möglich sind. Der Nachteil von nur 8m Distanz - die Beeinträchtigung des Lichteinfalls - wird durch zwei geschickt gesetzte Maßnahmen aufgehoben. Wie schon das Kindermuseum schmiegt sich der dreigeschoßige Zubau an das LKH in ein durch weitreichende Abgrabung neu geschaffenes Terrain und reduziert dadurch seine, vom Altbau und aus Entfernung erlebbare Höhenentwicklung merklich. Zudem wird die Fassade gekippt, weg vom Bestand, gleich um 18 Grad. Die daraus entstehende Trichterwirkung wird noch vergrößert durch sechs, in gleichem Abstand eingeschnittene, raumtiefe Rücksprünge ab dem zweiten Geschoß der dem Altbau zugewandten Südfassade. Eine zweigeschoßige verglaste Brücke verbindet Alt und Neu. Aus zwei Kunstgriffen – Absenkung und Schrägstellung - leitet sich alles Weitere ab und ergibt sich das, mittlerweile fast alle Arbeiten von fasch&fuchs. charakterisierende, dynamisch bewegte, „schnittige“ Schnittprofil des Baukörpers. In der Mittelgangerschließung wird die Optimierung und Lenkung des einfallenden Lichts wiederholt: über ein hochgelegtes Oberlichtband fallen Licht- und Sonnenstrahlen auf die im gleichen Winkel wie die Südfassade schräg gestellte Nordwand der Gangzone, an die alle Patientenzimmer der vier Stationen andocken. Einerseits wird das Licht von den weiß gestrichenen Schrägen in die verglasten Bereiche der den Stationen zugeordneten Versorgungszone reflektiert, andererseits werden die innenliegenden Sanitärräume der Krankenzimmer durch in die geneigte Wand eingeschnittene Oberlichtverglasungen mit Tageslicht versorgt – so ausreichend, dass künstliches Licht, zumindest im obersten Geschoß, tagsüber nicht benötigt wird. Der Gangbereich der darunterliegenden Stationen profitiert vom darüber einfallenden Licht durch Glasstreifen, die bodeneben in die Decken eingelassen sind. Auf diese Weise gleichen fasch&fuchs. die Nachteile einer Lage, wie hier die Nordorientierung des Zubaus, aus. Vorteile werden akribisch geortet und herausgearbeitet. Die nach Norden orientierten Patientenzimmer bleiben frei von direkter Sonneneinstrahlung. Sie konnten großzügig - raumbreit und so tiefliegend - verglast werden, sodass auch vom Krankenbett aus weiter Ausblick möglich ist.
fasch&fuchs. Bauten sind keine Nur-Schönwetter-Bauten für Hochglanzmagazine. „Ins rechte Licht“ rücken sie sich selbstredend, ihre Qualitäten spielen sie erst recht bei widrigen Umständen aus. Bei Starkregen etwa, wenn die mit transluzenter Folie gedeckte Lieferzufahrt für die im neuen Erdgeschoß installierte Zentralküche als Auftakt für Feierlichkeiten genützt werden kann und die innenliegenden Gänge der Stationsbereiche trotz wolkenverhangenen Himmels noch freundlich hell, geradezu einladend, wirken.Zubau LKH Knittelfeld:
Bauherr: KAGes-Stmk. Krankenanstalten GmbH
Architektur: fasch&fuchs. mit Lukas Schumacher, Wien/Hausmannstätten
Projektleiter: Martin Waldner
Baubeginn: 01/2002
Fertigstellung: 05/2005
Eröffnung: 09/2005
Gesamtkosten: 20,84 Mio Euro KONTAKT:
fasch&fuchs.
Arch. DI Hemma Fasch, DI Jakob Fuchs
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- Verfasser/in:
- Karin Tschavgova, Kommentar
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