"Alles ist möglich und tout est mort"
Eine Analogie zu Olga Neuwirths Eröffnungsrede für den Steirischen Herbst 2003
Bevor die Ausstellung "Frische Fische aus dem Architektenpool - Graz 03. Architekturpositionen junger Grazer Gruppen" erstmals in Graz in entpacktem Zustand zu sehen sein wird, gastiert sie derzeit in einer ehemaligen Gießerei und dem nunmehrigen Öntödei Múseum in Budapest.
Zur Erinnerung: Abseits des Getöses rund um die "Latenten Utopien", der herbstübergreifenden Architekturausstellung im Joanneums im letzten Herbst, sorgten Transportkisten in der Größe je eines Kubikmeters in unterschiedlichsten Ausformulierungen, die mehr oder weniger auf den Inhalt schließen ließen, ausgestellt im Palais Thienfeld, für einige Irritationen.
Zum Konzept: Als Ausstellungstournee konzipiert, Positionen junger Grazer Architekturgruppen (das Gruppendasein war Voaussetzung für die Teilnahme) verbreitend, sollte die Schau Ideen nach Außen transportieren, durchaus auch im Wortsinn gemeint, denn die 22 Kubikmeter Architekturpositionen wurden per Container nach Norden, Westen und Osten verfrachtet.
Aber auch als Statement zu Graz Kulturhauptstadt 2003, im Umkehrung der Idee Alles hier her zu holen.
2002 in Graz lediglich in verpacktem Zustand zu sehen, folgten Wien, Oslo, Feldkirch und Budapest, um anschließend ab 27. September 2003 zu überprüfen, wie frisch die Fische sind.
Zur Analogie: Nun geht es den "Frischen Fischen" auch um Generationen und ihre Wechsel, Konflikte sind diesen immanent: "Nachdem sich im Laufe der 90er Jahre die Dynamik aus der Szene verflüchtigt hat, steht in Graz wieder ein Generationswechsel an, der mit sogenannten Grazer Schule nur seine Ursprünge an der TU Graz gemeinsam hat. Im Gegensatz zu den heldenhaften Einzelkämpfern der 70er und 80er Jahre haben sich in den letzten Jahren Gruppen und Gemeinschaften gebildet, welche unter vollkommen neuen Gesichtspunkten in Gemeinschaftsarbeit Architekturen produzieren..."
Und genau hier möchte ich die meines Erachtens von Olga Neuwirth so treffend formulierte Befindlichkeit der Genaration der heute 35-jährigen anschließen: "Meine taumelnde Generation, die sich nach dem Niederreißen von Tabus in den Künsten und in der Gesellschaft sehnt, kommt immer zu spät, denn die Tabus wurden bereits von den vorangegangenen Generationen gebrochen, die heute ihren festen und sicheren Status in der Gesellschaft haben" [...]
Für die Architektur trifft dies in besonderem Maße zu.
Und Olga Neuwirth weiter: "Dennoch: Unsere Generation steht für Suche, für Orientierungslosigkeit in Kunst, Gesellschaft und Privatleben. Vielleicht ist unsere Generation auch die Zustandsbeschreibung eines Eindringens in den Bereich des konkreten und abstrakten Unsagbaren."
Und vielleicht gelingt es den Frischen Fischen und Jungen Grazer Architekturinitiativen, diese Fragen und Unsicherheiten für die Architektur im Rahmen ihres Herbstprogrammes zu verhandeln, angesprochen sind sie in jedem Fall.
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