Bericht über das EU-PROJEKT ViTo ST. PETER für ein „Lebendiges historisches Ortszentrum“.
´
Laut Stadtentwicklungskonzept 3.0 sind neben dem Stadtzentrum von Graz auch Bezirks- und Stadtteilzentren bestimmende Struktur. Darauf aufbauend führt die Stadt Graz seit Herbst 2009 im Rahmen des EU-Programms „Integrated Urban Development of Vital Historic Towns as Regional Centres in South East Europe“ das Projekt „Lebendige historische Ortszentren“ zur Aufwertung dieser Stadtbereiche durch. Im Rahmen der Pilotprojekte werden gemeinsam mit der Bevölkerung Stadtteilleitbilder entwickelt – konkret in St. Peter und Straßgang – mit dem Ziel, die Identifikation mit dem Stadtteil und die Lebensqualität zu erhöhen. Schwerpunkte sind die Stärkung sozialer Netzwerke und die Aktivierung der Bevölkerung.
Der historische Ortskern von St. Peter liegt größtenteils in der Altstadtschutzzone IV und hat als dezentrales Versorgungszentrum große Bedeutung für die Umsetzung der Idee „Stadt der kurzen Wege“. Jedoch hat das Zentrum von St. Peter durch das enorm wachsende Verkehrsaufkommen stark an Attraktivität und Lebensqualität verloren. Mit den Konzeptschwerpunkten „Öffentlicher Raum“, „Soziokulturelles Beziehungsnetz“ und „Generelle Stadtteilplanung“ sowie dem Arbeitsmotto „Der Weg ist das Ziel“ erlangte das interdisziplinäre Projektteam Arge 3-2-1-Start (Altmann, Anderl, Baumgartner, Wrentschur) den Auftrag für die Umsetzung ViTo St. Peter. Laut Projektleiterin Maria Baumgartner gibt dieses Motto im wörtlichen und übertragenen Sinn die Zielrichtung vor. Wörtlich bedeutet es, dass der städtische Straßenraum im Idealfall gleichzeitig Weg und Ort mit Aufenthaltsqualitäten sein soll. Im übertragenen Sinn zielt das Motto auf die im Projekt angewandte Empowerment-philosophie, die eine starke Prozessorientierung aufweist. Da St. Peter außer dem Kirchplatz und den Platzbereichen in der Terrassenhaussiedlung so gut wie keine öffentlichen Plätze hat, ist es für das Projektteam umso wichtiger, die Aufenthaltsqualität von Straßenräumen zu stärken.
Projektstart im Herbst 2010
Das Projekt wurde im Herbst 2010 mit einer Swot Analyse des historischen Ortszentrums und umliegenden Stadtteils und in ca. 60 Vorgesprächen mit StakeholderInnen gestartet. Im Jänner 2011 folgte als Auftaktveranstaltung eine Zukunftswerkstatt nach C. G. Jung, in der nach einer Kritikphase auch Wünsche und Visionen von ca. 60 TeilnehmerInnen erarbeitet und, nach Themen gewichtet, entsprechende Arbeitskreise implementiert wurden.
Negativ bewertet wurden vor allem der starke Individualverkehr, versäumte Baumpflanzungen beim Umbau der St. Peter Hauptsraße, das schlechte Angebot der ÖV, ein fehlendes Zentrum, die heruntergekommene Bausubstanz, zu wenig Gastronomietreffpunkte, die schlechte Nahversorgung, ungenügendes Fuß- und Radwegenetz sowie zu schmale Gehsteige.
Gewünscht werden u. a. Verkehrsberuhigung, Bäume entlang der Hauptstraße, zentrale Treffpunkte, ein Cafe, mehr Kultur sowie ein Nachbarschaftszentrum.
Im Februar 2011 folgten Ortsbegehungen zu den Themen Stadtteilentwicklung, Straßenräume, Wege und Parks, Veranstaltungsräume und Kommunikationsorte. Die Projektphase I wurde mit einer Analyse abgeschlossen.
Projektphase II
Projektphase II startete Ende März 2011 mit einem moderierten Planungsworkshop zum Stadtteilleitbild. In einem zweiten Workshop wurde der Entwurf des Leitbildes überarbeitet, konkretisiert und auf Realisierbarkeit geprüft. Am 27. Mai 2011, dem European Neighbours’ Day, wurde das Nachbarschaftszentrum im frei gewordenen Raumangebot des Bezirksamts mit einem Fest eröffnet. Diese Räumlichkeiten werden der Bevölkerung während der Projektphase kostenlos von der Stadt Graz zur Verfügung gestellt. An einer langfristigen Finanzierung, Nutzungskonzepten und Betreiberstrukturen für das Zentrum wird noch gearbeitet.
Das Stadtteilleitbild wurde am 22. Juni vom Teampartner Theatergruppe InterACT öffentlich präsentiert. Es besteht aus einem Text-, einem Plan- und einem Jugendteil und steht auf der Homepage der Stadt Graz als Download zur Verfügung (siehe Link).
Während des Sommers wird das Leitbild von den beteiligten Ämtern und Institutionen der Stadt Graz, die sich regelmäßig mit dem Team in Steuerungsgruppen treffen, auf Präzisierungen geprüft und mit Anmerkungen versehen, grundsätzlich wird das Leitbild aber akzeptiert.
Die Projektphase III beginnt im September 2011. Hier geht es um die Prioritätensetzung von Ideen, eine Zeitreihung und die Festlegung von Zuständigkeiten. Die Arbeitskreise werden weitergeführt, die noch unterrepräsentierte Jugend soll stärker aktiviert und eingebunden werden. Es sollen auch die Etablierung dauerhafter Partizipationsstrukturen und weitere Umsetzungen abgeklärt werden.
Das Projekt endet mit einer Abschlusspräsentation im Dezember 2011, der Projektbericht wird im Feber 2012 vorliegen.
PROJEKTINFORMATIONEN:
Projekt: SEE Projekt ViTo – „Lebendige historische Ortszentren“
Projektzeitraum: Herbst 2009 – 2012
Start Partizipation: Herbst 2010
Projektkosten: € 61.945,-- (Honorar Arge 3-2-1-Start), Gesamtprojektkosten für beide Bezirke € 210.000,--, davon werden 85 % von der EU finanziert.
Auftraggeber: Stadt Graz, Stadtplanungsamt
Projektteam Arge 3-2-1-Start:
DI Maria Baumgartner – Landschaftsplanung,
Dipl.-Ing. Elisabeth Anderl – Architektur,
Mag. Dr. Michael Wrentschur – Soziologie, Theaterpädagogik,
Dr. Peter Altmann – Psychologe, Pädagoge, systemischer Organisations- und Unternehmensberater.
Konkrete Ergebnisse bisher:
Eröffnung des Nachbarschaftszentrums
Schulkinder bauen Weidenhäuschen
Der Arbeitskreis Verkehr erreichte die Zusage für die Pflanzung von 6 Bäumen entlang der St. Peter Hauptstraße (30 Bäume wurden im Zuge der Straßensanierung gefällt!). Hinsichtlich Attraktivierung von Kreuzungsbereichen wurde eine farbig gestaltete Testfläche bei der Kreuzung Schimautz genehmigt.
Attraktivierungsmaßnahme für den unbekannten „Central Park St. Peter“
Zahlen zur Bürgerbeteiligung:
180 Personen im Verteiler,
60 Personen bei Auftaktveranstaltung,
ca. 15 Personen bei Workshops und Arbeitskreisen
Die Frustration war zu Beginn hoch, die Stadt nehme Bürgerbeteiligung nicht ernst – siehe Projekt „Zeit für Graz“. Durch konkrete Umsetzungen, die eigentlich nicht im Zielkatalog der Stadt waren, konnte aber Vertrauen gewonnen werden.
Das Stadtteilleitbild ist ab sofort auch in der Servicestelle St. Peter Hauptstraße 85 kostenlos erhältlich (Öffnungszeiten: MO: 7.00-18.00 Uhr, DI - FR: 7.00-13.00 Uhr).
- Verfasser/in:
- Elisabeth Lechner, Bericht
Weiterführende Links






