Am 6. Juli 2009 hielt Volker Giencke, anlässlich der Überreichung des Josef-Lackner-Preises 2009 an Univ. Prof. Architekt DI Günther Domenig, im Spiegelsaal der Neuen Galerie Graz, die Laudatio. An diesem Tag feierte Günther Domenig seinen 75. Geburtstag.
Lieber Günther!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Der Josef-Lackner-Preis ist die höchste - und einzige - Auszeichnung, die meine Fakultät, die Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck, zu vergeben hat. Der Preis wird biennal vergeben.
Der Josef-Lackner-Preis 2007 wurde am 15. Mai 2009 an Günther Domenig verliehen, im Rahmen der 40-Jahr-Feier des Bestehens der Architekturfakultät Innsbruck. Die Laudatio hielt damals Colin Fournier, Professor am University College London und Gastprofessor am Studio3, Institut für experimentelle Architektur der Universität Innsbruck. Das ist das Institut, das ich leite.
Meine Fakultät, vertreten durch unsere Dekanin, Univ. Prof. Architektin DI Gabriela Seifert und mich, möchten Dir den Preis persönlich und im engen Kreis übergeben. Deshalb sind wir hier.
Dr. Christa Steinle, Leiterin der Neuen Galerie, hat es möglich gemacht, dass das im würdigen Rahmen, im Spiegelsaal der Neuen Galerie, erfolgen kann. Heute.
Heute ist der 6. Juli 2009, Dein 75.Geburtstag!
Ich kann diese Tatsache nicht wirklich nachvollziehen.
Es war kurz nach 1970 als ich Dich kennenlernte.
Günther Domenig, der Gastprofessor an der TU Graz und
Günther Domenig, der Halbstarke, mit VOKU-HILA-Frisur, vorne kurz und hinten lang!
Waren das noch Zeiten, als die junge österreichische Architektur von zumindest halbstarken Architekten geprägt wurde und nicht von mittelmäßigen!
Heute, 40 Jahre danach:
Wem möchte ich die Auszeichnung „Doyen der österreichischen Architektur“ zu sein, verleihen? Wem, wenn nicht Dir?
Aber Du bist keine Vaterfigur! Du bist ein Abtrünniger, ein Desperado, ein junger, in die Jahre gekommener Wilder! Danke Dir für diesen ewigen Charakterzug!
In der Architektur als Geschichte ist er wichtiger als die Begeisterungsschreie der schicken Yamamoto- und Versace-Kollegen, es sind Reservearchitekten und Träger der Anzugmode.
Als Einzelgänger wurde Domenig geachtet. Ebenso erfuhr er eben deshalb Ignoranz und Misshandlung. Jetzt, älter geworden, wird er verehrt und ausgezeichnet. Was für eine Ironie! – aber nicht ungewöhnlich für dieses Land.
Außerhalb von Theorie und Geschichte, außerhalb vom Akademismus und universitärem Gehabe - Domenig war Professor an der TU Graz, Gastprofessor an der Uni Innsbruck etc. - hat Domenig vor allem mit seinen Bauten das besondere Architekturgeschehen im Land entscheidend beeinflusst, zuerst in Kompanie mit Eilfried Huth, später mehr oder weniger alleine.
Wie so oft bei schöpferischen Menschen steht auch bei Domenig sein Genie kontradiktorisch zum finanziellen Vermögen. Ungebrochen ist der Wille, Unverwechselbares zu planen und es baulich umzusetzen. Als Architekt hat uns Domenig seine künstlerische Verpflichtung zur gestalterischen Qualität ebenso vermittelt wie kompromissloses Engagement.
Wenn Josef Lackner, dem Namensgeber dieses Preises, zugeschrieben wird, ein Freiheitskämpfer für Kunst und Architektur in Tirol und darüber hinaus gewesen zu sein, dann trifft sich dieser Wesenszug gut mit der unbändigen Freude und Lust, die Domenigs Architektur in das Land zwischen den Bergen gebracht hat – gegen allen Widerstand.
In diesem Sinne danke ich Dir, Günther Domenig, persönlich, im Namen meiner Fakultät und im Namen aller engagierten Architekten.
Alles Gute zum Geburtstag und herzliche Gratulation zum Josef-Lackner-Preis 2009!
- Verfasser/in:
- Univ. Prof. Arch. DI Volker Giencke, Laudatio

