Die Pelztasse und der Film – CONCEPT FILM im Medienturm

Bis 30. Mai 2009 im Kunstverein Medienturm, Graz.

08/05/2009

Meret Oppenheim, Josephine Baker und Dora Maar, dargestellt von drei Schauspielerinnen, treffen einander in einem Film von Ursula Mayer mit dem Titel „The Lunch in Fur / Le Déjeunere en Fourrure“. Im Gespräch und in Betrachtung von persönlichen Gegenständen und Kunstwerken, zudem in der modernistischen Kulisse einer nicht weiter als in Bildern erläuterten Villa, handelt diese Fiktion von den Erinnerungen der drei Frauen an eine zumeist männlich dominierte Periode der Moderne.

Die in London lebende und 1970 geborene Österreicherin Ursula Mayer arbeitet, wie in der aktuellen Ausstellung im Grazer Medienturm gezeigt, im Bereich der Medien Video, Fotografie und Skulptur. In einer Installation wie in einem weiteren Video „Memories of Mirror“ setzt sich die Künstlerin mit Positionen der schon historischen Moderne aus ihrer individuellen Sicht künstlerischer Gegenwart auseinander. In „Memories of Mirror“ agieren drei Frauen in Kleidern aus den 1920er Jahren nach einer Choreografie von Mary Wigman, einer Wegbereiterin des Ausdruckstanzes dieser Zeit. Die filmischen Bilder erinnern in ihrem Wechsel zwischen schwarz/weiß und Farbe bewusst an die Fotografien von Madame d´Ora (Dora Philippine Kallmus, 1881 Wien – 1963 Frohnleiten/Stmk.), die Fotostudios in Wien und Paris unterhielt und die Künstler-, Mode- und Intellektuellenszene in Porträtfotografien verewigte.

Mit Beispielen von Ursula Mayer und Dorit Margreiter leitet der Kunstverein Medienturm mit Kurator Sandro Droschl eine mehrteilige Ausstellungsreihe zum Thema „CONCEPT FILM“ ein, in der man sich dem Verhältnis von künstlerischem Film und seiner Repräsentation im Ausstellungsraum widmet. Dem „zentrierten und filmhistorisch kodierten Kinofilm“, so die These von Sandro Droschl, stehen dem Film im Kunstkontext „offenere räumliche und inhaltliche Parameter“ gegenüber, die eine Verschränkung mit weiteren künstlerischen Verfahren, beispielsweise der Installation und Fotografie, möglich machen.

In Doris Margreiters (1967 in Wien geboren, lebt in Los Angeles und Wien) Film „10104 Angelo View Drive“ wird ein vom Frank Lloyd Wright-Schüler John Lautner (1911 – 1994) geplantes Privathaus zum Protagonisten, nachdem es, wie etliche andere Lautner-Häuser, für mehrere Hollywood-Produktionen als Kulisse gedient hatte. In fixen Kameraeinstellungen und ohne Tonspur bewegen sich per Motor einzelne Elemente wie Dachverglasungen, Terrassenteile, Poolabdeckung oder TV-Konsole. Unterbrochen, und die Dramaturgie irritierend, wird die Vorstellung des Hauses durch die chaotisch anmutende Performance der kalifornischen Künstlergruppe „Toxic Titties“. Am Set aufgenommene Fotografien, ebenfalls in der Ausstellung, sind wiederum inszeniert und nur auf den schnellen Blick mit Stills zu verwechseln.

„CONCEPT FILM (I)“ ist bis zum 30. Mai 2009 im Kunstverein Medienturm, Josefigasse 1, 8020 Graz, zu sehen. Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 10 – 13 Uhr und Mi. bis Fr. 15 – 18 Uhr.

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Empfehlung

Weiterführende Links

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Dorit Margreiter, 10104 Angelo View Drive (Prequel), 2004, C-Print, 80 x 120 cm, 2/3 Courtesy: Galerie Krobath, Wien
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Dorit Margreiter, 10104 Angelo View Drive (Prequel), 2004, C-Print, 45 x 60, 2/3 cm (mit Toxic Titties), Courtesy: Galerie Krobath, Wien

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