Ein Kind wird geboren –
ÖFFNEN, AUS-STRECKEN, RAUM einnehmen
LIEGEN
Kopf heben, halten, drehen
Es ist dem Kind ein natürliches Bedürfnis, sich gegen die Schwerkraft aufzurichten und dort spielerisch immer von Neuem die Balance zu finden. Die Schwerkraft ist das natürliche Trainings“gerät“ für das Tragegerüst Skelett und die es umgebenden und bewegenden Muskeln.
Aus der Position des Liegens erlebt das Kind das Oben von Räumen, Decken, Laubdächer, Himmel, ... ganz anders als die Betreuungsperson aus der stehenden Perspektive.
LeR – Basis muss fest, warm, atmungsaktiv sein; Unterlagen und Liegeflächen wie Matratze, Matte, Boden, ... bieten Widerstand und Basis und machen durch eine Vielfalt von Material und Oberflächen feine Unterschiede spürbar. Liebevoll bergende Umgebung, die es dem Kind ermöglicht RAUM einzunehmen.
Rhythmen – wechselnde Helligkeit, keine Blendung, feine Unterschiede, Tagesrhythmen, klare Akustik, angenehme Stimmwiedergabe, Freude, strahlende Augen,
LK – zu weiche Matratzen und Unterlagen, beengende Kleidung und Decken, zuviel Zeit in div. Kindersitzen. Die Tatsache, dass Säuglinge heute oft Stunden im Maxi Cosi o.ä. verbringen braucht viel Ausgleich in anderen Lagen, auf flacher, fester Unterlage, damit Beuger und Strecker das richtige Zusammenspiel lernen können. Eintönige, monochrom Farben, grelle, starre Helligkeit, - Die heranreifenden Augen brauchen SPIELraum in dem sie sich betätigen und daran wachsen können.
RAUMgreifen, Drehen = ROLLEN
Kinder sind ständig in Bewegung. Es sind feine, zarte, rhythmische Bewegungen, die ihre Wahrnehmungsorgane und ihr gesamter Organismus ausführen.
Die ersten Dreh- und Rollbewegungen sind schon Grundlage für die Koordination in der Aufrichtung.
LeR – feste, warme, atmungsaktive Unterlage, innig-warme Begleitung;
LK – zu enge Grenzen, das Kind drehen, ziehen,... statt ihm die Zeit für seine persönliche Bewegungsentwicklung zuzugestehen.
Kind beginnt die Welt aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen, erlebt seinen Körper als ein Ganzes im Zusammenspiel von Schwerkraft, Skelett, Muskeln. Es lernt sich wahrnehmen, sich spüren auch in Bezug zur Umgebung. Für das kleine Kind ist jeder Tag eine Sensation.
(Weiter) BEWEGEN
Der Aufmerksamkeitsradius erweitert sich, Ziele werden angesteuert.
ROBBEN, KRABBELN
sind eigentlich Gehbewegungen im Liegen. Überkreuzbewegungen fördern die Koordination von rechter und linker Gehirnhälfte, Arm und Schulterbewegungen unterstützen die Sprachentwicklung. Dritte Dimension gewinnt hier massiv an Bedeutung, Entfernungen und auch Raumhöhen werden in Größenordnung und Proportionen wichtig. Kinder versuchen sich zu holen, was sie zur Entfaltung brauchen
LeR - unterschiedliche Bodenmaterialien und -niveaus sind wichtig. Das räumliche Umfeld bietet ausreichend Platz, „lohnende“ Ziele aber auch bergende Verweilbereiche.
LK – Krabbeln wird durch räumliche Enge, Sitzschalen, zu kalte Böden, usw. behindert.
Zum Sitzen oder Stehen hochziehen.
KLETTERN
Die motorische Entwicklung entfaltet sich noch ein Stück weiter in die Senkrechte, die Bewegung bleibt im Grunde dieselbe. Drehen und Rollen sind seitliche Schraubbewegungen, Robben und Krabbeln auf allen Vieren bringen die Bewegung weiter nach vorne, hinten in den Raum, KLETTERN nützt einen erweiterten Bewegungsspielraum.
LeR – schiefe Ebene, kleine und größere Stufen, stabile Hocker und Leitern, je nach Entwicklungsstand des Kindes. Kleine Herausforderung und aufmerksame Begleitung. Das Sehen gewinnt weiter an Bedeutung für das Kind – verstärkte Herausforderung an die Qualität von Licht, Farben, Formen, Strukturen, usw.
LK – nur eine Ebene, immer alles flach; Hinaufheben und Angst vorm Hinunterfallen;
Eine gepolsterte Umgebung bietet weniger gute Basis für Balance als fester Boden.
Zum SITZEN kommen – SITZEN
Wiederum entsteht eine völlig neue Perspektive. Sitzen ist der erste, freie Balanceakt des Kindes in der Vertikalen. Kind tanzt ununterbrochen um die Balance. Zum Sitzen kommen braucht Platz.
Hören – Gleichgewicht - Funktionskreis Niere/Blase
Sitz-möbel? – Kinder sitzen überall – unterschiedliche Angebote, fest, warm, atmungsaktiv. Es ist durch kleine und kleinste Bewegungen Balance immer wieder spürbar machen, wo es am leichtesten geht! Sitzen im vordersten Bereich der Sitzfläche ermöglicht eine sichere Haltung und gleicht nicht ganz passende Sesselhöhen aus.
LeR – Kinder finden eine räumliche Umgebung und den Freiraum vor, das Sitzen in all seinen Facetten für sich entdecken zu können. Später ist ihnen dann vertraut, dass ihre Sitzhaltung etwas mit Konzentration und Atmen zu tun hat.
LK - beim Sitzen ist z.B. das Hochziehen bei Säuglingen und das in Sessel mit Lehne setzen, obwohl das Kind noch nicht frei sitzen kann. Der Zwang zum stillen Verharren in einer Sitzposition bei Schulkindern birgt die Gefahr, dass sie nach einiger Zeit nicht mehr wahrnehmen, dass sie ständig (feine) Bewegungen brauchen, um in Balance zu bleiben. „Sitz gerade!“
Der aufgerichtete Mensch, das Lauftier, ist am weg zum HOMO SEDENS, dem sitzenden Menschen, der nicht mehr merkt, dass er sich in keiner Haltung mehr ganz aufrichtet!
Zum STEHEN kommen
STEHEN
Spiel mit der Balance, mit der Freiheit der Aufrichtung. Die beste Federung für den gesamten Körper hat der nackte Fuß, wenn er es lernen kann!
LeR – bloße Füße auf festem, fußwarmem Boden; Platz um Abrollen zu können
LK - IST HINSTELLEN = Haltung des Umfeldes!
Erste SCHRITTE
Krabbeln im Stehen, Gehen mit sich vortasten, Verlassen und wieder Ertasten der Balance weiterhandeln.
LeR – fester Boden (Achtung bei Teppichen, sie rutschen weg!). Greif- und Haltemöglichkeiten für die Hände, Bewegungsspielraum
LK – Laufwagerl, Gehschule mit weicher Matratze,hochziehen und an der Hand gehen
GEHEN
Freies Gehen
„Gehen ist ein ständig aufgefangener Fall.“ (H. Kükelhaus)
Fallen lassen, loslassen erfordert Mut! Vertrauen in die eigene Balance lässt Selbstvertrauen wachsen. Vorwärts gehen, auf etwas zugehen, etwas angehen, ...
Körperspannung – Elastizität - Funktionskreis Leber/Galle
Kinder entfalten diese Lebensspannung, weil sie ganz, mit ihrem ganzen Organismus, an allem, was sie tun beteiligt sind. Dort, wo sie daran gehindert werden, entstehen Schäden.
LR - Kind macht immer weitere Entdeckungsreisen und lernt, lernt, lernt, ...In Haltung und Ausdauer werden die anregenden feinen Impulse einer natürlichen Umgebung besonders deutlich.
LK - wenig Bewegungsraum, viel stützen und halten und ziehen,Verbote, Einschränkungen, Vorgriffe, Ungeduld aber auch Gleichförmigkeit, Starrheit, ...
SPRINGEN, RUTSCHEN, STEIGEN
LANDEN
LAUFEN
Kinder können von Natur aus nicht schnell gehen, ab einem gewissen Tempo traben sie.
LeR – an der Bewegung des Kindes kann man wie in einem Tagebuch lesen.Vielfältige, natürliche Lebensräume bieten dem Kind Gelegenheit Bewegungen zu erlernen, zu üben, zu variieren und sich darüber auszudrücken.
LK – drängen schneller zu gehen, das Kind schieben, ziehen, ...(Nur)Asphalt, Beton, Umgebung, die immer wieder dieselben Bewegungsmuster fordert
ES IST IMMER WIEDER DASSELBE PRINZIP
BEWEGLICHKEIT IM TUN ERZEUGT BEWEGLICHKEIT IM GEHIRN,
DIESE ERÖFFNET NEUE MÖGLICHKEITEN ZU TUN ...
KREATIVITÄT
Kreativität ist ein natürliches Bedürfnis Lösungen zu finden und sich auszudrücken. Sie hat zu tun mit Sensibilität (der Welt und sich selbst gegenüber), Phantasie und Furchtlosigkeit, aber auch mit Platz und Möglichkeiten.
LeR - AKTIONSräume schaffen, dem Kind zugestehen Entscheidungen für sich zu treffen und seine Umgebung aktiv mitzugestalten und nach seinen Bedürfnissen zu verändern. Waldkindergarten, FREIräume,
LK - ist z.B. veranstaltete Kindheit, FERTIGE Umgebung
Phantasieräume sind nötig um Neues zu denken, wenn aber Bedürfnisse nur mehr in der Phantasie befriedigt werden, entsteht im Kind eine irreale Welt.
SPIEL
Ursprüngliches Spiel (DONALDSON, MENDIZZA) ist ein archetypisches Verhalten lebendiger Tiere und Menschen – und es braucht solche als Partner. Dieses Spiel ist Sprache, Kommunikation, Balgen und Baden in gegenseitigem Vertrauen. Hier ist eine Wiese mehr als teures Spielgerät. SPIELraum hat Doppelbedeutung.
Räume sind immer subjektiv, nie neutral.
LeR – Offene Herzen und Arme und für das Kind frei zugängliche und bespielbare (vorbereitete) Umgebungen schaffen den Raum, neue Fähigkeiten zu entdecken und zu üben. Lebens-Umwelt, die von einer sicheren Basis aus spielerisch entdeckt, erforscht und bespielt werden kann und darf, wandelt sich zur Mit-Welt - Kinder entwickeln eine Beziehung zu ihr! Geheimräume, Verstecke, Aussichtspunkte, die selber gestaltet werden dürfen und Teil des Stadt-, Dorf, Haus, Wohnungslebens sind.
LK - Spielghettos - Verdrängung des kindlichen Spiels aus dem öffentlichen Raum, Wohnräume als Erwachsenenwelten
SOZIALER KONTAKT
LeR - Wie, wo entsteht er? – Im Alltäglichen, im Spiel, im gemeinsamen Tun, im Arbeiten an gemeinsamen Zielen, beim Feste feiern, all das braucht Räume, die verschiedenste Kommunikationsformen ermöglichen – verbindende Räume, natürliche Räume. Fremdes (Kultur, Menschen, Dinge, ....) öffnet sich mir soweit, wie meine ganze Aufmerksamkeit reicht!
LK - Raumbedingungen können soziale Beziehungen be- oder sogar verhindern -
Stellung zueinander – trennende Räume, Blickwinkel, keine Nischen – nur offene Flächen, nur ein Niveau, kein Wechsel von belebten und ruhigen Zonen, Beton und Asphalt ohne Spuren, ...
Kinder, fühlen sich in LKs bedroht. Sie können ihre Aufmerksamkeit nicht nach außen wenden, schaffen es nicht sich IHRE Räume zu erschließen und haben dann oft das Gefühl, keinen Raum zu haben, fehl am Platz zu sein.
Was ist zu TUN!
Das kleine Kind nimmt voll Vertrauen und ohne zu urteilen das an, was wir ihm an RAUM zur Verfügung stellen, um sich zu formen, zu bilden, zu entwickeln.
Die Verantwortung liegt nicht nur bei Eltern, Architekten und Pädagogen, Raumschaffen - Architektur geht alle an. Räume spiegeln immer gesellschaftliche Einstellungen und Haltungen.
Kinderbereiche mit Kindern planen?
Ja, aber die Verantwortung kann nicht auf ihren Schultern liegen.
Bewusstseins-Bildung in allen RAUM Aspekten – Arbeit mit Kindern, um zu erhalten und zu fördern, Arbeit mit Erwachsenen, um zu informieren, bewusst zu machen und Aktionsfreiräume zu schaffen.
- Verfasser/in:
- DI Margit Schwarz