Der steirische herbst als Festival der Avantgarde mit Tradition

Nichts bleibt wie es einmal war: Vom gewohnten Layout bis zur Festivaldauer beschreitet der steirische herbst in seinem 39. Jahr neue Wege. Inhaltlich lässt die oft und v

15/08/2006

Nichts bleibt wie es einmal war: Vom gewohnten Layout bis zur Festivaldauer beschreitet der steirische herbst in seinem 39. Jahr neue Wege. Inhaltlich lässt die oft und viel proklamierte Multidisziplinarität auf reale Umsetzung hoffen.Im ausdrücklichen Bestehen darauf, dass der diesjährige steirische herbst kein Thema hat, scheint ein konsistentes Programm mit durchgängigen Leitmotiven quer durch die unterschiedlichen Sparten geglückt zu sein.

Kontrolle, Kollaboration, Teilhabe und offene Quellen als rote Fäden, die sich hier und da verknoten, bieten ein breites Aufgabenfeld der (Re)Positionierung des steirischen herbstes als Festival der "Produktion und der Prozesse, des Ermöglichens, des Initiierens."

Der dem Herbst "aufgedruckte" Stempel dient unter anderem der Zuordnung der Veranstaltungen: Der Teilnehmer kann prozentuell auswählen zwischen Arbeitsprozess, Diskurs, Bildender Kunst, Vernetzung, Performativität, Krach, Noise&Metal, Weltmusik, Netzdiskurs, Architektur und vielem mehr.

Somit sucht man auch die 100%ige Architekturveranstaltung vergeblich - in Form von großen Ausstellungen etwa. Dies entspricht aber ohnehin der ursprünglichen Intention des steirischen herbstes; die Protagonisten der Anfangsjahre agierten quer durch die Disziplinen – multi- trans- und interdisziplinär sozusagen – und Architekten waren sowieso immer und überall dabei. Nachfolgend ein kleiner Vorgeschmack:

Ein traditionelles Haus in neuem Herbst Outfit ist heuer Festivalzentrum: Das Künstlerhaus im Stadtpark. Das Festival kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück, dorthin wo seinerzeit im Rahmen des ersten steirischen herbstes 1967 Günther Domenig und Eilfried Huth mit der Ausstellung „ambiente“ in Graz den „Schock der Moderne“ auslösten. Stephan Graigs Gestaltung als „Überaffirmation von Eventkultur und Glitterkonsumismus“ wird voraussichtlich keinen Schock auslösen. Gespannt sein darf man doch, wie das eigentlich für konventionelle Ausstellungen bekannte Künstlerhaus zum multifunktionellen Raum, der alles bietet, was Festivalbesucher, -teilnehmer und andere wünschen und noch viel mehr, mutiert.

21% Bildende Kunst, 19% Theorie, 60% Architektur

"Arbeiten. Bauten und Bilder der Arbeit in der postfordistischen Stadt"

WO: HDA Haus der Architektur Graz

Eröffnung: 23.09.2006, 17.15 Uhr

Dauer der Ausstellung: 24.09.-17.11.2006

Mo-Fr 10.00–18.00 Uhr

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem HDA – Haus der Architektur Graz im Rahmen von HDA 06/07 position alltag.

„Architekturen im Zeichen von affektiver Arbeit und effektiver Rekreation...“

13% Kunst, 63% Architektur, 24% Theorie

International Festival (S)

"The Theatre" - Seminar #4

Ein Architektur-Projekt für den steirischen herbst 2007

WO: HDA – Haus der Architektur Graz

WANN: 09.10–12.10.2006

nur für angemeldete Teilnehmer.

Weitere Information unter http://www.thetheatre.eu

“The Adventure, when experience simply isn't enough”

Ein Abenteuer, das längst begonnen hat mit ungewissem Ausgang – das Infragestellen, Neudefinieren und Uminterpretieren der Disziplinen, die sich ihrer eindeutigen, weil vorgefertigten Definition entziehen. Eine Neuinszenierung des Theaters... das vierte Arbeitstreffen nach Stockholm, London und Berlin, mit dessen Ergebnis „The Theatre“ im September 2007 zu rechnen ist.

70% Kunst, 10% visuelle Kultur, 10% Architektur, 10% Alltag

„traurig sicher, im Training“

WO: Palais Thinnfeld

Eröffnung: 23.09.2006, 12.30 Uhr

Dauer der Ausstellung: 24.09.-28.10.2006

Di-So 10.00–18.00 Uhr, Do 10.00–20.00 Uhr

Koproduktion steirischer herbst & Grazer Kunstverein

Über Verluste und Nebenwirkungen, die mit der gesellschaftlichen Produktion von Sicherheit einhergehen.

Weitere Veranstaltungshinweise, die keinen prozentuellen Anteil an Architektur aufweisen, sich aber mit Fragen und Themen beschäftigen, die ganz unmittelbar mit Architektur und ihrer Produktion im Zusammenhang stehen (sollten):

33% Performance, 33% Bild. Kunst, 33% Theorie

„SLUM“

WO: Neue Galerie

Eröffnung: 23.09. 2006, 15.00 Uhr

Dauer der Ausstellung: 24.09.-15.10.2006

Di - So 10.00 - 18.00, Do 10.00 - 20.00

“Fast dreieinhalb Milliarden der acht Millarden Menschen dieser Erde leben in Städten.“ [...] “Wird die Erde ein "Planet der Slums" (Mike Davis)? Leben wir in einem permanenten "Ausnahmezustand" (Giorgio Agamben)? Wird das Leben der meisten Menschen ein "verworfenes Leben" (Zygmunt Bauman)? Diesen Fragen stellt sich die Neue Galerie Graz in Vorträgen, angekündigten und unangekündigten Aktionen im öffentlichen Raum sowie Foto-, Film-, Video-Präsentationen.

8% Performativität, 28% Bild. Kunst, 20% Film, 17% Musik, 21% Theorie

“No Space is Innocent”

WO: Forum Stadtpark / Veilchen

Eröffnung: 23.09.2006, 18.00 Uhr

Dauer der Ausstellung: 24.09.-15.10.2006

Di-Fr 10.00-18.00 Uhr, Sa, So, Ftg. 14.00-18.00 Uhr, So 24.09.2006, 12.00-24.00 Uhr

Künstlergespräch, Diskussion, Performance, Film

„Ausgehend von der künstlerischen Reflexion über geschichtlich vorformulierte sowie utopische Raumvorstellungen und die ihnen eingeschriebenen kulturellen Praktiken will "No Space is Innocent" jene Räume reartikulieren, die auf sozialen und politischen Formen der Erinnerung, der Geschichte und des Aktivismus beruhen.“

Empfehlenswert sind auch die „Walks in Progress“, geführte Spaziergänge durch den steirischen herbst oder von der Theorie in die Praxis: Eine angewandte Feldforschung in Sachen Architektur, vielleicht auch zur Erweiterung des Architekturverständnisses beitragend:

"Grenzen und Zwischenräume"

Eine wandernde Feldforschung

WANN: Do 05.10.2006, 14.00-20.00 Uhr

Treffpunkt: Festivalszentrum

Judith Laister, Elisabeth Katschnig-Fasch u.a.

Raumforschung aus kulturanthropologischer Sicht

"(Freiwillige Selbst-)Kontrolle"

Vom Kriminalmuseum über die Müllverwaltung bis zum Fitnessstudio

WANN: Mo 02.10.2006, 14.00 Uhr

Treffpunkt: Haupteingang Karl-Franzens-Universität Graz

Michael Zinganel, Joachim Hainzl, Christian Bachhiesl u.a.

"Der Arbeit nachgehen"

Bauten und Bilder der Arbeit in der postfordistischen Stadt

WANN: Sa 07.10.2006, 14.00 Uhr

Treffpunkt: Palais Thinnfeld

Gabu Heindl, Markus Bogensberger, Oliver Schürer, u.a.

Mittels Regler kann sich jeder Interessierte seinen bunten Kulturmix auf der Homepage des steirischen herbstes auch selbst herstellen.

FORUM STADTPARK

Stadtpark 1, 8010 Graz

T 0316/82 77 34

forum@mur.at, forum.mur.at

HdA Haus der Architektur

Engelgasse 3-5, 8010 Graz

T 0316/32 35 00

office@hda-graz.at, www.hda-graz.at

Künstlerhaus Graz

Burgring 2, 8010 Graz

T 0316/82 73 91

kuenstlerhaus@museum-joanneum.at

Neue Galerie Graz

Sackstraße 16, 8010 Graz

T 0316/82 91 55

neuegalerie@museum-joanneum.at, www.neuegalerie.at

Palais Thinnfeld

Mariahilferstraße 2, 8010 Graz

Verfasser/in:
Ute Angeringer, Empfehlung

Weiterführende Links

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HdA Haus der Architektur, Arbeiten Chinatown WORK, an Interactive Public Art Installation for multiple sites in New Yorks Chinatown, © Marisa Yiu and Eric Schuldenfrei
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HdA Haus der Architektur, Arbeiten. Stan arbeitet, © Marie Neugebauer
steirischersbt_06_festivalzentrum.jpg
Festivalzentrum im Künstlerhaus Graz / Entwurf Stephan Craig, © steirischer herbst
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Neue Galerie Graz, Slum “Trash People”by HA Schult, © HA Schult / Neue Galerie Graz
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Logo steirischer herbst, © steirischer herbst Design: Lies Verheyen / MAZOUT
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Forum Stadtpark, No Space is Innocent, © Ralo Mayer, Martin Udovicic, "Daegseingcny”, 2006

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