Angelegt wurde der Stadtpark mit Beginn im Jahr 1872 vor allem durch die Initiative des Bürgermeisters Moritz Ritter von Franck, auf einem vom Militär für Exerzier- und Schießübungen genutzten Areal am Fuß der zum Teil in den Jahren 1782 und 1784 infolge eines Dekrets Josefs II. geschleiften Festung. Die anliegenden Stadtgrabengründe wurden durch den landschaftlichen Bauinspektor Johann Heinrich von Formentini schon 1787 als Weideland verpachtet, aus dem Erlös legte er die Dammallee an. Wilde Kastanienbäume wurden gepflanzt und die so entstandene Allee diente schon damals den Grazern zur Promenade. Ritter von Franck konnte 1872 nach einem Tauschvertrag mit der Militärverwaltung das Areal des heutigen Stadtparks gegen die Realität Feliferhof gewinnen.
Aus dem Jahr 1878 ist ein Plan des Obergärtners von Schloss Metahof, Franz Marouschek, erhalten, nach dem die Gartengestaltung durchaus dem damaligen Geschmack verbunden ist: Die Alleen, insbesondere die Damm-Allee, entsprechen weitgehend der gegenwärtigen Anlage, das Netz der Fahrstraßen und Fußwege erinnert an das ehemalige Glacis, das von kreuz und quer laufenden Wegen geprägt war.
Die Bepflanzung der rund 18 Hektar großen Fläche wurde nach dem Vorbild des englischen Landschaftsgartens vorgenommen, wenngleich auf architektonische Überraschungen, wie sie den Prinzipien dieser Anlagen entsprachen, verzichtet wurde. Dagegen stand die gärtnerische Konzeption im Vordergrund, weshalb der Grazer Stadtpark für ein typisches Beispiel des Landschaftsgartens im 19. Jahrhundert steht und im 1999 novellierten Denkmalschutzgesetz in eine österreichische Verfassungsliste der zu schützenden historischen Gartenanlagen aufgenommen wurde.
Das Grazer Stadtgartenamt konstatierte bekanntlich in einem Gutachten Altersschäden, massive Austriebe durch Kronenkappung und Stammfäulnis an den Baumbeständen sämtlicher Alleen. Geplant war zunächst die Schlägerung von 147 Bäumen der Montclair- und Dubrovnik-Allee. Nun aber sind seitens des Stadtgartenamtes für das heurige Jahr keine Mittel für diese Bereiche budgetiert, wohl aber für die Erzherzog-Johann-Allee und die Maria-Theresienallee.
Umweltanwalt HF Dr. Alois Oswald hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem sich der Verfasser Univ.-Prof. Dr. Franz Wolkinger gegen einen totalen Kahlschlag ausspricht. „Man müsste den Stadtpark sanft und abschnittweise sanieren. Dazu ist die Stadt auch verpflichtet, weil der Stadtpark geschützter Landschaftsteil ist.“ Wolkinger, der auch Argumente für die Erhaltung der „Grünen Lunge“ angesichts des akuten Feinstaubproblems ins Treffen führt, schlägt vor, „ nicht einfach über hundert Bäume zu eliminieren, sondern sehr sorgfältig drei bis vier Gruppen herauszunehmen, die wirklich gefährdet sind. Dort könnte man im Laufe der Zeit Ergänzungen mit Rosskastanien durchführen. Diese sollten mindestens 30 cm Umfang haben – das ist ohnehin vorgesehen.“
Einem weiteren Argument gegen die Totalerneuerung, im Sinn des Denkmalschutzes für ein einheitliches Alleebild zu sorgen, begegnet Wolkinger allerdings mit der Situation in der Pécs-Allee, wo schon einzelne Bäume nachgesetzt wurden und damit ein Wechsel zwischen Alt- und Neubestand bereits gegeben ist. „Man müsste eigentlich sicherstellen, dass eine Baumschule 200 bis 300 gleich alte Rosskastanien zur Verfügung hat, die nach Bedarf abgerufen werden können. Letztlich käme es dadurch zur gleichmäßigen Erneuerung ohne krasse Unterschiede.“ Hier schließt sich Wolkinger der Sicht des Referatsleiters für historische Gartenanlagen im Bundesdenkmalamt, Univ. Doz. Dr. Geza Hajós, an, der auf das Beispiel Schönbrunn verweist. Seit 1995 hatte man dort 600 Hainbuchen vorgezüchtet, die im Jahr 2003 eine Höhe von vier Metern erreicht hatten und in die Lücken der Heckenwände im Großen Parterre des Barockgartens eingesetzt worden waren.
Die Ursachen für den derzeitigen Zustand führt Wolkinger auf das Kappen von Baumkronen in den 1970er-Jahren zurück. Zudem habe man die Baumpflege vernachlässigt, nachdem ein seit 1978 im Gartenamt tätiger Baumtrupp eingespart wurde. Tatsächlich gefällt werden müssten seiner Meinung nach nur etwa 10 Prozent der Bäume im Stadtpark.
Geza Hajós weist in seinen Publikationen immer wieder auf das Problem hin, dass in Österreich Denkmalschutz in den Kompetenzbereich des Bundes, Naturschutz aber in den Kompetenzbereich der Länder fällt. Die historischen Gärten werden in Österreich seit einem „Verfassungserkenntnis“ aus dem Jahr 1964 nicht als Kunstdenkmale anerkannt, sondern bestenfalls als Bestandteile der Kulturlandschaft, was immer wieder zu einem Konflikt hinsichtlich der Zuständigkeit um den Umgang mit pflanzlichem Bestand historischer Gärten führt. In einer von ICOMOS (International Council of Monuments an Sites) 1981 verabschiedeten Charta zum Schutz und zur Pflege historischer Gärten heißt es im Artikel 1: „Ein historischer Garten ist ein mit baulichen und pflanzlichen Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus historischen oder künstlerischen Gründen öffentliches Interesse besteht. Als solches steht er im Rang eines ‘Denkmals’.“ In diesem Sinn ergänzt Hajós, „müssen die Einzelpflanzen in einem historischen Park in erster Linie als grüne Bausteine betrachtet werden, aus denen der Mensch je nach Epoche und Weltanschauung immer wieder andersartige grüne Kunstwerke hervorgebracht hat.“ Wichtig sei daher nicht allein die Erhaltung der Biodiversität, sondern auch der kulturell-zeitlichen Diversität historischer Gärten.
Aktueller Stand der Baumfrage im Stadtpark ist nach Aussage von Robert Grill, Baumexperte und Referatsleiter im Stadtgartenamt, inzwischen nicht mehr eine Kahlschlaglösung, sondern ein in drei Etappen organisierter Austausch – vorerst doch wieder – in der Montclair-Allee.
„STADTPARK-GIPFEL“
Die Stadt Graz plante ursprünglich für heute, den 12. April 2005 im Foyer der Grazer Oper einen „Stadtpark-Gipfel“, bei dem Experten und Politiker den Grazer BürgerInnen Rede und Antwort zu den Sanierungsmaßnahmen der Alleebäume im Grazer Stadtpark stehen sollten. Der Termin wurde nun kurzfristig verschoben. Es bleibt zu hoffen, dass aufgeschoben in diesem Fall nicht aufgehoben bedeutet!
GAT wird berichten.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Bericht
