PolitikerInnen beziehen am 12.09.2006 im Architekturzentrum Wien Stellung zu den Forderungen der Plattform Architekturpolitik und Baukultur nach Verankerung der Baukultur in der Bundesregierung
Dass Baukultur eine politische Verankerung in der Bundesregierung braucht, fordert die Plattform für Architekturpolitik und Baukultur seit mehreren Jahren. Die Plattform hat mit zahlreichen Aktivitäten und Gesprächen einen Dialog zu Fragen und Aufgaben der Baukultur aufgebaut und die Beziehungen zwischen den Baukulturschaffenden und der Politik vertieft. Unter dem Motto „Architektur kann überall sein - aus Bauen muss Architektur werden“ wurde ein entsprechendes Bewusstsein zur baukulturellen Verantwortung geschaffen und das Verständnis für zeitgenössische Architektur und Baukultur erhöht: „Gefordert wird eine ressortübergreifende Koordinationsstelle mit politischer Handlungsvollmacht samt Etablierung entsprechender fachlicher KompetenzträgerInnen. (Die 3 Forderungen zur Baukultur an die Politik siehe untenstehender Link).
Kurz vor der Nationalratswahl beziehen PolitikerInnen Stellung zu den Forderungen.
Wann: 12. September 2006, 19 Uhr
Wo: AZW - Architekturzentrum Wien – Podium
Museumsplatz 1, im MQ
A-1070 Wien
Moderation: Ute Woltron (Der Standard)
TeilnehmerInnen:
ÖVP: Carina Felzmann, Nationalratsabgeordnete
SPÖ: Rudolf Schicker, Wiener Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr
FPÖ: Henriette Frank, Gemeinderätin Wien
Grüne: Wolfgang Zinggl, Nationalratsabgeordneter, Kultursprecher
BZÖ: angefragt
Umtrunk im Anschluss
Wolfgang Zinggl gab die Forderungen der Grünen nach einer neuen "Planungs- und Baukultur" letzten Freitag, 1. September 2006 auf einer Pressekonferenz in Wien bekannt:
Verbesserungen seien bei Vergaben, Förderungen, Ausbildung und Vermittlung notwendig. Dafür sollen etwa eine größere
Verbreitung des "Baukulturreports", eine Verbesserung bei der Durchführung von Wettbewerben und Vergabeverfahren, stärkere Einbindung von Qualitätskriterien bei Förderungen, ressortübergreifende Zusammenarbeit bei Raumplanung sowie
Verbesserungen am Ausbildungs- und Vermittlungssektor sorgen.
Laut Zinggl sollen künftig eine "Formulierung von Leitlinien, welches Bauvorhaben mit welchem Vergabeverfahren durchzuführen ist", sowie die öffentliche Tagung von Vergabejurys Fehler der Vergangenheit vermeiden. Nachhaltige Projekte mit Innovationen im sozialen und ökologischen Bereich sollen bei Wohnbau-, Infrastruktur- und Regionalförderung vorrangig behandelt werden.
Der Grüne Kultursprecher ortet auch eine Benachteiligung des heimischen Architektennachwuchses: "Derzeit muss eine Architekturabsolventin in Österreich drei Jahre Berufspraxis im Angestelltenverhältnis vorweisen, bevor sie zur Ziviltechnikerprüfung antreten kann.
In Frankreich oder den Niederlanden reicht nach Abschluss des Studiums die Einzahlung per Erlagschein an die Berufsvertretung, um als Architektin arbeiten zu können. Viele Österreicher/innen sind deshalb als niederländische Architekt/innen tätig."
Schließlich fehlt es für Zinggl auch an der Sensibilisierung der Bevölkerung für baukulturelle Fragen. Die Ergänzung des Lehrplanes in "Bildnerische Erziehung" um das Thema "Gestaltung der gebauten Umwelt" und entsprechende Schulung der Lehrkräfte könne dabei helfen, dem bisher vor allem durch die Fertigteilhaus-Ausstellung "Blaue Lagune" in Vösendorf einseitig geprägten architektonischen Massengeschmack entgegenzuwirken.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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