Das Passivhaus – ein neuer Standard für das Wohnhaus?

Die 1. Grazer Passivhaustagung wandte sich am 12. März unter dem Motto „Das Passivhaus – Der neue Standard für Häuslbauer“ an eine breite Schar von Interessierten.

27/03/2009

Das Passivhaus – ein neuer Standard für das Wohnhaus?

Das als alternatives Baukonzept mit minimalem Energieverbrauch viel gerühmte Passivhaus ist seit Jahren in aller Munde – trotzdem gibt es österreichweit erst rund 1.500 dieser Bauobjekte, der weitaus überwiegende Anteil in Form von Einfamilienhäusern in ländlichen Regionen. Selbst in Zeiten dramatisch gestiegener Energiekosten bleibt aus verschiedenen Gründen die Zurückhaltung unter den potenziellen Bauherren groß.

Die 1. Grazer Passivhaustagung sollte hier Abhilfe schaffen und wandte sich unter dem Motto „Das Passivhaus – Der neue Standard für Häuslbauer“ an eine breite Schar von Interessierten. Der Ableger der bereits seit vier Jahren in Kärnten abgehaltenen Tagung fand am 12. März 2009 erstmals in Graz, in den Räumlichkeiten der Steiermärkischen Sparkasse, statt.

Als „Gaststar“ des Abends referierte der renommierte deutsche Journalist und Öko-Vordenker Dr. Franz Alt, Verfasser von zahlreichen Büchern zum Thema „Energiewende“. Er plädiert angesichts der dramatischen Auswirkungen des Klimawandels für ein rasches Umdenken in der Baupolitik sowie der mit ihr verbundenen Förderungsmodelle. In seiner Vision verbindet sich kostengünstiges Bauen in Passivbauweise mit so genannter Solararchitektur, die eine weitgehende Eigenversorgung von Wohnobjekten mit elektrischer Energie ermöglicht. Leider fehlt es, so Alt, „in Österreich im Gegensatz zu Deutschland jedoch nach wie vor an einer attraktiven Einspeiseregelung für Wohnhäuser“, die eine relativ rasche Amortisation von Photovoltaikanlagen ermöglichen würde. Auch in der Sanierung von Altbauten steckt ein enormes Potenzial: bei entsprechenden Projekten in Karlsruhe konnte der Verbrauch in Wohnobjekten aus den 1960er Jahren um 80 % von 25 auf rund 5 Liter/m² im Jahr gesenkt werden. Trotz oder gerade wegen der manchmal etwas predigthaften, allzu eingängigen Werbetöne des geschulten Theologen darf jedoch bezweifelt werden, dass die Welt allein mit Hilfe des Passivhauses gerettet werden kann. Denn schließlich wollen die Kosten für Neubau oder Sanierung in Passivhausqualität erst einmal aufgebracht werden, wozu das derzeitige Umfeld nicht gerade angetan ist. Andererseits betonte Alt, dass in der gezielten Förderung klimafreundlichen Bauens durch die öffentliche Hand auch ein enormes Potenzial für die heimische Wirtschaft sowie den Arbeitsmarkt liegen.

Die Vorzüge der Passivbauweise seien mannigfaltig führte Daniel Eckert von der Weissenseer Holz-System-Bau GmbH aus: Das Wohnklima in den ohne Heizsystem mit Umluftsystemen erwärmten Räumen sei gesund und nachhaltig. Er beziffert den zusätzlichen Stromaufwand für die Lüftungsanlage und Warmwasser für ein 130 m² Wohnhaus mit 345 Euro im Jahr.

BM DI Arch. Ruprecht Obernosterer sieht die Zukunft des Passivhauses vor allem in individuellen Lösungen. Man komme weg von den eintönigen, etwas langweiligen kompakten Häusern hin zu offeneren eingeschossigen Baulösungen mit Holzfassaden, die sich in die natürliche Umgebung sehr gut einfügen. Die individuellen Wünsche des/der BauherrIn sowie ein intensiver Informationsaustausch mit sämtlichen beteiligten Bau-Partnern stehen dabei ganz oben in der Prioritätenliste des Architekten. Auf der anderen Seite sind jedoch auch zahlreiche Angebote von Fertigteilhäusern in Passivbauweise auf dem Markt zu finden.

Die ständige Weiterentwicklung der Haustechnik macht spezielles Feintuning oder ständiges Nachjustieren, das von vielen nach wie vor am meisten gefürchtet wird, heute praktisch überflüssig, betonte DI Erwin Kraus von der Kraus Haustechnik GmbH: „Die gesamte Haustechnik für ein Passivhaus kommt heute in eine Box, die sich auf kleinstem Raum unterbringen lässt.“

Ob sich die, durch diese Wunderwerke der Technik ermöglichten energiearmen Wohnobjekte dank staatlicher Förderungen tatsächlich nicht teurer als konventionelle Einfamilienhäuser auf den Geldsäckel schlagen, muss allerdings jeder interessierte Häuslbauer durch ein intensives Vergleichen der Angebote selbst herausfinden.

Verfasser/in:
Josef Schiffer, Bericht

Weiterführende Links

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Daniel Eckert, Franz Alt, Ruprecht Obernosterer und Erwin Kraus (v. li.) standen in der Podiumsdiskussion den zahlreichen InteressentInnen zu Details der Passivbautechnologie Rede und Antwort.
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Die gesamte Haustechnik für ein Passivhaus (Lüftung, Steuerung etc.) passt heute in eine platzsparende Box.

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