Das Grazer Modell in der Warteschleife

Das Grazer Modell - Instrumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Sicherung der Baukultur - wurde im Ausschuss für Stadt-, Verkehrs- und Grünraumplanung auf Antrag de

25/09/2006

Das Grazer Modell - Instrumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Sicherung der Baukultur - wurde im Ausschuss für Stadt-, Verkehrs- und Grünraumplanung auf Antrag der SPÖ zurückgestellt und daher in der Gemeinderatssitzung am 21.09. nicht behandelt.

In der Grazer Stadtbaudirektion zeigt man sich darüber einigermaßen verwundert, hatte man doch im ersten Halbjahr 2006 im Rahmen eines mehrteiligen Workshops gemeinsam mit Vertretern der Stadtpolitik, des Stadtplanungsamtes, der Plattform Architektur und der Wirtschaftskammer, ein umfassendes Vier-Punkte-Konzept zum Grazer Modell ausgearbeitet und dieses noch vor der Sommerpause dem Ausschuss für Stadt-, Verkehrs- und Grünraumplanung zur Begutachtung vorgelegt. Mit Ausnahme von einigen marginalen Änderungswünschen wurde das Papier damals von allen politischen Parteien, die im Ausschuss vertreten sind, wohlwollend anerkannt. Warum sich die SPÖ kurz vor der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag dagegen aussprach, kann nur vermutet werden. Die offizielle Begründung, das Vier-Punkte-Konzept sei zu wenig detailliert, ist für die Workshop-Teilnehmer nicht nachvollziehbar.

Sollte im Oktober kein positiver Gemeinderatsbeschluss erfolgen, könnte das Grazer Modell auch ohne politische Unterstützung umgesetzt werden. Ob die Instrumente zur nachhaltigen Stadtentwicklung und Sicherung der Baukultur in diesem Falle wirksam zum Einsatz kämen, ist allerdings fraglich.

Lesen Sie den nachfolgenden Artikel von Edgar Hammerl (erstmalig erschienen in der HDA-Gazette), der die Entwicklung des Grazer Modells im ersten Halbjahr 2006 erläutert. DI Edgar Hammerl ist HDA-Vorstandsmitglied. Er hat in dieser Funktion am o. a. Workshop teilgenommen.

„Baukultur – Das Grazer Modell“

Es ist allgemein bekannt, dass ein Gestaltungsinstrument nur so gut wirken kann, wie es von politischer Hand getragen wird. Nachdem nun das gut vorbereitete und noch besser angedachte Pilotprojekt für einen Grazer-Gestaltungsbeirat noch vor seinem Start aufgrund massiven Widerstandes von Seiten der Wirtschaftskammer und in weiterer Folge auch der Grazer Stadtpolitik zu Grabe getragen wurde, konnte nach intensiven Bemühungen des HDA-Graz und der AIK-Steiermark/Kärnten ein neuer Prozess initiiert werden.

Gegenstand und Zielsetzung: Das „Grazer Modell” für Stadtentwicklung und Baukultur ist ein Set von vier Instrumenten, die jeweils spezifische Zielsetzungen verfolgen und sich hinsichtlich Konkretisierungsgrad und zeitlicher Perspektive unterscheiden. Gemeinsam bilden diese vier Instrumente ein integriertes Bündel, das bereits kurzfristig zu qualitativen Verbesserungen im Bereich der Stadtentwicklung und der Baukultur führen soll.

Zusammenfassend: Im Graz des Jahres 2010 soll Baukultur bzw. Bauqualität gelebte Praxis sein. Dies bezieht sich sowohl auf Abläufe (transparent, schnell, konfliktarm) als auch auf das Ergebnis, d.h. Bauqualität ist im Stadtbild erkennbar. Die Anliegen von Beteiligten und Interessensgruppen – etwa Bürgerinnen und Bürger, konkret insbesondere auch Wirtschaft, Architektur, Stadtplanung, Politik oder Verwaltung – sollen direkt oder indirekt berücksichtigt und auf konsensualem Weg miteinander abgestimmt werden.

Die Entwicklung des Grazer Modells in der aktuellen Form erfolgte im ersten Halbjahr des Jahres 2006. Am Entwicklungsprozess waren folgende Interessensgruppen bzw. deren Vertreter beteiligt: Stadtpolitik / Stadtrat Rüsch; Stadtverwaltung mit Stadtbaudirektion, Stadtplanungsamt, Bau- und Anlagenbehörde; Architekten mit je 1Vertreter von AIK, HDA und der Plattform Architektur und Wirtschaft/WKO mit ebenfalls 3 Vertretern

Die Instrumente des Grazer Modells im Überblick:

Beim Grazer Modell handelt es sich um die Entwicklung und den Einsatz von vier aufeinander abgestimmten Instrumenten: Stadtforum, Bebauungsleitlinien, Wettbewerbswesen und Projekttisch.

Das Stadtforum ist ein interdisziplinär besetztes Gremium, das sich auf eigene Initiative hin (oder über Auftrag) mit langfristigen und strategischen Fragen zur Stadtentwicklung auseinandersetzt.

Bebauungsleitlinien sind auf den Gebietscharakter bezogene generelle Gestaltungsvorschreibungen. Es soll ein Rahmen für die Bebaubarkeit von Grundstücken festgelegt werden, der kalkulatorische Ansätze ermöglicht. Dieser Rahmen wird durch übergeordnete Qualitätssicherungsinstrumente wie z. B.: Architekturwettbewerbe weiter optimiert werden.

Das Wettbewerbswesen – wie derzeit praktiziert – wird eine Stärkung erfahren. Zweck ist die Sicherung ästhetischer Vielfalt sowie der Qualität der Ergebnisse, die in Bauten oder in der Gestaltung von definierten Stadtgebieten zum Ausdruck kommt.

Die Stadt Graz unterwirft sich bei ihren eigenen Projekten einer Selbstbindung für Wettbewerbe bei Projektkosten über € 700.000,--. Darüberhinaus besteht eine Schnitstellendefinition bezüglich Wettbewerbe mit der GBG.

Der Projekttisch ist eine Serviceeinrichtung der Stadt zur Information und Beratung bezüglich sowie Vorbegutachtung von Bauprojekten vor dem Bauverfahren. Zweck ist die Erteilung verbindlicher Auskünfte der städtischen Planungstellen sowie Qualitätssicherung von Bauprojekten durch Einbeziehung von externen Experten bei Projekten von besonderer Bedeutung bzw. einer festgelegten Größendimension die ohne Wettbewerb realisiert werden sollen.

Das Grazer Modell wird nach einem Zeitraum von rund einem Jahr hinsichtlich Wirkung und Anwendung evaluiert werden – dann wird sich zeigen, ob hier ein richtungsweisendes Instrument entstanden ist.

Verfasser/in:
Redaktion GAT, HDA

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Foto: Max Wegscheider

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