DACHAUSBAU FREIHEITSPLATZ IN GRAZ > Arch. DI Klaus Kada, Graz

Klaus Kada erläutert sein Konzept für den Dachausbau am Freiheitsplatz in Graz und warnt, dass die Grazer Dachlandschaft durch Gauben zur Gaubenlandschaft mutiere.

02/02/2006

Idee und Konzept

Für die bauliche Charakteristik eines Stadtbildes ist der zentrale Begriff des Erscheinungsbildes und alle gestaltwirksamen Merkmale der einzelnen Objekte von zentraler Bedeutung.

Einer der wesentlichen gestaltwirksamen Merkmale der Stadt Graz ist die Dachlandschaft, zu sehen als eine Gesamtheit aus verschieden großen, verschieden geneigten und verschieden geformten Flächen aus einem, im weitesten Sinne gleichen Material, nämlich aus der Ziegeldeckung bestehenden Einheit.

Ursprüngliche Öffnungen oder Verletzungen dieser einheitlichen Flächen sind aus der Fläche aufgeklappte kleinere Flächen (natürlich aus dem gleichen Deckungsmaterial) , sogenannte Schleppgauben. Sie haben in größerer oder kleinerer Anzahl die Flächigkeit der Dachhaut strukturiert und nicht wesentlich verändert, wobei die Anzahl auch den verschiedenen Verwendungszwecken des Dachraumes angepasst war und somit eine funktionelle Erkennbarkeit vermittelten. Trotzdem hat die harmonische Einfügung in die Gesamtfläche eine Einheit dargestellt.

Im Zuge der Zeit und auch der zunehmend verschiedenen Nutzungen der Dachräume haben sich die Schleppgauben verändert und sind zu einer eigenständigen und aufgesetzten Form weiterentwickelt worden. (z.B. Rundgauben, verputzte Gauben, dreieckige Häuschen, etc.). Damit wurde die Einheitlichkeit und Flächigkeit der Dachhaut unterbrochen und deutlich verändert. Einige Beispiele, auch in Graz zeigen, dass die so genannte viel gerühmte Dachlandschaft zur Gaubenlandschaft mutiert. Diese Situation wurde auch nicht verbessert, als Dachflächenfenster eingeführt wurden, die vor allem von einem höher gelegenen Blickpunkt aus die Fläche und die Einheitlichkeit der Dachhaut z.B. durch den Spiegeleffekt stören.

Diese Grundsatzüberlegung ob diesem Phänomen und die nun beschriebene Lösung dazu werden auch von Altstadtkommission und Denkmalamt geteilt.

Um nun einerseits diesem Phänomen beizukommen und andererseits für Dachraumnutzungen ausreichende Belichtung und Belüftung herzustellen, wurde beim Projekt Freiheitsplatz im Hofbereich, und nur im Hofbereich, die historische Idee des Aufklappens der Dachfläche wieder aufgenommen, um eine großzügige und flächenbetonte Dachlandschaft herzustellen.

Dieses Konzept bedingt natürlich, und das ist nur in speziellen Fällen anzuwenden, eine gewisse Größe des Projektes, sodass der Dimension der nunmehr entstandenen Teilflächen, eine gemäß den angrenzenden bestehenden Dachflächen angepasste Form gegeben wird.

Somit entsteht ein adäquates Pendant zur übrigen Stadtlandschaft, die aus grundrissabhängigen Dachverschneidungen und Neigungen besteht. Das zeigt sich am besten von einem höheren Blickpunkt aus, z.B. vom Schlossberg, von dem aus nur die Dachflächen und deren Verschneidungen, natürlich aus dem üblichen historischen Material hergestellt, kaum aber die vertikalen Glasflächen, die sich tief im Dunkeln hinter den Traufenlinien befinden, sichtbar sind.

Diese Lösung impliziert auch, und dies nur zum Schutz und Erhalt des Bestandes am Freiheitsplatz, Ballhausgasse und Hofgasse, eine weitere Belichtungsmöglichkeit hinter dem bestehenden First. Eine um ca. 1 m in Richtung Hof zurückgesetzte und

eine neuere, um 70 cm höher gelegte Firstlinie, lässt dies zu.

Aus der Sicht eines Fußgängers am Freiheitsplatz und nur am Freiheitsplatz, vom Schauspielhaus aus, ist diese neue Firstlinie nur in einer Höhe zwischen 25 – 30 cm sichtbar.

Die Glasfläche hinter der bestehenden Firstlinie ist unsichtbar, d.h. auch hier findet in der schrägen Dachfläche kein Materialwechsel statt und die Dachfläche bleibt unberührt.

Von der Hofgasse, Ballhausgasse und vor allem vom Schlossberg aus bleibt diese Maßnahme ebenfalls unsichtbar.

(Text: Architekt Klaus Kada)KONTAKT:

Univ.-Prof. Arch. DI Klaus Kada

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