Immer wieder trat der junge Grazer Constantin Luser in den vergangenen Jahren mit großflächigen Wandzeichnungen, ausgeführt mit Bleistift oder schwarzem Filzstift, auf. Darin entwickeln sich utopische und technoide Situationen aus Figuren, Maschinen und Landschaften, die in meist reinem Kontur an technische Werkzeichnungen erinnern. Solipsistisch anmutende, faszinierende Parallelwelten werden ausgebreitet und in rhizomartig sich erweiternden Details aufgefächert. In diese Kopflandschaften werden aktuelle Ereignisse auch gleich eingebaut wie beispielsweise die präzise Verlustanzeige während einer Ausstellung im Forum Stadtpark, nachdem gerade Lusers Moped entwendet worden war. Eine genaue Darstellung mit Beschreibung diverser Aufkleber und Angabe der Telefonnummer wurde als Suchmeldung integriert.
In Installationen setzt der 1976 geborene Schüler von Brigitte Kowanz und Renée Green seine Zeichnungen in räumliche Gebilde um, wie das eines scheinbar von einem Steuerpult aus zu dirigierende vielbeinige Wesen in Gegenüberstellung der entsprechenden Konstruktionspläne im Studio der Neuen Galerie, Graz 2002.
Im Kulturhauptstadtjahr installierte Constantin Luser an der Nordfassade des Telekom-Hochhauses in Graz eine Lichtschreibmaschine. Das Gebäude wurde zum überdimensionalen Display aus hunderten von Handlampen, die der Fassade vorgehängt waren und die über ein Schaltpult auf Straßenniveau von Passanten angesteuert werden konnten. Entsprechend einem strengen Konzept nach Low-Tech-Kriterien stand es geduldigen Besuchern nun frei - über ein Manual von Kippschaltern - Leuchtbotschaften von der Fassade des Hochhauses in die Grazer Nacht senden.
Die Lichtschreibmaschine – in der Tat eine großflächige Maschine, die einem Detail der Unmengen seiner Parallelweltkonstruktionen entsprechen könnte – wurde jetzt an der Fassade der Tretjakov-Galerie aufgebaut, nachdem Constantin Luser von den KuratorInnen Joseph Backstein, Daniel Birnbaum, Iara Boubnova, Nicolas Bourriaud, Rosa Martínez und Hans Ulrich Obrist zur 1. Moskau Biennale unter dem Titel DIALECTICS OF HOPE eingeladen worden war. Die Eröffnung fand am 28. Jänner im vormaligen Lenin Museum in der Nähe des Roten Platzes statt, wo Luser zudem vier große temporäre Wandzeichnungen realisiert hat. Wie schon in Graz besorgte Martin Huth die technische Umsetzung und Anbringung der Lichtschreibmaschine, schwindelfrei im Umgang mit kilometerlangen Kabelsträngen.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek
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