Die zentrale Ausstellung im Kunsthaus Graz, im Rahmen des diesjährigen Japanschwerpunktes am Landesmuseum Joanneum, wurde am 4.06.2005 eröffnet und ist mit einem umfangreichen Begleitprogramm bis 11.09.2005 zu sehen.
Wenngleich die traditionelle Kunst Japans vor allem mit ihren grafischen und malerischen Ausformungen die Entwicklung der europäischen Moderne durch Akzente im Impressionismus, Symbolismus oder Jugendstil, etwa durch das Abgehen von zentralperspektivischer Raumkomposition oder das Einbringen linearer und ornamentaler Bildelemente, beeinflusst hat, blieb doch Ostasien und speziell Japan auf der Landkarte europäischen Kunstdiskurses noch bis spät in das 20. Jahrhundert ein weitgehend unerkundetes Gebiet. In der Tat sind Entwicklungen zur Moderne in Japan gegenüber Amerika und Europa unterschiedlich und so nicht zu vergleichen. Hinzu kommen eine wohl ignorant zu nennende Haltung im kunsthistorischen Diskurs und die Präferenz einer spezifischen Sicht auf europäische und amerikanische Entwicklungen der Kunst und auch Vereinnahmungen unter Strömungen von Fluxus und Aktionismus.
Die zentrale Ausstellung im Kunsthaus Graz im Rahmen des diesjährigen Japanschwerpunktes am Landesmuseum Joanneum versucht nun auszuloten, inwieweit japanische KünstlerInnen innerhalb eines Zeitraumes der letzten 50 Jahre Themen aufgreifen, die in der japanischen und asiatischen Kultur fundiert sind und auf welche Art diese von westlichen Rezeptionszusammenhängen belangt sind. „Chikaku – Zeit und Erinnerung in Japan“ ist eine Kooperation von Kunsthaus und Camera Austria, wobei vor allem die Camera Austria, nicht zuletzt durch Vermittlung des seit 1973 in Graz lebenden Seiichi Furuya, durch Projekte und Ausstellungen der letzten Jahrzehnte den Blick auf das Schaffen japanischer FotokünstlerInnen zu lenken wusste.
Ausstellungskurator Toshiharu Ito von der Tokyo National University of Fine Arts and Music will mit Chikaku – wörtlich Wahrnehmung, in Japan aber weitreichender mit Zeitwahrnehmung und Gedächtnis konnotiert – europäische Klischees aufbrechen, die Japan mit Hochtechnologie, Manga und Tamagotchi assoziieren. In Zusammenarbeit mit Adam Budak (Kunsthaus Graz), Seiichi Furuya (Camera Austria) und Miki Okabe (The Japan Foundation) werden in Graz Positionen japanischer Kunst präsentiert, die einmal mehr in der Terminologie westlicher Kunstgeschichte der Moderne bis zur Gegenwart als Environment, Video, Fotografie, Konzept, Performance, Malerei und Design zu kategorisieren sind. Didaktisch jedenfalls interessant ist die Bearbeitung von Themen, die kulturbedingte Traditionen einem globalisierten Begriff von Gegenwartskunst gegenüberstellen wie in Fotografien ritueller Tänze und Kultgegenständen von Taro Okamoto aus den 50er-Jahren oder den seriell anmutenden Gelatine-Silber-Prints der Buddhafiguren von Hiroshi Sugimoto bis zu den Geschwindigkeit suggerierenden Designobjekten von Tetsuya Nakamura, die mit ihren polierten und polychromen Oberflächen und den fließenden Formen zum einen an Einflüsse der Pop Art und zum anderen an wieder aktuelle Blasenarchitektur erinnern. Ironischerweise könnten diese Objekte aber auch profan praktische Anwendungen als Badewannen und Waschbecken finden. Für einen kaum zu definierenden Bereich zwischen West- und Ostkunst stehen konzeptuelle Objekte und Plastiken von Yoko Ono und Yayoi Kusama.
Für Chikaku und das Kunsthaus Graz entwickelte Makoto Sei Watanabe eine Ausstellungsarchitektur, die vor allem den Space01, das Obergeschoss unter der Blase, dominiert. Ribbon, ein scheinbar endlos geschwungenes Band, zieht sich durch den Ausstellungsraum und bildet offene Räume im Raum. Der Verlauf des Ribbon bewirkt ein subtiles Leitsystem, welches die einzelnen Exponate zwar voneinander trennt, das aber weitab eines Kojenprinzips Überblicke und Gesamtschau zulässt. Ganz anders die Situation im darunter gelegenen Space02, für den Watanabe einen Tunnel entwarf, darin Hiroshi Sugimotos oben erwähnte Fotoserie Sea of Buddha. In der Needle und im Außenbereich der Dachterrassen installierte der Architekt Fiber Wave II, unzählige Fiberglasstangen, die sich wie Schilf im Wind bewegen sollen. – Frischen Wind bringt Chikaku allemal nach Graz.
Im Rahmen der Ausstellung wurden in Japan lebende KünstlerInnen eingeladen, zur BIX Media Competition kurze QuickTime Filme für das Display der BIX Fassade am Kunsthaus einzureichen. Die Arbeiten der Preisträger Shinsuke Kajitaka und Kentaro Taki werden während der Ausstellung gezeigt. Ein ausführlicher Katalog mit Texten von Christine Frisinghelli und Peter Pakesch, Toshiharu Ito, Makoto Sei Watanabe, Yoko Tawada u. a. ist im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, erschienen (ISBN 3-88375-966-X).
Der Japan-Schwerpunkt des Landesmuseums Joanneum umfasst neben Chikaku im Kunsthaus (bis 11. September) ein Filmprogramm von 21. Juni bis 6. September 2005 im Schubertkino, eine Ausstellung über japanische Glas- und Lackarbeiten in der Kulturhistorischen Sammlung in der Neutorgasse und eine Ausstellung der Künstlerin Emiko Kasahara im Volkskundemuseum. Im Schloss Eggenberg ist das in den letzten Jahren restaurierte Japanische Kabinett zu besichtigen. Weitere Informationen unter www.kunsthausgraz.at und www.camera-austria.at AUSSTELLUNGSDAUER
"Chikaku - Zeit und Erinnerung in Japan"
4. Juni bis 11. September 2005
Space01, Space02, Camera Austria
Kunsthaus Graz, Lendkai 1
ÖFFNUNGSZEITEN
Di-So 10:00-18:00 Uhr
Do 10:00-20:00 Uhr
Mo geschlossen
KONTAKT
Kunsthaus Graz
T +43 (0)316/8017-9200
F +43 (0)316/8017-9212
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www.kunsthausgraz.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Kommentar








