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(Translation: [Y'plus] Graz - http://www.yplus.at)
Sadar Vuga waren und sind die Stars der jungen slowenischen Architekturszene. Gegründet 1996 von Jurij Sadar und Boštjan Vuga in Ljubljana, wurde das Büro bereits mit seinem ersten Projekt, dem Bau der slowenischen Industrie- und Handelskammer in Ljubljana – ein gewonnener offener Wettbewerb – schlagartig international bekannt. Ihre konzeptionellen Ansätze prägten eine ganze Generation junger slowenischer Architektinnen und Architekten, und eine nicht unbeträchtliche Anzahl der heute jungen Büros wurde von ehemaligen Mitarbeitern des Duos gegründet.
GAT: Sadar Vuga sind in vielerlei Hinsicht Ausgangspunkt der jungen slowenischen Architekturszene. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wie fühlt man sich als Überväter der neuen Architekturgeneration?
Vuga: Sicher, wir sind die Ältesten der Jungen. Als wir unsere Gruppe Mitte der 90er-Jahre gründeten, waren wir das erste Büro mit einer modernen, zeitgemäßen Bürostruktur. Davor, in den 80er-Jahren, gab es einerseits die großen, regierungsnahen Büros mit hundert oder mehr Mitarbeitern, die mit dem Ende des sozialistischen Systems fast alle bankrott gingen. Andererseits gab es in den frühen 90er-Jahren einen Trend zu kleineren Gruppierungen: Freiberufler, die sich in einem Dachverband – einer so genannten Umbrella Company – zusammenschlossen. Der Dachverband garantierte seinen Mitgliedern Befugnisse, Versicherung und andere Dinge.
GAT: Sie haben Ihre Tätigkeit also auch in dieser Form begonnen?
Vuga: Nein, wir sind gerade das Gegenteil einer Umbrella Company. Wir haben als kleines, aber professionelles Büro angefangen, das sowohl seine eigene Befugnis hat, als auch selbständig versichert ist.
Sadar: In gewisser Weise ist unser Büro symptomatisch für die Zeit des Übergangs Sloweniens in den 90er-Jahren, der sich nicht nur auf der Ebene der Architekturbüros, sondern auch sozial, politisch und in den Institutionen vollzog. Junge Architekten ohne viel Erfahrung hatten damals gute Chancen, an wirklich große Aufträge zu kommen – wenn sie nur gut genug waren oder etwas Glück hatten und einen Wettbewerb gewannen. Als junges Büro fängt man üblicherweise mit kleinen Projekten an, Interieurs und dergleichen; uns passierte das Gegenteil. Dies ermöglichte es uns, unser Büro auf professionelle Weise nach internationalem Standard zu strukturieren. Damit ist vor allem unsere Arbeitsweise gemeint: Kommunikation und Teamarbeit sind wesentlich. Wir sehen Architektur nicht als Einzelleistungen, sondern als Resultat einer intensiven Zusammenarbeit interner und externer Teampartner. In dieser Hinsicht waren wir tatsächlich die ersten, die die Möglichkeiten der Übergangszeit in Slowenien erkannten. Heute gibt es eine ganze Reihe von Büros, die in ähnlicher Weise professionell agieren.
Vuga: Drei oder vier dieser jungen Büros wurden von Leuten gegründet, die zuvor bei uns gearbeitet hatten. Insofern sind wir tatsächlich so etwas wie die Ahnen der jungen Generation. Was wir an den jungen Architekten allerdings kritisieren ist, dass sie es sich in der gegenwärtigen Situation bequem gemacht haben und zufrieden damit sind, Aufträge zu erhalten und Projekte zu bearbeiten. Es gibt kaum Ambitionen, Projekten ein gewisses „Extra“ hinzuzufügen.
GAT: Aber auch Sadar Vuga wurden in letzter Zeit wiederholt dafür kritisiert, zwar kommerziell erfolgreich zu sein, dafür aber auch jeden Auftrag anzunehmen und Kundenwünsche eher kritiklos zu erfüllen.
Vuga: Es ist eine Sache, Aufträge anzunehmen, eine andere, einem Projekt auch eine gewisse Qualität zu verleihen; einen „Shift“, etwas, das irritiert und zum Nachdenken anregt. Wir sind eben gerade kein kommerzielles Büro, weil wir unseren gesamten Gewinn in die Forschung und Weiterentwicklung unserer Arbeit investieren. Denn wenn Zeit Geld ist und die Möglichkeiten begrenzt sind, ist dies der beste Weg um innovativ zu bleiben.
Sadar: Kritisch sehen wir in der Tat, dass die junge Generation dazu neigt, internationale architektonische Strömungen einfach nur nach Slowenien zu importieren. Uns ist es wichtig, aus dem lokalen Kontext heraus zu agieren. Jedes Projekt entwickelt sich aus den spezifischen Bedingungen des Ortes, den Bedürfnissen unserer Kunden und den finanziellen Möglichkeiten. Wir arbeiten zuallererst programmatisch. Das zeigt sich beispielsweise in unseren Wohnprojekten, wo es uns darum geht, einen neuen Typus urbanen Lebens zu entwickeln.
GAT: Gerade Ihr Wohnprojekt „Condominium“ – ein abgeschlossener Wohnblock für Besserverdienende im Stadtzentrum von Ljubljana – könnte aber auch als Import des amerikanischen Modells der Gated Community verstanden werden.
Sadar: Es ist richtig, dass dieser Wohnbau nach außen hin abgeschlossen ist. Umgekehrt wendet er sich aber auch deutlich dem Außenraum zu – durch die Orientierung der Räume, durch die Verwendung großzügiger Balkone. Ich würde das nicht so sehen. Außerdem: Da diese Wohnanlage von Einfamilienhäusern umgeben ist, die ihrerseits nach außen hin abgeschossen sind, formuliert unser Gebäude einen neuen Typus sozialen Zusammenlebens innerhalb dieses zentrumsnahen Wohngebiets.
Vuga: Es ist uns wichtig, uns immer wieder neu zu fragen, wie Leute wohnen und arbeiten und wie sie das in Zukunft tun wollen. Gebäude sind Generatoren sozialer Wirklichkeiten. Wie können standardisierte Programme neu gedacht werden? Wie steht das Gebäude mit seiner Umgebung in Beziehung? Als Architekten verkaufen wir Konzepte. Die Ausführung muss daher auch nicht unbedingt von uns übernommen werden. Unsere Herangehensweise ist es, Konzepte für die Stadt und ihre Entwicklung zu entwerfen, die im Gegensatz zu jenem statischen Zustand stehen, in dem sich die Stadt heute befindet. Denn aus unserer Sicht sollte die Identität einer Stadt einem beständigen Wandel unterworfen sein. Wir arbeiten in diesem Zusammenhang gegenwärtig an der Studie „Formula New Ljubljana“, die Entwicklungsmöglichkeiten für Ljubljana skizziert.
GAT: Worum geht es dabei?
Vuga: Konkret geht es um die Entwicklung von Stadtteilen, deren Potenzial bis heute nicht erkannt wurde – sei es das Gebiet der ehemaligen Tabakfabrik nahe dem Stadtzentrum, das sich für die Entwicklung von Hochhäusern eignen würde, sei es das Areal der Einkaufszentrums BTC an der Peripherie von Ljubljana, das plant, zum größten Einkaufszentrum Europas zu werden. Für das BTC haben wir darüber hinaus eigeninitiativ ein Programm zur Restrukturierung des Areals vorgelegt, worauf es uns kürzlich gelungen ist, erstmals Vertreter der Stadtregierung und der BTC-Eigentümer zu Gesprächen zusammenzubringen.
GAT: Die Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Politik scheint also trotz hoher Ambitionen von Investoren noch in den Anfängen zu stecken.
Vuga: Im Grunde mangelt es heute vor allem an Visionen. Als wir 1996 unser Büro gründeten, hatte die Übergangszeit in Slowenien gerade ihren energetischen Höhepunkt erreicht. Unser erstes Projekt, die slowenische Industrie- und Handelskammer in Ljubljana, spiegelt auf gewisse Weise die sozialen und politischen Bedingungen dieser Zeit wider. Im Unterschied zur heutigen Situation war die Gesellschaft damals wesentlich mehr dazu bereit, frische und radikale Projekte zuzulassen.
Sadar: Die Industrie- und Handelskammer ist bis dato eigentlich das einzige Projekt, das den damaligen Optimismus des Landes tatsächlich transportiert. Heute hat sich das Staatssystem etabliert, aber die Regierung hat keine Vorstellungen mehr, wie sie die neuen Bedingungen des Landes auch architektonisch repräsentieren will.
Vuga: Die Möglichkeiten, die sich durch die neue politischen Situation, durch die geografischen Lage Sloweniens an der Schnittstelle zwischen Ost und West, und nicht zuletzt durch die Aufnahme Sloweniens in die Europäische Union ergeben, werden heute kaum genützt. Das betrifft nicht nur die Politik, die auf stark innenpolitische Belange beschränkt bleibt, sondern auch die Architektur. Wenn wir keine Möglichkeiten dafür schaffen, dass ausländische Architekten in Slowenien bauen, können wir auch kaum erwarten, dass slowenische Architekten im Ausland arbeiten werden. Das ist ja nur logisch …
- Verfasser/in:
- Fabian Wallmüller, Gespräch














