Nein, es ist hier nicht von Staatsdienern und deren mutmaßlichen Arbeitsalltag die Rede. Sondern von einem Umbau, der eine nur 76 m² große Wohnung in einen innovativen Loft zum Wohnen und Arbeiten verwandelt und dabei elegant Funktionalität mit extravagantem Wohndesign verbindet.
Nach der erfolglosen Suche nach einem geeigneten Industrieloft beschlossen der Grazer Architekt Daniel Schlosser und seine Frau, ihre bestehende, zweigeschoßige Wohnung in Graz radikal umzubauen und deren verborgene Potenziale zum Vorschein zu bringen.
Um aus der Wohnung im dritten und vierten Stock eines, 1993 erbauten, sozialen Wohnbaus einen außergewöhnlichen Loft zu machen, wurden zunächst alle Zwischenwände entfernt. In nur fünf Wochen Umbauzeit entstanden so aus drei knapp konzipierten, teilweise dunklen Zimmern ein lichtdurchfluteter, fließender Raum über zwei Ebenen. Um das Konzept „living without walls“ konsequent zu verwirklichen, wurden alle notwendigen Funktionen in Form von Möbelboxen in die Wohnung integriert. Der gesamte Raum wird als Möbel verstanden und die Möbel ihrerseits erzeugen den Raum.
Die Wohnung wurde buchstäblich auf den Kopf gestellt: Durch das Vertauschen von Wohn- und Schlafebene erhält der nun oben gelegene Wohnbereich mehr Licht und durch den weiten Blick nach Westen eine penthouseartige Atmosphäre, während im unteren Geschoß eine zunächst ungewöhnlich erscheinende Verschränkung von Funktionen stattfindet: Je nach Betrachtungsweise wird der Besprechungsbereich des Büros in der Nacht zum Schlafraum oder der Schlafraum nach dem Aufstehen zur Erweiterung des Arbeitsbereichs. Die Trennung erfolgt durch Faltwände, die beidseitig mit weißem Kunstfell bezogen sind, das Wohnlichkeit erzeugt und eine hervorragende schalldämpfende Wirkung hat.
Der Flokatistoff ist Teil eines klaren Farb- und Materialkonzepts: Sämtliche Flächen sind weiß, während einige Stauraum schaffende Einbauten sowie deren Innenseiten schwarze Akzente setzen. Analog kontrastiert das weiche Fell mit harten Oberflächen, wie der Sanitärbox aus satiniertem Glas oder dem weißen Fußboden aus, in Epoxidharz gegossenem Marmorkiesel, der fugenlos die ganze Wohnung durchzieht. Dieser kostengünstige Bodenbelag kann sowohl mit einem lebendigen Funkeln in der Sonne als auch mit einer inkludierten Fußmassage aufwarten.
Eine zugleich skulpturale wie filigrane schwarze Treppe aus Stahl führt vom Büro mit zwei Arbeitsplätzen geländerlos auf die obere Ebene. Die alte Treppe aus Buchenholz wurde übrigens über eBay versteigert.
Die obere Ebene kann über einen eigenen Eingang betreten werden, von wo der Blick vom Kochbereich über den bis zu vier Meter hohen Wohn- und Essbereich durch die neu geschaffene Glasfront auf die Terrasse und weiter über die Dächer von Graz reicht. Durch die Fortsetzung des Bodenbelages auf die Terrasse fließt der Raum auf beiden Ebenen fast unmerklich vom Innenraum ins Freie. Das i-Tüpfelchen ist dabei die Einbeziehung der Terrasse in das Soundsystem der Wohnung: So kann der Architekt mit Freunden im Sommer von draußen – durch die Glasfront hindurch – Fußballspiele am Fernseher im Wohnbereich verfolgen.
Über die gesamte Tiefe und Höhe des Raums erstreckt sich ein Stauraum, der auch eine innen ganz in Froschgrün gehaltene Toilette beherbergt. Die Front aus Plexiglas ist in der Glasebene mit LEDs beleuchtbar, wodurch der gesamte Raum in beliebige Farben getaucht werden kann. Wenn gerade nicht gekocht wird, verschwindet die Küche hinter einer, diesmal mit schwarzem Fell bezogenen Faltwand, die Kochfelder des freistehenden Kochkubus können einfach zugeschoben werden.
Die Tatsache, dass der Architekt bei diesem Projekt sein eigener Bauherr war, ermöglichte es ihm, mit teilweise unüblichen Materialien und deren Verarbeitung zu experimentieren. So verwendete er für die beleuchtbaren Schrankfronten empfindliches Plexiglas, weil es durch seine Homogenität bessere Lichtleitungseigenschaften besitzt als normales Floatglas, und klebte es, gegen den Rat des Glasers, um die Oberflächen frei von Bohrlöchern zu halten. Auf diese Weise wird sein Loft F27 zu einem beeindruckenden Showroom für potenzielle Bauherren und zum beliebten Treffpunkt für Freunde, die viel Platz auf wenig Raum zu schätzen wissen. Und die vielen kleinen Extras.
Adresse: Fischergasse 27, 8010 Graz, Österreich
Planung: schlosser + partner (Christian Warga)
Bauherrschaft: Daniel Schlosser, Heidrun Pressinger
Ausführung: 2009
Nutzfläche: 76 m²
Baukosten: 108.000,- EUR
- Verfasser/in:
- Martin Grabner, Bericht
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