Das Fazit einer Feldstudie zum Schulbauprogramm 2000 der Stadt Wien steht nicht unbedingt für Vorgangsweisen innovativen, an den Bedürfnissen von Schülerinnen und Schülern bzw. Kindern orientierten Planens von Schulbauten: Im Vorwort seines Plädoyers zur Einbeziehung der späteren Nutzer in die Planungsphase kommt Wojciech Czaja zu dem Schluss, dass PlanerInnen aller Instanzen aus ihrer eigenen Kreativität schöpfen, „doch meiden sie auch den Umweg, sich jemals an Kinder zu wenden. Die Resultate mögen originell sein, original im Sinne eines authentischen Abbildes von Kindheit und Jugend sind sie jedoch nicht.“ Architektur, beschreibt Czaja den Status quo aus dieser Überlegung, ist ein Mittel zur „Selbstdarstellung der Gesellschaft (Städtebau) bzw. jedes Einzelnen“ wenn es um Wettbewerbsprojekte, Hausbau oder Wohnraumgestaltung geht. So sei auch jede Schule „Abbild der planenden Architektin, nicht aber Abbild des Schülers“.
„Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit“ heißt die 2005 im Verlag Sonderzahl erschienene Publikation, in der sich der in Ruda Śląska, Polen, geborene und seit 1981 in Wien lebende Architekt und Publizist auf etliche selbst durchgeführte beziehungsweise auf die Analyse von Studien anderer bezieht. Was gegenwärtig als kinderfreundliche Architektur auftritt, erweist sich als Trias aus „Stil – Determinierung – Übervorsicht“, die Czaja als zwar gut gemeinte, aber dilettantische Orientierung kritisiert, nach der sich kindergerechte Architektur vorrangig um Sicherheit von Kindern bemüht zeigt und diese so von ihrer Umwelt und dem aktiven Austausch isoliert. Czaja zitiert in diesem Sinn auch die Grazer Architekturpublizistin Karin Tschavgova, die in einem Spectrum-Artikel (Die Presse, 13. 12. 2003) feststellt, das Architektur besonders von Kindern und Jugendlichen als „etwas vom Alltag abgetrenntes“ angesehen wird, „das mit ihnen selbst und ihrer gebauten Umwelt nichts zu tun hat“. So werden in der „Werteskala von Architektur ziemlich einseitig künstlerische Aspekte betont, die eher dekorativen Charakter haben“, visuelle Attraktivität und Design würden mit architektonischer Qualität gleichgesetzt. - Salopp verkürzt entspricht das Bild vom Verständnis kindergerechter Architektur bei Pädagogen und Architekten also der Formel rund & bunt.
Ein als Kapitel in Czajas Studie angelegter Versuch der Definition kinderfreundlicher Architektur wird in Etappen verschiedener Aspekte des Kindseins – das juristische, philosophische, soziologische, psychologische, das genormte und das abgelehnte Kind -vorbereitet und mündet in einen Appell zur – naheliegenden aber spezifisch auf virulente architektonische Fragen gerichteten – Kommunikation und möglichen Formen der Partizipation von Kindern bei der architektonischen Planung.
Wojciech Czaja: Wir spielen Architektur. Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit.
Mit Zeichnungen von Katharina Fischer und Jelena Valčić.
Sonderzahl, 2005; ISBN 3 85449 233 2VERANSTALTUNGSHINWEIS:
DI Wojciech Czaja ist demnächst im Rahmen der Reihe "ARCHITEKTUR – KINDER(T)RÄUME" mit dem Vortrag "Wie kindgerecht ist, kann und möchte Architektur sein?" an der TU Graz zu hören.
WANN: Dienstag, 9. Mai 2006, 19:00 Uhr
WO: TU Graz, Rechbauerstraße 12, HS 5
KURZBIOGRAFIE:
Wojciech Czaja wurde 1978 Ruda Slaska, Polen geboren. Er lebt seit 1981 in Wien und studierte Architektur an der TU Wien. Czaja ist freier Journalist; zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Architektur u. a. in den Tageszeitungen Die Presse und Der Standard.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Rezension
