BOB - Zur schönen Aussicht auf das Ich

Die erste Ausgabe von BOB mit dem Titel "Wer bin ich?" ist seit Anfang Mai 2005, mit einer Startauflage von 10.000 Stück, im Handel. Nachfolgend ein Kommentar zur Ausgabe

11/05/2005

Die erste Ausgabe von BOB mit dem Titel "Wer bin ich?" ist seit Anfang Mai 2005, mit einer Startauflage von 10.000 Stück, im Handel. Lesen Sie nachfolgend den Kommentar zur Ausgabe 01 von Wenzel Mracek:

Ernst Machs Diktum vom multiplen Ich, nach dem sich die Persönlichkeit zu keiner Zeit als absolut begreifen lässt, mehr noch, quasi beliebig manipuliert und auf allfällige Anforderungen konditioniert werden kann, versucht das von Club Bellevue in Graz herausgegebene Magazin bob (außen) oder auch BOB (innen) gar nicht erst zu verifizieren. Die thematische Frage "Wer bin ich?" ist Axiom; die AutorInnen dieser ersten Ausgabe haben mit Essays, Fotostrecken und Grafiken sich oder andere mit dem endlosen Experiment der Identitätsfindung konfrontiert. Wenn bob von außen betrachtet ein bisschen lifestylig daherkommt, wird dieser Eindruck durch BOBs Inhalt freilich in Richtung eines gehaltvollen jungen Kunstmagazins korrigiert.

BOB selbst leitet ein und findet sich in der zu Recht selbstbewussten Feststellung: „Ich bin BOB.“ Worauf der Crooner Louie Austen im Interview mit Christof Huemer den Schnulzensänger (siehe Crooner) mit dem Werdegang als Meeresbiologe, Schauspieler und Boxer relativiert.

Ein pedantisch philosophischer Essay um die Erweiterung des Körpers und Kompensation seiner Unzulänglichkeit durch Schuhwerk, das Finden einer Haltung, basierend auf mehr oder weniger Standfestigkeit kommt von Ernot Auffer. In der vagen Annäherung an die Biografie des Autors trifft man unerwartet auf den Kärntner Fodi, falls den Träger baronialer Halstücher, den Nabokovkenner und Husarensohn noch jemand gekannt haben sollte, oder vielmehr auf dessen handgefertigte Schuhe, die über mehrere Stationen in Auffers Besitz gelangten – der Fodi jedenfalls braucht sie jetzt nicht mehr.

Christine Marneffe beschreibt ihr Projekt PAUL(A) UND LA CUISINE: Personen werden im Rahmen eines Diners in ihr gegenteiliges Geschlecht umgeschminkt. Die Befindlichkeiten der so Umgestalteten glaubt die Autorin in Platons Hypothese von der Suche nach der verlorenen, ursprünglichen Ganzheit des Menschen mit dem anderen Geschlecht wenigstens in einer Überlegung ausmachen zu können.

STANDARDPORTRAET, ein Fotoprojekt von Sebastian Mayer, ist der Versuch der Entindividualisierung von Personen durch einen formalisierten und nahezu automatisierten Abbildungsprozess mit nachfolgender serieller Anordnung der Porträts.

Grafiken stammen von Constantin Luser und Miriam Mone, Fotografien von Tom Fecht, als Zeichen der Absenz von Körpern und Landschaften, kombiniert mit Texten zur Fotografie u.a. von Hans Belting, John Berger und Susan Sontag.

Jan Hein Hoogstad analysiert (sic.) das Phänomen PRINCE - Konstruktion aus mehreren Identitäten - in Zusammenhang mit Vilém Flussers KRISE DES INDIVIDUUMS IM CODEWECHSEL und der Autobiographie des Hermaphroditen Herculine „Camille“ Barbin, die von Michel Foucault wiederentdeckt wurde. Die Fiktion Camille wird zum Alter Ego von Prince in den Songs bzw. Alben Sign ‘o’ the Times und The Black Album. – Aber das ist nicht alles.

Bob erscheint halbjährlich „monothematisch multiperspektivisch“ zum Einzelpreis von 4,80 Euro in Österreich, Deutschland und der Schweiz (8,50 Sfr), weitere Informationen und Abo-Bestellungen unter www.club-bellevue.com

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Kommentar

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