BIOGRAFIEN > Susanne Wenger; Magdalena Frey; Heinz Cibulka

Biografien der Künstlerin Susanne Wenger, die 1915 in Graz geboren wurde, sowie von Magdalena Frey und Heinz Cibulka.

12/09/2006

Susanne Wenger

1915 geboren in Graz.

1930 Ausbildung an der Grazer Kunstgewerbeschule in der Keramikklasse von Prof. Hans Adametz.

1933 bis 1935 Studium an der Wiener Kunstakademie in der Meisterklasse für Freskomalerei bei Prof. Andri, danach bei Prof. Herbert Boeckl.

1938 beteiligte sie sich in Graz an Demonstrationen gegen den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Sie versteckt ihren jüdischen Lebensgefährten, den Psychoanalytiker Theon Spanudis, in einer getarnten Kammer in ihrem Atelier in Wien und verkehrt in widerständigen Kreisen um Heinz Leinfellner und Maria Biljan-Bilger, mit der sie seit ihrer Grazer Zeit befreundet war. Als Künstlerin wird sie während der NS-Zeit in die innere Emigration gedrängt. Es entstehen in dieser Zeit surrealistische Zeichnungen, die zu den frühesten dieses Stils in Österreich gehören. Von den Nazis wurden diese Arbeiten als „entartete Kunst“ gebrandmarkt. Susanne Wengers Widerstand gegen das NS-Regime manifestiert sich in konkretem Tun. Immer wieder versteckt sie vom Regime Bedrohte und verhilft diesen zur Flucht.

Nach 1945 arbeitet sie für die wichtigste Kulturzeitschrift der unmittelbaren Nachkriegszeit, den von Otto Basil herausgegebenen PLAN.

1947 ist sie Gründungsmitglied des ART-CLUB.

1949 übersiedelt sie nach Paris und heiratet den Sprachforscher Ulli Beier, mit dem sie nach Nigeria geht.

1951 erkrankt sie in Jebba an offener Tuberkulose und liegt 14 Monate im Spital.

1952 zieht sie nach Ede bei Oshogbo, wo sie das erste Mal in intensiven Kontakt zur Religion der Yoruba tritt. Sie lernt Ajagemo, den Oberpriester und Repräsentanten des Lichtgottes Obatala kennen, der ihr Lehrmeister wird.

1956 verlässt Susanne Wenger Ede und ihren Lehrer Ajagemo. Sie wird von Repräsentanten aus Oshogbo zum Wideraufbau von Schreinen aufgefordert, die dem Zerfall preisgegeben waren.

Nach zehnjähriger Initiation tritt sie mit dem wichtigsten Repräsentanten der Yoruba-Kulte in Verbindung, so auch mit der auf einen uralten Erdkult zurückgehenden zentralen weiblichen geistigen Autorität Iya Shango, durch die sie in die spirituelle Geheimgesellschaft Ogboni initiiert wird. Ein Haus in Oshogbo, erbaut von einem bekannten Yoruba-Baumeister, wird ihre neue Heimstätte, wo sie bis heute lebt und arbeitet.

Ab 1963 entsteht entlang des Oshun-Flusses in einem heiligen Hain ein Gesamtkunstwerk monumentalen Ausmaßes („Eine Symbiose aus Architektur, Plastik, Malerei, aus Spiritualität, Natur und Kunst“, wie Wolfgang Denk schreibt). Durch dieses Werk wurde Susanne Wenger international bekannt. Sie hat als europäische Künstlerin kultische Bauten geschaffen, die sowohl die europäische als auch die afrikanische Hochkultur miteinander verbinden.

Ab den späten 50er Jahren entstehen auch Wachsbatiken, die Themen der Yoruba-Mythologie abbilden. Mitte der 60er Jahre beginnt sie wieder Ölbilder zu malen, in denen sie neben Themen des Yoruba-Kulturkreises auch Themen der Bibel und anderer Weltliteratur darstellt. Durch Ausstellungen und Besuche hat Susanne Wenger ihre Kontakte zu Europa stets aufrechterhalten.

Heute lebt Susanne Wenger 91jährig als Künstlerin und Yoruba-Hohepriesterin in Oshogbo (Nigeria).

Magdalena Frey

1963 in Graz geboren, Matura, rankenschwesterndiplom. Arbeitet seit 1985 als Fotografin zu verschiedenen Themen: Spital; Mutterkuchen; Bruder und Schwester, bosnisch; Landmeter; mujer mexicana; Erstkommunion; Scham; Polnische Küche; Abbruch; Frauensache; Portrait Friedl Kubelka; Portrait Andrea Sodomka; Roma; girls cut ; Eingriff; Princezna Bàlu; Hausaltäre 1+2; Susanne Wenger; Maria M; Seit 1996 Fotocollagen am Computer. www.ma-frey.com

Heinz Cibulka

1943 in Wien geboren, 1957-61 Graphische Lehr-Versuchsanstalt Wien. Seit 1972 Fotozyklen und Bildgedichte, Objekte und Objektbilder, digitale Bildcollagen und diverse mediale Arbeiten in Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen. Neben den bildnerischen Arbeiten lyrische und konzeptuelle Texte sowie performative Aufführungen. www.h-cibulka.com

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