Bewertung der Dachaufbauten für Kastner+Öhler

Hasso Hohmann vom Internationalen Städteforum Graz stellt die von Architekt Volker Giencke hervorgehobene hohe Qualität des geplanten Dachaufbaues Kastner+Öhler in Graz (

27/01/2006

Im Beitrag von Volker Giencke vom 17.1.2006 wird die hohe Qualität des diskutierten Projektes für den Aufbau auf einem Teil des Kastner+Öhler Areals hervorgehoben. Genau diese Qualität soll aber in Frage gestellt werden. Die Architekten des Projektes Nieto+Sobejano sind sehr erfolgreich, haben auch schon sehr schöne Projekte geplant und bauen inzwischen in ganz Europa. Ein Projekt im spanischen Leon zeigt dabei ein fatal ähnliches Trapezblechdach (Palacio de Congresos y Recinto Ferial de León, 2005; nähere Informationen darüber beim Verfasser dieses Beitrags, Anm.) – es wurde inzwischen anscheinend von der Website genommen, so dass man es sich nicht mehr ansehen oder kopieren kann.

Ein weiteres Projekt in Moritzburg nahe Dresden verwendet ein etwas anders Konzept für das Blechdach, das aber ebenso z.T. mit Trapezen spielt. Das zeigt die Beliebigkeit dieser Dachform. Sie ist eben nicht ortsspezifisch, sondern austauschbar - die historischen Dächer von Leon haben eine andere Charakteristik.

Volker Giencke betont, dass die zum Wettbewerb eingereichten Pläne wesentlich genauer zeigen, welche Absichten die Planverfasser beschäftigt haben. Mir sind nur die Pläne und die Beschreibung zugänglich, die in der sehr ansprechend gestalteten Kastner+Öhler Tiefgarage (Szyszkowitz+Kowalski) derzeit über mehrere Stockwerke jeweils vor der zentralen Liftanlage ausgestellt sind. Dort wird von matten Edelstahlblechen gesprochen. Diese sind extrem dunkel, fast schwarz dargestellt. In der jüngsten Abbildung der Kleinen Zeitung verfärbten sie sich interessanterweise fast schon ziegelfarben. - Jeder interessierte Grazer sollte sich ansehen, wie sich die Kastner+Öhler-City weiterentwickeln soll und welche Auswirkungen das auf die Dachlandschaft, aber auch auf den Straßen- und Murraum haben wird. Man kann sich dabei andererseits auch ansehen, was Kastner+Öhler in den vergangenen Jahren investiert hat, um das bestehende Ensemble vorbildlich zu adaptieren und historische Qualitäten mit neuer Architektur zu einer sehr positiven Symbiose zu verschmelzen.

Es ist mir schon bewusst, dass es auch wesentlich störendere Lösungen für den geplanten Dachaufbau geben kann, wovon viele der in der Tiefgarage ausgestellten anderen Wettbewerbseinreichungen zeugen. Hier kann man allerdings auch die in zwei Nachtdarstellungen animierten großformatigen bunt leuchtenden Werbeflächen bestaunen, von denen Giencke behauptet, dass an "einen markanten Werbeträger nicht gedacht" sei. Die in den ausgestellten Bildern gezeigten Werbeanlagen machen Kastner+Öhler selbst vom Flugzeug aus klar als K+Ö erkennbar. Die Werbung wird bis in den Flussraum der Mur gut sichtbar sein. Man fragt sich, was für Volker Giencke dann eine markante Werbung ist?

Gut ist, wenn gute Architekten in einer solchen Jury sitzen. Ein Problem hingegen sehe ich darin, dass Volker Giencke zugleich als Vertreter der Grazer Altstadtsachverständigen-Kommission darin fungiert hat, da die Kommission ein Kollegialorgan ist. Das gleiche gilt übrigens auch für die Vorsitzende der Kommission Gertrude Celedin. Beide gewinnen durch ihr Mitwirken in der Jury eine Befangenheit in der Kommission, durch die sie im Zusammenhang mit diesem Projekt allenfalls als Informanten dienen können. KONTAKT:

Univ.-Doz. DI Dr. Hasso Hohmann

Internationales Städteforum Graz

Hauptpl. 3,III, A-8010 Graz

T +43(0)316/825395, 472582, F -811435;

hohmann@gmx.at, office@staedteforum.at

Verfasser/in:
Hasso Hohmann, freie Meinung

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