BAUKULTUR-ENQUETE

Resümee der Stadtbaudirektion Graz zur Baukultur-Enquete, die am 21.06.2005 im Grazer Minoritensaal stattfand.

02/07/2005

Die am 21. Juni 2005 im grazer Minoritensaal veranstaltete Baukultur-Enquete führt als Fortsetzung der Altstadt-Enquete (November 2003) die Diskussion um städtische Entwicklungsmöglichkeiten vertieft weiter und hatte sich zum Ziel gesetzt, die Instrumente der Qualitätssicherung, Fachbeirat und Wettbewerb, und ihre Weiterentwicklung für die Grazer Bedürfnisse zu erörtern. Das Thema Baukultur wird derzeit intensiv beim Land Steiermark, der Architektenschaft und auch in verschiedenen Kulturinitiativen diskutiert.

(Siehe auch GAT-Bericht zur Baukultur-Enquete unter www.gat.st/pages/de/nachrichten/1478.htm, Anm. d. Red.)

Stadtrat Gerhard Rüsch betont in seiner Eröffnungsrede seinen persönlichen Zugang zum umfassenden Thema und die aktuellen Diskussionen zur städtebaulichen Qualität, Höhenentwicklung der Gebäude, räumliches Leitbild und strategische Ziele der Grazer Stadtentwicklung.

Stadtrat Christian Buchmann: Die Sicherung architektonischer Qualität im Rahmen der Baukultur erfordert eine vernetzte interdisziplinäre Betrachtungsweise. Im Projekt A – Architekturhauptstadt Graz werden umfassende Überlegungen für künftige Entwicklungen aufgezeigt, die eine Weiterentwicklung der Potentiale der Stadt Graz als Kulturhauptstadt, Weltkulturerbestadt, Stadt der Grazer Schule der Architektur ermöglichen soll.

Im ersten Abschnitt der Enquete wurde von etlichen Architekten darauf hingewiesen, dass Wettbewerb und Gestaltungs-/Fachbeirat noch nicht die einzigen Instrumente seien, umfassende Stadtplanung entlang von mittel- und langfristigen Zielen ersetzen zu können. Bebauungspläne und Flächenwidmungspläne müssten nach Gemeinwohl-orientierten Leitbildern zu einer Zukunftsvision für die Stadt entwickelt werden. Bereits in diesem Abschnitt wurde betont, dass eine Ausweitung des Wettbewerbswesens die direkte Folge eines planmäßig entwickelten Gestaltungs-/Fachbeiratswesens sei.

Im ersten Gastreferat stellte der ressortzuständige Stadtrat Johann Padutsch aus Salzburg den dortigen Gestaltungsbeirat vor, der bereits seit 1983 existiert. Nach anfänglichen Widerständen gäbe es heute keine relevanten Kräfte, die für seine Abschaffung eintreten würden. Der Gestaltungsbeirat befasse sich einerseits mit Einzelprojekten und andererseits mit der Stadt Salzburg in ihrer Gesamtheit, hätte das Wettbewerbswesen durch seine vielfachen Anregungen verstärkt (Verdreifachung der Architektenwettbewerbe) und insgesamt zu einer Halbierung der Planungs- und Genehmigungszeit geführt. Heute stelle der Fachbeirat eine unbestrittene fachliche Autorität in guter Abstimmung mit der Altstadtkommission dar und wird von allen politischen Fraktionen geschätzt.

Der zweite Gastreferent Architekt Herbert Karrer aus Linz, der anfangs zu den Skeptikern zählte, gab einen Überblick auf die erfolgreiche Tätigkeit des dortigen Gestaltungsbeirats. Das Wettbewerbswesen, auch von Privaten durchgeführt, sei durch den Beirat wesentlich verstärkt worden, Planungs- und Genehmigungsphase einerseits direkt durch den Beirat, und andererseits indirekt durch die initiierten Wettbewerbe seien wesentlich beschleunigt worden. Wie beim Vorbildbeirat in Salzburg gäbe es auch in Linz allgemein hohe Akzeptanz. Auch die Objektivität durch die Besetzung von Mitgliedern außerhalb Oberösterreichs werde sehr geschätzt.

Im dritten Gastreferat erwähnt Baumeister Alfred Fruhmann als Bauherrenvertreter wie wichtig Planungssicherheit, Rechtssicherheit und klare Vorgaben der Planungsstellen und Behörden für die Bauwirtschaft sind, die in einem engen Zeit- und Kostenmanagement Projekte abwickelt. Entscheidend sind klare Rahmenbedingungen, die entsprechend dokumentiert sind und dafür sorgen, dass keine unangenehmen Überraschungen im Bauverfahren auftauchen. Nicht nur große Vorzeigeprojekte, sondern auch kleinere Bauvorhaben, die viel häufiger realisiert werden, sollten durch strukturelle Qualitätssicherungsinstrumente wie z.B. Planungsvisiten oder Gestaltungsbeiräte in einem einheitlichen Fokus im gesamten Stadtgebiet begleitet werden.

Stadtbaudirektor Bertram Werle berichtete über den aktuellen Planungsstand für einen eventuellen Grazer Fachbeirat für Architektur, der von der Plattform Architektur in Abstimmung mit der Stadtbaudirektion ausgearbeitet wurde und betonte, dass dieser die ganze Stadt umfassen sollte. Aufgrund einer abgestimmten Schnittstellenregelung wird kein Konflikt mit der ASVK (Altstadtsachverständigenkommission) zu erwarten sein. Die drei unbefangenen Fachbeiratsmitglieder sollten einen interdisziplinären Fachbeirat bilden, der mehr als nur gestalterische Kriterien zu beurteilen hätte. Bei der Bestellung der Mitglieder sollten alle relevanten Gruppen einbezogen werden. Die jeweilige Zuständigkeit für eine Beurteilung nach Größe und Bedeutung würde sich durch einen „Themen-, Punkt- und Zonenfilter“ ergeben. Durch seine sehr früh die Projekte begleitende Funktion würden die Ziele der Beschleunigung, Serviceorientierung und Auskunftssicherheit erreicht werden können.

Bei der anschließenden Diskussion der Fachbeiratsmodelle gab es vor allem von Seiten der Architektenschaft eine einhellige Aufforderung, den Fachbeirat für Architektur ehest möglich zu realisieren und auf die Jahrzehnte lange Erfahrung in den beiden mit Graz vergleichbaren Landeshauptstädten aufzubauen. Der multidisziplinäre, ganzheitliche und nachhaltige Grazer Ansatz wurde gutgeheißen. Der Skepsis einer Investorenvertreterin hinsichtlich Verfahrensvereinfachung wurde entgegengehalten, dass in der Vorbereitung des Grazer Beiratmodells 6 von 21 Interviewpartnern aus der Wirtschaft gekommen seien, die ein solches Gremium durchaus positiv sahen, wenn dadurch Rechts- und Planungssicherheit verbessert würden und eine Beschleunigung des Bauverfahrens erreicht werden könnte.

In seinem Resümee sagte der ressortzuständige Stadtrat Gerhard Rüsch, dass er ein weitgehend klares Votum nach anfänglicher Skepsis wahrgenommen habe. Bezüglich eines möglichen Probelaufes wurden von den Stadträten Rüsch und Buchmann die Abhaltung eines gemeinsamen Kultur- und Planungsausschusses zugesagt, bei welchem das Ergebnis der Baukultur-Enquete vorgestellt und die weiteren Schritte politisch beraten werden sollen.

Verfasser/in:
Stadt Graz,
Resümee

Weiterführende Links

baukultur_enquete_gruppenbild_politik.jpg
von links: Buchmann, Karrer, Rüsch, Padutsch, Werle, Fruhmann

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