Begriffsdefinitionen am Beispiel Deutschland
Die Genossenschaft realisiert das Projekt und vermietet die Wohnungen an ihre Mitglieder zu einem Preis, der sich an den Selbstkosten orientiert. Die Eigenmittel der Genossenschaft werden durch die Einlagen der Mitglieder erbracht, der Rest über Wohnbaubanken und den Kapitalmarkt finanziert. Vorteil für die Mitglieder ist, dass kaum Eigenkapital notwendig ist, oft auch Eigenleistung durch Bargeld ersetzt werden kann und das Wohnrecht auf Lebenszeit gesichert ist. Jedoch kann die Wohnung nie als Eigentum erworben werden (sh. WEGENO). Genossenschaften in Deutschland sind relativ preiswert zu gründen, können gemeinnützigen Charakter annehmen und steuerliche Vorteile haben, sind allerdings einem längeren behördlichen Genehmigungsverfahren unterworfen. Nach außen und innen operiert der von den Mitgliedern gewählte Vorstand. Punkto Einflussnahme auf die Gestaltung der einzelnen Wohnung und die Politik der Genossenschaft sind die Möglichkeiten der Mitglieder gegenüber der Baugruppen-Gb geringer.
Beispiel: WOGENO – München
Im weit verbreiteten Feld privat organisierter Baugruppen und Baugemeinschaften in Deutschland muss auch die Entstehung „Neuer Genossenschaften“ erwähnt werden. Anhand der Münchner Genenossenschaft WOGENO kann nachvollzogen werden, in welche Richtung dort die Entwicklung läuft und vielleicht in Österreich auch eintreten könnte.
Die Mitglieder der WOGENO zielten auf solidarische Alternative zu Vereinzelung Shareholdervalue und sozialer Erosion ab, als sie 1994 in das Genossenschaftsregister eingetragen wurden. Seitdem verfolgen und realisieren sie Wohnprojekte – Alt- und Neubauten - die gemeinschaftlich, selbstverwaltet, energiebewusst, sozial integrativ und ohne Spekulationsgewinne, aber ökonomisch orientiert sind. Die WOGENO agiert dabei als Dach für die verschiedensten Projekt-Genossenschaften, die sie bei der Umsetzung ihrer Vorhaben unterstützt.
Das ökonomische Ziel der WOGENO beinhaltet sparsamen, ressourcenschonenden Umgang mit Fläche, Material und Energie. Das integrative Ziel erstreckt sich auf alle Bevölkerungsgruppen auch in monetärer Hinsicht. Zum Unterschied zu den privaten Baugruppen, die im Prinzip als Unternehmer agieren und Eigentum errichten, kann in der genossenschaftlichen Organisation nur Dauernutzungsrecht auf Lebenszeit erworben werden. Da aber Demokratie zum Prinzip der Genossenschaften zählt und jedes Mitglied die gleichen Rechte unabhängig von seinem Kapitaleinsatz hat, wird Eigentum sozialpolitisch ersetzt, indem für alle aktives und passives Wahlrecht gilt und und die Politik der Projekt-Genossenschaft mitbestimmt werden kann.
Die WOGENO arbeitet auf dem härtesten Immobilienmarkt Deutschlands. Sie kann am Anfang keine Billigmieten erzielen. Erst langfristig werden die Mieten in ihren Häusern deutlich unter Marktniveau liegen, da sie kein Interesse an marktüblichen Mietsteigerungen hat. WOGENO finanziert ihre Projekte durch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft, die durch Zeichnung von drei Geschäftsanteilen á 500.- € (1.500,-- €) erreicht wird. Danach können weitere Anteile erworben werden, womit die Eigenkapitalbasis der Genossenschaft wächst. Diese freiwilligen Geschäftsanteile werden am Gewinn mit bis zu 4% beteiligt.
Die Bewohner der einzelnen Projekte beteiligen sich je nach finanziellen Möglichkeiten einmalig mit der Zeichnung von wohnungsbezogenen Pflichtanteilen an der Errichtung ihrer Wohnung. Daneben wird eine sozialverträgliche Miete eingehoben. Außerdem besteht die Möglichkeit, über den Pflichtanteil hinaus finanzielle Mittel bereitzustellen, die in Form einer verbilligten Miete mit einem Einlagenzins (4%) steuerneutral verrechnet werden. Darüber hinaus lassen sich durch tätige Selbsthilfe der Bewohner die Baukosten senken.
Eine wichtige Finanzierung stellen WOGENO-Sparbriefe bei Genossenschaftsbanken dar. Die Sparbriefe mit fester Laufzeit versetzten die Genossenschaft in die Lage, Hypothekendarlehen ausschließlich für Wohnprojekte aufzunehmen, wodurch die Finanzierung günstiger als mit marktüblichen Darlehen wird.
Letztlich erhält die WOGENO als Non-Profit-Organisation, deren Arbeit weitgehend ehrenamtlich geleistet wird, auch Geld- und Sachspenden, die unmittelbar die Handlungsfähigkeit der WOGENO erhöhen und dem Bau oder Erwerb ihrer Wohnprojekte zugute kommen.
- Verfasser/in:
- Arge W : A : B