Zwischen den schwarz schimmernden Glasflächen sind im Inneren der BAWAG Contemporary scheinbar ungefüge Objekte zu sehen, wie sie gleichzeitig die lärmende Zivilisation des Franz-Josefs-Kai 3 in Wien (unsichtbar, unbewusst) prägen. Dabei sind die sieben, für die Galerie maßgeschneiderten Arbeiten (Installationen) der englischen Künstlerin aus Abflussrohren, Stangen, Karton, Plastik, Holzpaletten, viel Beton und Alteisen weder „Abfallkunst“ noch „objet trouvéts“. Vielmehr erleben die genormten Bauelemente durch Auswahl und Bearbeitung der Künstlerin eine Metamorphose in ihre eigene ästhetische Individualität. Was die Futuristen und in der Literatur vor allem Proust für eine Ästhetisierung der Technik geleistet haben, unternimmt Phyllida Barlow für die anonymen Elemente der städtischen Zivilisation. Ihre eher großen Arbeiten wirken auf nicht nur selbstbewusste Weise elegant, sie reflektieren auch ironisch das Monument im öffentlichen Raum. Indem die Künstlerin die „verdrängte Materialität“ der Stadt sichtbar macht, bringt sie gleichzeitig ein politisch-utopisches Moment ins Bewusstsein: Der üblicherweise auf andere Objekte fokussierte ästhetische Diskurs wird durch Dekonstruktion und Demystifizierung als politischer entlarvt. Der von der Künstlerin eingeleitete fließende Prozess, eine kontinuierliche Produktion und Dekonstruktion werden gleichzeitig zum Abbild städtebaulicher Realität.
Phyllida Barlow, 1944 in Newcastle upon Tyne geboren, unterrichtet als erste Frau an der Slade School of Fine Arts und ist Gastprofessorin am Royal College of London. Zu ihren ehemaligen Schülern zählen Douglas Gordon, Bill Woodrow, Rachel Whiteread, Angela De la Cruz u. a. Eine Institution, die sich erfreulicherweise während der letzten Jahre verstärkt auch mit ihren eigenen Arbeiten präsentiert. Nicht nur für Architekten, noch bis 21. November.
STRETT
Phyllida Barlow
Ausstellungsdauer: bis 21. November 2010
Öffnungszeiten: täglich 14.00–20.00 Uhr
Führungen: jeden Donnerstag um 18.00 Uhr
Begleitveranstaltungen jeden Mittwoch
Eintritt frei
Ausstellungsort: BAWAG Contemporary
Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien
- Verfasser/in:
- Wilhelm Hengstler, Empfehlung
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