Ein Raum außerhalb der Zeit, unterhalb des emotionalen Gefrierpunktes: Die Ausstellung zu Dariusz Kowalskis Diagonale-Trailer 2009, zu sehen bis 26. April 2009 im Kunsthaus Graz.
Der Hintergrund zu 30 Sekunden Trailer gibt im Space 02 des Kunsthauses Graz Einblick in Methoden zu Über- und Bewachung, Beobachtung und Kontrolle. Was sich auf den ersten Blick einigermaßen unspektakulär präsentiert - ein karger Raum, zwei Stühle, ein Tisch sowie ein an der Wand hängender Spiegel - entwickelt sich bei genauerer Betrachtung zum bedrohlichen Angstraum. Nicht bloß die fehlenden Fenster, die drückenden Proportionen des Raumes sowie seine Leere lösen Beklemmung aus. Es ist der Spiegel, der dieses nach ihm bezeichnete Zimmer so unheimlich macht. Dieses Spiegelzimmer ist das Gegenteil eines auf Repräsentation bedachten Raumes, der mithilfe von Spiegeln illusionistische, im Barock beliebte Raumwirkungen erzeugen soll.
Vielmehr ist es das Setting eines Verhörraumes. Der Spiegel gibt nicht nur das eigene Antlitz wider, sondern leitet selbiges gleich weiter in einen anderen Raum. Man ist der Beobachtung, Kontrolle, durch wen auch immer, preisgegeben. In diesem Falle genügen drei Personen, um das Spiel von Macht, Kontrolle, Ohnmacht, Ausgeliefertsein in Szene zu setzen: eine Fragen stellende Ärztin im weißen Mantel, ein Patient sowie ein beobachtender Arzt hinter dem semitransparenten Spiegel. Auch die Videokamera sieht zu.
Aber wie Dariusz Kowalski anmerkte, sind diese semitransparenten Spiegel üblicherweise gar nicht mehr in Verwendung, außer bei familientherapeutischen Settings, sodass es nicht einfach war, einen solchen für die Ausstellung zu organisieren. Und weiter: "Mein Ansatz zu dieser Arbeit geht auf eine persönliche Erfahrung im Jahr 1989 zurück, als ich mich, um dem polnischen Bundesheer zu entkommen, bei der "Musterung" verrückt gestellt und auf der Krakauer Psychiatrie ein Gespräch in einem Spiegelzimmer mit einem Arzt geführt habe. Ich habe zwei Jahre Aufschub bekommen, meinen Hauptwohnsitz in Polen aufgegeben und bin nach Österreich emigriert, seitdem habe ich nie wieder etwas mit Bundesheer oder Psychiatrie zu tun gehabt."
Neben dem Interrogation Room als begehbare Installation des Filmsets sind in der Ausstellung auch ein Modell desselben sowie die Langversion des Trailers zu sehen.
Interrogation Room
bis 24. April 2009
im Kunsthaus Graz, Space 02
Lendkai 1
8020 Graz
Geöffnet DI-So 10.00-18.00 Uhr
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer-Mmadu, Empfehlung
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