Die von Ivan Ristić kuratierte Ausstellung im Architekturzentrum Wien versteht sich als Annäherung an das facettenreiche Leben und Werk des bedeutendsten Denkmalarchitekten des ehemaligen Jugoslawien. Bogdan Bogdanović, der seit 1993 gemeinsam mit seiner Frau in Wien lebt, hat 2005 sein zeichnerisches Archiv, bestehend aus über 12.500 Skizzen und Zeichnungen, architektonischen Entwürfen und surrealistischen Phantasien, dem AzW übergeben.
Das „Phänomen Bogdanović“ lässt sich am besten mit einem Zitat von Friedrich Achleitner umschreiben: „Der Urbanologe, Stadtforscher und Stadtwanderer, Architekt, Bildhauer, Ornamentiker und Kalligraph, der Graphiker und ‚Kritzler‘, der Mythologe, Etymologe, Geschichtenerzähler und Schriftsteller von hohen Graden, ja der Ex-Jakobiner, Ex-Trotzkist, immerwährende Gnostiker und Deist, der Politiker auf Zeit, aber ein enorm politischer Mensch auf Lebenszeit, der surrealistische Wiederholungstäter, kokette Querdenker und Philosoph und nicht zuletzt der große Lehrer ohne Lehre, der seine Begabungen auch als Rolle spielt. ”
In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren realisierte Bogdanović in vielen Teilen von Tito-Jugoslawien rund zwanzig Gedenkstätten für Opfer des Faschismus und antifaschistische Kämpfer, als Zeichen gegen Krieg und Vernichtung, deren berühmteste die an der Stelle eines ehemaligen Konzentrationslagers errichtete Blume von Jasenovac ist. Bogdanović entwickelte dabei eine ideologiefreie, kulturübergreifende und allgemein verständliche Architektursprache, die er auf immer neue Weise jeweils den lokalen Gegebenheiten anpasste. Die Denkmäler bilden, vertreten durch Zeichnungen, Fotos und Textmaterialien, das Zentrum der Ausstellung.
In weiteren Bereichen werden zwei von Bogdanovićs Wohnhäuser sowie seine Rolle als Schriftsteller und Lehrer präsentiert. 35 Jahre lang unterrichtete er an der architektonischen Fakultät der Universität Belgrad und rief früh das Unterrichtsfach Urbanologie ins Leben, in dem Ursprung und Metaphysik der Stadt im Zentrum standen.
Erstaunlich ist immer wieder, wie gut die Alte Halle des AzW unterschiedlichsten Ausstellungsgestaltungen einen Rahmen gibt. Hier hat das Wiener Architekturbüro BWM Architekten und Partner eine schwebende, schwerelos erscheinende Präsentation der Fotos und Pläne der doch sehr erdverbundenen Denkmäler Bogdanovićs entworfen.
Im Wieser Verlag ist eine Begleitpublikation erschienen. Die Ausstellung ist Teil eines Schwerpunktes, mit dem sich das AzW 2009 dem vielschichtigen Themenbereich Balkan anzunähern sucht. Dieser wird im Herbst mit der Ausstellung „Balkanology. Neue Architektur und urbane Phänomene in Südosteuropa“ mit Projektbeispielen aus Belgrad, Zagreb, Kotor, Prishtina und Tirana fortgeführt werden.
Ausstellung:
Bogdan Bogdanović
Der verdammte Baumeister
Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1, 1070 Wien
Telefon +43 (1) 522 31 15
Fax +43 (1) 522 31 17
E-Mail: office@azw.at
Ausstellungsdauer: bis 2. Juni 2009
Öffnungszeiten: Mo-So 10:00 - 19:00 Uhr
Kurator: Ivan Ristić
Projektkoordination: Monika Platzer
Grafische Gestaltung: Gabriele Lenz
Begleitpublikation:
Bogdan Bogdanović. Memoria und Utopie im Tito-Jugoslawien
Wieser Verlag, Klagenfurt
Herausgeber: Architekturzentrum Wien
Idee, Gesamtkonzept und Redaktion: Ivan Ristić
ISBN 978-3-85129-834-5
176 S., 206 Abb.
- Verfasser/in:
- Antje Senarclens de Grancy, Empfehlung
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