Eine Bustour zu ausgewählten Projekten rund um das "Modell Steiermark" in Begleitung von Wolfdieter Dreibholz. Besichtigt werden Vorläufer, Protagonisten und Nachfolger eines Steirischen Wohnbau-Modells.
Start: 12.08.2006, 14:00 Uhr
Abfahrt: HDA Graz, Engelgasse 3-5
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Voranmeldung ist jedoch erforderlich (office@hda-graz.at).
Ein „modifizierter Steirischer Panther“ ziert das Cover eines Ausstellungskataloges mit dem Titel „Wohnbau in der Steiermark 1980-1986“. Dieser aus Brehms Tierleben entnommene, veränderte Panther hat wenig mit jenem steirischen Wappentier zu tun, mit dem sich Politiker noch immer und immer wieder gerne schmücken. Und auch die Farbe entspricht nicht dem gerne vermittelten Bild der grünen frisch, saftig, steirischen Mark.
Der Katalog vermittelt Aufbruchstimmung im Sinne eines neuen sozialen Wohnbaues und in der Tat gab es mit dem 1980 initiierten „Modell Steiermark“ – Wohnbauvorhaben berechtigte Hoffnungen auf nachhaltige Veränderungen im längst obsolet gewordenen „sozialen“ Wohnbau. Die Architekten waren mit viel Engagement angetreten, um den Beweis zu erbringen, dass bei „gleichen finanziellen Mitteln, wie sie die gemeinnützigen Bauträger für sich beanspruchen, mehr städtebauliche, architektonische und planerische Qualität sowie eine Vielfalt an Wohnformen und Wohnungsgrundrissen und –typen – im Gegensatz zum schematischen Wohnbau vieler Genossenschaften – erreicht werden kann.“
Und sie konnten diesen Beweis auch erbringen.
Die Richtlinien der im Rahmen des „Modell-Steiermark“ errichteten Wohnbauvorhaben lesen sich aus heutiger Sicht wie ein Märchen aus anderer Zeit: (Ein Auszug)
*Zumeist werden Wettbewerbe abgehalten, um jenes Projekt zu finden, dass ausgeführt wird. Wir haben ein zweistufiges Beurteilungsverfahren unter Einbeziehung der zukünftigen Bewohner entwickelt.
*Der planende Architekt wird durchwegs mit der vollständigen Büroleistung beauftragt, in vielen Fällen übernimmt er auch die örtliche Bauaufsicht; dafür ist er für die Einhaltung der präliminierten Baukosten verantwortlich.
*Die Tätigkeit des gemeinnützigen Bauträgers beschränkt sich zumeist auf die rechtliche, finanzielle und förderungstechnische Abwicklung des Vorhabens. Für diese Leistung sind 3% der Baukosten gesetzlich vorgesehen.
Und auch für die Zukunft gab es hohe Ansprüche und Erwartungen: „Zufrieden werden wir aber erst dann sein können, wenn nicht - wie jetzt nur etwa 20% des jährlichen Wohnbauvolumens des Landes Steiermark umfassenden qualitativen Ansprüchen Genüge leisten, sondern wenn Qualität – wie wir sie verstehen – als soziales Kriterium für alle Wohnbauprojekte Gültigkeit besitzt.“ (Wolfdieter Dreibholz, „Soll und Haben – Haben und Soll“, in: Wohnbau in der Steiermark 1980-1986, Hg: ZV Steiermark, Michael Szyszkowitz, Hansjörg Luser)
1992 erschien noch eine umfangreiche Publikation zum Thema: „Wohnbau in der Steiermark 1986-1992“, danach scheint das Thema, abgesehen von Einzelaktivitäten, zunehmend aus dem Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu verschwinden.
Erst in jüngster Zeit gibt man dem Thema wieder verstärkt Raum, an unterschiedlichen Orten, in verschiedenem Kontext, aber zur gleichen Zeit. Das HDA-Graz widmet dem Thema "wohnen" einen Programmschwerpunkt.
Im diesem Rahmen führt die HDA- Exkursion mit Wolfdieter Dreibholz, Mitbegründer des „Modell Steiermark“, zu ausgesuchten Wohnbauten rund um das Modell. Besichtigt werden beispielhafte Bauten des „Modell Steiermark“ sowie Vorläufer und Nachfolger: Terrassenhaussiedlung (Werkgruppe), Wienerberger-Gründe (Hubert Riess), Wohnbau Carl-Spitzweg-Gasse (Volker Giencke), Wohnanlage Alte Poststraße (Szyszkowitz - Kowalski), WIST Studentenwohnheim (Alfred Bramberger), Seniorenwohnheim Leibnitz (Klaus Kada).
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer, Empfehlung
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