Architekturpreis des Landes Steiermark 2004 geht an...

... die Architektenteams Colin Fournier/Peter Cook, fasch & fuchs. und hohensinn architektur.

18/04/2005

Aus 59 eingereichten Bauten und theoretischen Arbeiten wählte die Jury insgesamt drei Bauten für den Architekturpreis des Landes Steiermark 2004 aus.

_ Kunsthaus Graz (2003), Colin Fournier / Peter Cook, London

_ Kindermuseum Graz (2003), fasch & fuchs., Wien/Hausmannstätten

_ Justizzentrum Leoben (2005), hohensinn architektur, Graz

Der Preis wird seit 1980 biennal zur Förderung und Anerkennung beispielgebender Leistungen auf dem Gebiet der Architektur von der Stmk. Landesregierung ausgeschrieben. Die Auszeichnungen können sowohl für Arbeiten praktischer Natur (für Bauten und Objekte aller Sparten) als auch für Arbeiten theoretischer Natur verliehen werden.Die Jury setzte sich zusammen aus:

Frau Landeshauptmann Klasnic, vertreten durch Hofrat Dr. Josef Marko

Chefredakteur Dr. Matthias Boeckl, Wien

Arch. DI Elke Delugan-Meissl, Wien

Arch. DI Gerald Deutschmann, Tobelbad

Arch. DI Hermann Eisenköck, Graz

Arch. DI Heinz Wondra, Graz

Arch. DI Peter Riepl, LinzTeilnahmeberechtigt waren Architekten/Architektinnen und Architektengemeinschaften. Weiters konnten Auftraggeber/Auftraggeberinnen und Objekteigentümer/Objekteigentümerinnen sowie einschlägige Berufsvereinigungen Anträge stellen.

PROJEKTBESCHREIBUNGEN

(Auszug aus dem Juryprotokoll)

_ Kunsthaus Graz

Das Kunsthaus Graz von Peter Cook und Colin Fournier repräsentiert nicht nur den gelungenen Abschluss der historischen Entwicklung der Architekturavantgarde der 1960er Jahre, die für die neue Architektur der Steiermark von großer Bedeutung war, sondern bietet auch in Einzelaspekten unkonventionelle sowie technisch und künstlerisch ambitionierte Lösungen eines Ausstellungshauses. Dazu gehören die organoide Grundform, die einzelnen Raumformen mit ihren jeweils radikalen Innen- bzw. Außenorientierungen, die technologisch aufwändige Fassadenkonstruktion und die zeichenhafte Funktion des Hauses im Stadtraum als unübersehbares Signet des Grazer Museenverbunds. In funktionaler Hinsicht wird das Ausstellungshaus für seine besondere Eignung für räumliche Installationen gewürdigt.

_ Kindermuseum Graz

Das Kindermuseum Graz wurde von der Wiener Architektengruppe fasch & fuchs. entworfen. Die Grazer Architektin Dipl.-Ing. Hemma Fasch und ihr Kollege Dipl.-Ing. Jakob Fuchs haben mit dem Kindermuseum nicht nur die einzige Institution ihrer Art in Österreich in Form eines Neubaus geschaffen. Das Kindermuseum Graz weist in der plastischen Modellierung des Baukörpers eine überzeugend zeitgenössische tektonische Interpretation auf. Ein Raumkontinuum entwickelt sich über verschiedene Ebenen und Erlebnis- bzw. Lernzonen teils im Gebäudeinneren, teils in den Außenanlagen. Der Bau erweist sich, auch durch seine Ausstattung und seine funktionalen Elemente, wie etwa kindgerecht tief sitzende Öffnungen, sowie in seiner Form und Lage, als perfekt für seinen Zweck nutzbar. Kindern werden so - neben den jeweiligen Ausstellungsinhalten - auch die Möglichkeiten der Architektur pädagogisch wertvoll erschlossen.

_ Justizzentrum Leoben

Das Justizzentrum Leoben des Grazer Architekten Dipl.-Ing. Josef Hohensinn zeigt eine präzise und konsequente Lösung eines komplexen Programms. Die vielfältigen Funktionsanforderungen eines Justizkomplexes mit Büros, Verhandlungssälen, Zellentrakten und Sonderräumen innerhalb einer Sicherheitszone werden in der Großform und in technischen Details überzeugend bewältigt. Das stadtseitig großzügige, im Bürobereich rasterartige Erschließungssystem des Gerichtstraktes sowie die wohnungsartig angelegten Hafteinheiten reflektieren eine profunde theoretische Auseinandersetzung mit einer gesellschaftspolitisch sensiblen Bauaufgabe. Die aufwändigen Fassadensysteme werden als anspruchsvolles geometrisches Gestaltungsmittel genutzt, die städtebauliche Wirkung des Justizzentrums ist dessen Bedeutung angemessen.

Anmerkung:

In Zusammenhang mit der Abwicklung des Architekturpreises sollte die Sinnhaftigkeit der Regelung hinterfragt werden, dass die Juryentscheidung, die ja von fachlich kompetenten Personen gefällt wird, für den Auslober, in diesem Fall die steiermärkische Landesregierung, lediglich eine Empfehlung der Jury darstellt und vor offizieller Bekanntgabe der Preisträger einer Prüfung durch den Auslober unterzogen wird. Der architektonisch meist nicht geschulte Auslober behält sich damit vor, die fachlich untermauerte Juryentscheidung gegebenenfalls nicht anzuerkennen. So wurden z. B. der Architekturpreis des Landes Salzburg 2002 und das Geramb Dankzeichen für Gutes Bauen in der Steiermark 2003 letztendlich nicht verliehen, weil die Auslober mit den Juryentscheidungen nicht einverstanden waren.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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