Architekturpreis der österr. Zement- und Betonindustrie verliehen

Die Jury vergab drei gleichwertige Preise für den Hauptbahnhof Innsbruck (Riegler Riewe, Graz), die Apotheke zum Löwen in Aspern (ARTEC Architekten , Wien) sowie die Fre

15/06/2005

Insgesamt wurden zum 9. Architekturpreis der österreichischen Beton- und Zementindustrie 40 Projekte eingereicht. Die Fachjury (Architektin Marianne Burkhalter, burkhalter sumi architekten, Zürich; Architekt DI Jakob Dunkl, querkraft, Wien; DI Adolf Krischanitz, Wien; Prof. Dr. techn. Wolfdietrich Ziesel, Zivilingenieur für Bauwesen, IngenieurBauKunst, Wien) befand den Großteil der eingereichten Projekte in Hinblick auf modernes Design, Funktionalität und den Umgang mit Form und Material sowie die eingesetzten Technologien als äußerst qualitätvoll und vergab daher einstimmig drei gleichwertige Preise für den neuen Hauptbahnhof von Innsbruck (Riegler Riewe, Graz), den Neubau der Apotheke zum Löwen in Aspern (ATEC Architekten) und die Freiraumgestaltung des Dorfzentrums von Innichen (AllesWirdGut, Wien)

> Hauptbahnhof Innsbruck

Architektur: Riewe Riegler Architekten ZT GmbH (Roger Riewe / Florian Riegler), Graz

Das Gebäude des neuen Innsbrucker Hauptbahnhofes erstreckt sich als einfacher Hallenbau entlang der Geleise. Auf einer Grundstücksfläche von 15.000 Quadratmetern entstanden binnen 30 Monaten insgesamt 11.000 Quadratmeter Nutzfläche auf vier Etagen. Die Jury vermerkt im Protokoll: „Das Gebäude zeigt offen seine Bestimmung als Ort des Reisens und bildet zudem ein hervorragendes Umfeld für einen Knotenpunkt des öffentlichen Lebens in der Tiroler Landeshauptstadt. So wird der Hauptbahnhof nicht mehr als trennendes, sondern als verbindendes Element im städtischen Kontext wahrgenommen“. vermerkt die Jury im Protokoll. Die ruhigen Längsfronten bilden eine ideale Projektionsfläche für das jeweilige stadt- und bahnseitige Leben, und geben den fluktuierend wechselnden Bahnhofszenarien eine elegante Fassung. Die gefärbten Sichtbetonteile unterstützen die gelassen unaufgeregte Haltung und erzeugen ein Innen und Außen als ein unregelmäßig regelmäßiges Geflecht, welches spannungsreich den Großraum überwölbt. Max Weilers transplantiertes Wandgemälde wirkt in diesem unpathetisch aber prononcierten Raum in bestvorstellbarer Art und Weise“ Die Baukosten betrugen rund 17,8 Millionen.

Das Bauwerk wurde erst kürzlich bei der Verleihung des BTV Bauherrnpreises für Tirol 2005 mit einer Anerkennung gewürdigt.

> Apotheke zum Löwen von Aspern

Architektur: ARTEC Architekten (Bettina Götz + Richard Manahl), Wien

Als „mutiges Beispiel in Sichtbeton“ sah die Jury den Neubau der Apotheke zum Löwen von Aspern in Wien. Mitten im historischen Kern von Aspern erstreckt sich die neue Apotheke zwischen Groß Enzersdorferstraße und Zachgasse. Die neue Apotheke weist Fronten sowohl zur Groß Enzersdorferstraße als auch zur Zachgasse auf und wird als offene, transparente Raumsequenz entwickelt. Eine Vorgartenzone mit alter Birke an der Nachbargrenze vergrößert den Zugangsplatz vor der Apotheke, eine mächtige Kastanie und zwei junge Ahornbäume prägen die Front.

Die Radikalität eines fast skulptural anmutenden Gebäudes aus Ortbeton und Fertigteilen mit Stahlstützen überzeugt, weil gut proportioniert und maßstäblich sensibel eingefügt. So bindet sich der Neubau beinahe unspektakulär in die Straßenfassaden ein. Das Innere überrascht durch lichtdurchflutete, transparente Raumsequenzen. Ernst Richter, Vorsitzender des Güteverbandes Transportbeton: „Dabei wird das Material Beton in seiner ursprünglichen Form buchstäblich zelebriert und wird zur tragenden architektonischen Idee.“ Kleine Erfindungen, wie der hoch liegende Kräutergarten als Metapher zur Apotheke verleihen dem Projekt Tiefe und eine unverwechselbare städtebaulichen Qualität. Die Baukosten betrugen inklusive Einrichtung eine Million Euro.

Die Apotheke zum Löwen von Aspern wurde bereits mit dem Bauherrenpreis 04, dem jährlich vergebenen Preis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, ausgezeichnet.

> Freiraumgestaltung Innichen

Architektur: AllesWirdGut, Wien

Mit einem großzügigen Grundkonzept und sensibel gestalteten Detaillösungen sowie dem großzügigem Einsatz von Beton als Gestaltungsmaterial setzte sich das Konzept von AllesWirdGut Architektur gegen die Konkurrenz durch. „Die Freiraumgestaltung des Dorfzentrums von Innichen ist nicht nur eine moderne und schlüssige Antwort auf die Probleme eines Ortes, der saisonal sehr unterschiedlich stark frequentiert wird“, erklärte der Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), DI Felix Friembichler, „sondern gleichzeitig der Beleg für die Vielseitigkeit und Attraktivität des Werkstoffs Beton.“

Der idyllische Urlaubsort Innichen im Hochpustertal ist ein typisches Beispiel für kommunale Infrastruktur, die mit starken saisonalen Schwankungen der Besucherfrequenz rechnen muss. Bei einer Einwohnerzahl von lediglich 2300 (3000 inklusive Zweitwohnungsbesitzer) verfügt Innichen über insgesamt 2500 Hotelbetten. Jährlich rund 500.000 Nächtigungen prägen das saisonale Tourismusgeschehen, das Innichen urbanen Charakter in einem ländlichen Umfeld verleiht.

Die neue Freiraumgestaltung mit interaktiven und durch einfache Mittel verwandelbaren Zonen ermöglichen eine sinnvolle Gliederung und wechselnde Gestaltung durch Einsatz moderner Technologien im Zusammenspiel mit klassischen Materialien. Verwendet werden Ortbetonflächen mit Waschbetonstruktur und Natursteine im Mengenverhältnis eins zu drei. Insgesamt fünf Zonen auf Basis der grundlegenden Funktionen einer Kommune prägen das neue Ortsbild. Geschäftsflächen, Repräsentation, Tradition (Kirchenplatz), Räume für Veranstaltungen und Zwischenzonen, die auch Parkplätze enthalten. Blickfang und Zentrum des urbanen Lebens in Innichen ist die neue „Plattform“ direkt vor der Ortskirche. Die Investitionskosten betrugen insgesamt 1,75 Millionen Euro.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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