Oder: Über den Umgang mit Architekturen, die vor nicht allzu langer Zeit international für Aufsehen sorgten, dazwischen einige Generationen von Architekturstudenten und nicht nur diese begleiteten, um schließlich im Sommerloch auf dem Müll zu landen.
Ein Aufschrei erreichte mich kürzlich aus der jüngeren Architektenschaft: Der Hörsaal V wurde zerstört, d.h. es wurden jene 1984 von Architekt Manfred Zernig gestalteten Einbauten im 1. Stock der Alten Technik in der Rechbauerstraße entsorgt. Der Hörsaal, der damals absolut up to date die aktuelle Architekturströmung der Postmoderne widerspiegelte und in dem seither Generationen von angehenden Architektinnen und Architekten viele Stunden des Zuhörens verbracht hatten, wurde kürzlich im Müllcontainer vor der Alten Technik gesichtet.
Und auch das Tor von Franz Sdoutz, zu jener Villa in der Engelgasse 3-5, in dem bis Ende 2007 das Haus der Architektur Graz untergebracht war - für manche „das wichtigste Bauwerk unserer Generation“, jener die in den späten 1980er und in den 1990er Jahren studierten, 1991 als Siegerprojekt aus einem Ideenwettbewerbe hervorgegangen und 1993 realisiert - sieht mittlerweile recht verfallen aus.
Natürlich mache ich mich jetzt des Konservativismus verdächtig, denn Inneneinrichtungen unterliegen Strömungen, das HDA ist umgezogen und sein Tor war ohnehin als temporäre Installation konzipiert. Der Entwurf war ob seines starken „Logocharakters und seiner Zeichenhaftigkeit für das HDA“ von der internationalen Jury prämiert worden.
Andererseits:„Das stählerne Tor umhüllt(e) das denkmalgeschützte Portal der Villa. Durch die tangentiale Annährung an das Haus der Architektur, wird erst im letzten Moment der hermetische Blick auf die historische Substanz frei." (http://www.medienarchitektur.at/) Somit stellt sich die Frage: Warum ist das Portal denkmalgeschützt und muss erhalten werden, während ein Stück Architekturgeschichte, das erst 18 Jahre alt ist, ganz einfach demontiert werden darf? Und wer bestimmt das? Oder wann und wo fängt Denkmalschutz an?
Aber noch einen anderen Aspekt finde ich bemerkenswert, nämlich dass die Urheber der Objekte über die Zerstörung ihrer Werke gar nicht informiert werden. Das hat mit Wertschätzung, bzw. deren Fehlen zu tun. Architekt Manfred Zernig meinte auf die Frage, ob er über den Abbruch seines Hörsaales an der Alten Technik Bescheid weiß: „Nein, davon weiß ich nichts, ich bin aber auch gar nicht entsetzt. Ich habe gar nichts anderes erwartet. Das ist bezeichnend für den Geist auf dieser Universität und auch für die Haltung von öffentlichen Institutionen gegenüber Architektur und Kunst! Als ich in den 1970er Jahren kurz im Zeichensaal studiert habe, hatte die TU Graz eine der besten Architekturfakultäten Europas, heute ist sie unter ferner liefen. Das liegt wohl...“
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer-Mmadu, Kommentar

