Eine ArchitekTour für Eilige und Durchreisende. Oder was die Steiermark in drei Stunden, die ihre Durchquerung von Süden, der Hauptreiseroute nach Norden folgend, architektonisch zu bieten hat.
Legen Sie die aktualisierte Version des Audio - Architekturbegleiters in ihr Navigationsgerät und lassen Sie sich auf Ihrer Reise architektonisch begleiten.... Das ist leider noch nicht möglich, aber folgen Sie der Tour im Virtuellen Architekturführer Steiermark, dort finden Sie zu jedem genannten Bauwerk ausführliche Informationen in Bild und Text.
Entgehen Sie dem sommerlichen Stau am Grenzübergang Spielfeld und nehmen Sie den Grenzübergang an der Bundesstraße, gleichzeitig die ersten beiden Stationen der Tour: das BUNDESSTRASSENZOLLAMT SPIELFELD und die VETERINÄRGRENZKONTROLLSTATION SPIELFELD, beide geplant von Feyferlik/Fritzer (Graz). Ohnehin mit Bedacht auf den bevorstehenden EU-Beitritt Sloweniens ökonomisch und auf temporäre Nutzung hin geplant, erwies sich die Haltbarkeit des erst 2000 fertig gestellten Verwaltungstrakts des Zollamtes als besonders kurz: er fiel Ende 2003 einem Brand zum Opfer und ging in die Annalen der spektakulären Brände ein. Mittlerweile ist Slowenien Mitglied der EU, die Einführungsbestimmungen sind gefallen und das Gebäude scheint keinem zu fehlen, lediglich eine Handvoll verbliebener Zollbeamter tun hier ihren Dienst. Im etwas geisterhaft leer wirkenden Ambiente des vormals geschäftigen Treibens der Zollstation scheinen die zum Teil verlassenen Zollboxen geradezu verloren und selbst die Veterinärkontrollstation hat im Zuge des freien Handelsverkehrs ihre Bestimmung eingebüßt.
Um keine Zeit zu verlieren empfiehlt es sich, gleich auf die A9 aufzufahren, außer Sie entschließen sich, die Südsteiermark zu genießen, was aber große Verzögerungen mit sich bringen könnte.
Nach ca. 15 Minuten erhebt sich in der Ferne ein großes, markantes Bauwerk in der Landschaft: das DAMPFKRAFTWERK WERNDORF, geplant von Ferdinand Schuster, errichtet 1972. Es bereichert als gelungene Synthese von Architektur und Technik die steirische Architekturlandschaft und ist auch von den nahe gelegenen Hügeln eine vorteilhafte Landmark zur Orientierung.
Nach weiteren fünf Minuten gibt es die Möglichkeit der Abzweigung nach Wien, wir bleiben aber auf der A9. Hier befand sich im Jahr 2003 die Installation THE THING & THE WING von ORTLOS architects, eines von vier Projekten im Rahmen von Graz Kulturhauptstadt 2003, als architektonischer Willkommensgruss an den Stadteinfahrten. Erwähnenswert deshalb, weil wir THE THING später noch treffen werden.
Gleich darauf begegnen wir einem Phänomen, das seit langem weltweit diskutiert wird: das Ausfließen der Städte, die Verlagerung der Infrastruktur an die Peripherie zum Leidwesen der Innenstädte. Graz hatte sich im Süden einen Speckgürtel zugelegt, der aber nichts nützte, weil die Nachbargemeinde Seiersberg alle großen Geschäfte an sich riss und auch gleich den Uhrturmschatten mitnahm.
Einer Bürgerinitiative in den 1970er Jahren verdanken wir es, dass die Autobahn nicht durch Graz-Eggenberg führt, sondern dass wir durch den Plabutschtunnel an Graz sozusagen vorbeifahren. Dieser entlässt uns im Norden in Andritz wieder und nach weiteren zwei Tunnels sehen wir auf der linken Seite das fünfte Objekt unserer Tour: Die SAPPI PAPIERFABRIK von ATP (Achammer-Tritthart & Partner Architekten und Ingenieure), fertig gestellt 1997. Die gekrümmte Aluminiumhaut ist von der Autobahn aus am besten sichtbar. (Abgesehen von den umliegenden Bergen natürlich).
Um der Mautpflicht des Gleinalmtunnels zu entgehen, empfiehlt es sich bis St. Michael die S35 zu nehmen, ein durchaus attraktiver Streckenabschnitt entschädigt für die 20 Minuten längere Fahrzeit: Den Autofahrer begleiten zwischen Pernegg und Bruck/Mur in Übereinstimmung mit der Umgebung gestaltete Lärmschutz-, Stütz- und Ankerwände sowie eine extravagante Tunneleinfahrt, die sogar Mercedes als Präsentationsobjekt für seine R-Klasse nutzte. Die ARCHITEKTONISCHE BEGLEITPLANUNG von BRAMBERGER [architects] hebt sich wohltuend von den gewohnten, meist wenig Variationsmöglichkeiten anbietenden Lärmschutzwänden ab und lässt den Fahrenden die Umgebung wahrnehmen.
In Bruck ist Aufmerksamkeit bei der Wahl der richtigen Auffahrt Richtung Salzburg geboten, dennoch ist ein „Ding“ unübersehbar, THE THING von ORTLOS architects, es ist von der Einfahrt Graz-Süd nach Bruck gewandert, wo es voraussichtlich auch bleiben wird.
Nach rund 15 weiteren Minuten, in oder besser gesagt unmittelbar vor Kalwang fährt man sozusagen über das nächste Objektes der Tour: Die Autobahn ist das Dach der AUTOBAHNMEISTERI KALWANG von Ralf Tagger, Wolfgang Köck und
Armin Lixl, ein intelligentes, ressourcenschonendes, dafür fast unsichtbares Projekt, von dem man - wenn man es weiß - lediglich das Dach des dreigeschossigen Verwaltungsgebäudes unmittelbar neben der Autobahn wahrnimmt. (Kalwang war vor Eröffnung der A9 aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens und der vielen Verkehrsunfälle auf der so genannten „Gastarbeiterroute“ bekannt wegen seines bekannt guten und immer belegten Unfall-Krankenhauses.
In Liezen, ca. eine halbe Stunde später, erleben wir sozusagen einen Prototyp, einen Vorläufer des vorgenannten Phänomens des Ausfließens der Städte, von dem genauso auch die Kleinstädte betroffen sind. Lange noch bevor allgegenwärtig über diese Entwicklung der gesichtslosen Vorstädte zu Lasten der Kernstädte diskutiert wurde, entstanden außerhalb der Stadt Liezen an der vorbeiführenden Straße Gewerbebetriebe im großen Stil, deren Entwicklung durch die allgemeine Tendenz noch genährt wurde. In diesem Ambiente kann auch das qualitätsvolle Beispiel des EUROGAST LANDMARKT von Egger & Kreiner lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein sein - oder positiv formuliert ein Zeichen, das möglicherweise auch andere Konzerne zum Umdenken bezüglich ihrer Haltung zur Architektur anregt. Hier endet auch die A9 und gemütlicher geht die Fahrt weiter.
Schladming ist ein Begriff. Nach der Ortsumfahrung fällt auf der rechten Seite die Neugestaltung des in den 1970er Jahren errichteten JUGENDSPORTHAUSES SCHLADMING von Zentner architektur auf, als letztes Projekt auf der Durchfahrt, denn bei Mandling fährt man ins nächste Bundesland, nach Salzburg.Lust auf mehr: Von der Weinregion im Süden der Steiermark bis zum Gipfel des Hochschwabs begegnen Sie qualitätsvoller Architektur, Ihre individuelle Tour können Sie im Virtuellen Architekturführer Steiermark auch selbst zusammenstellen.
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer, Empfehlung
Weiterführende Links




