Arbeiten!

Sofasurfen oder hakeln bis zum Umfallen? Das Haus der Architektur untersucht neue Formen der Arbeit.

05/10/2006

Sofasurfen oder hakeln bis zum Umfallen? Das Haus der Architektur untersucht neue Formen der Arbeit.

Experten sprechen von Postfordismus, andere sagen Neoliberalismus oder einfach Globalisierung: Für die neuen Formen heutiger Arbeit gibt es noch keinen gültigen Begriff. Nachdem das Beamtentum ein Auslaufmodell und auf das Angestelltenprinzip auch kein Verlass mehr ist, sind Flexibilität und lebenslanges Lernen angesagt, blühen Job-Hopper, Tele-Work und Ich-AGs. Dass diese örtlich wie zeitlich höchst ungebundenen Arbeitsformen auch auf die Architektur von Arbeitsräumen Auswirkungen haben müssen, behauptet das Haus der Architektur Graz. Im Rahmen von „position 02: arbeiten“, dem zweiten Teil der Reihe „position alltag“, zeigt das Haus, eingebettet in den steirischen herbst, die bemerkenswerte Ausstellung „Bauten und Bilder der Arbeit in der postfordistischen Stadt“.

Das Thema der Ausstellung wurde dabei von den Kuratoren Markus Bogensberger und Gabu Heindl möglichst breit gefasst: Architektur wird der interessierte Besucher nur zum Teil entdecken, zumal sich die gezeigten Bauten – etwa das T-Mobile Center von Architektur Consult, das Verwaltungsgebäude Travel Europe von Kaufmann und Rüf oder das Büro des Architekten Sir Norman Foster – trotz aller architektonischen Neuerungen nolens volens an der traditionellen Arbeit im Büro orientieren. Mit architektonisch weniger leicht fassbaren, dafür umso aktuelleren Arbeitsformen setzten sich zahlreiche künstlerische Arbeiten auseinander, etwa Untersuchungen zu Ich-AGs von Rumpfhuber, Bilder der Arbeit in China Towns von Yiu und Schuldenfrei oder ein Geburtstagsfest für den Kapitalismus, das die Künstlergruppe monochrom feiert. Ob diese Ansätze allerdings auch auf die Produktion von Architektur rückgeführt werden können, bleibt eine Frage, die es wohl noch zu klären gilt.

„Neue Entwicklungen lassen sich nicht sofort in Bruttogeschoßfläche gießen“, argumentiert Kuratorin Heindl die Zusammenstellung der Exponate. Ziel sei es, den Blick für unterschiedliche Phänomene von Arbeit zu schärfen und thematisch auf weitere Programmpunkte zum Schwerpunkt Arbeiten vorzubereiten: Die Exkursion „walk in progress“ führt am 7.11. zu Orten der Arbeit in Graz, ein Roundtable am 22.11. diskutiert die zukünftige Entwicklung des Arbeitsstandorts Graz.

AUSSTELLUNG

position 02: arbeiten

Bis 17.11.2006, Mo-Fr 10.00-18.00 Uhr

Haus der Architektur

Engelgasse 3-5, 8010 Graz

T 0316/32 35 00

office@hda-graz.at

[*] Zitate aus der AusstellungDer Falter Steiermark erscheint wöchentlich, jeweils am Mittwoch.

Verfasser/in:
Fabian Wallmüller, Kommentar; erschienen im Falter Stmk.
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Großer Andrang beim KünstlerInnengespräch am 22.9.2006 im Haus der Architektur Graz. Foto: Robert Illemann
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Arbeiten in einer „großen zusammenhängenden Bürostruktur mit allen erforderlichen Zusatzeinrichtungen wie Geschäften, Parken und Logistik“[*]: Arbeitsräume im T-Mobile Center von Domenig, Eisenköck und Peyker. Foto: Paul Ott
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Verwaltungsgebäude Travel Europe in Stans von Oskar Leo Kaufmann und Albert Rüf: „Flexibilität, Kommunikation und Transparenz spielen eine wichtige Rolle. Die Organisation des Gebäudes auf einem einzigen Niveau ist funktional und organisatorisch ideal.“[*
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Blicken in Arbeitsverhältnisse hinter die Kulissen der China-Towns in New York und anderswo: Marisa Yiu und Eric Schuldenfrei. Foto: Robert Illemann
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“Der Kapitalismus ist wie Christo: Er hat es geschafft, aber kaum jemand will ihm dafür gratulieren.“[*] Die Künstlergruppe monochrom feiert ein Geburtstagsfest für den Kapitalismus: Happy birthday! Foto: Robert Illemann
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Der Falter Steiermark erscheint wöchentlich, jeweils am Mittwoch.

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