Seit Jahren gilt die Schau in den riesigen Arsenale-Hallen als der interessantere Teil der Architekturbiennale, besser geeignet, einen Überblick über das aktuelle Architekturgeschehen zu geben als die Präsentation der Länder in ihren Pavillons. Der heurige Titel „Metamorph“ ist in der Architektur ein eher diffuser Begriff, der fast nichts ausschließt – stellt doch jeder Bau schon eine Metamorphose des Baulands dar. Im Arsenale werden also, auch wenn man als Ordnungsversuch konkrete Begriffe als Klammer wählt, Tendenzen der Gegenwartsarchitektur (fast ausschließlich der westlichen Welt) aufgezeigt.
Das Stimmungsbarometer scheint heuer unverdrossen auf „Hoch“ zu stehen. Vergessen das Klagen um Rezession und Knappheit der Mittel und überhaupt keine Rede mehr von der Knappheit der Ressourcen. Glaubt man den schönen Bildern und sündhaft aufwändigen Modellen der unzähligen dort präsentierten Projekte – so ist zur Zeit alles möglich und machbar – soferne man einen willigen Finanzier findet. Und derer scheint es genug zu geben, auch für Bauaufgaben der öffentlichen Hand. Wie sonst sind die unzähligen Museumsbauten, Konzertsäle, Universitäten zu erklären, die in vergleichbar hypertropher Form der Selbstdarstellung von Kommunen dienen sollen wie die Megabauten bekannter Unternehmen wie BMW und Daimler/Chrysler deren Renommee. Da wird gefaltet, gekippt, geblobbt, werden Schleifen gelegt, komplizierteste, technisch aufwändige Konstruktionen und Wandaufbauten ersonnen, um bestimmte Effekte zu erzielen und weder Mittel noch Materialien gescheut, um originell zu sein.
Traut man der Übersicht, so hat die Moderne endgültig ausgedient, ist Bescheidenheit keine Zier und bleiben ökologische Überlegungen wie Energiesparen und Umweltschutz in der kleinen Nische, für die Venedig keinen Platz hat. Anything goes?
Allerdings, mit dem großen Biennalepreis hat man ein Projekt ausgezeichnet, in dem die gegenwärtige Architekturproduktion überhaupt nicht vorkommt: „Kinshasa Imaginary City“ ist ein soziologisches Genrebild über nachkoloniales urbanes Leben, über Armut. Die Prämierung dieses Projektes hätte zum Thema der Biennale 2000 "Less aesthethics, more ethics" gepasst, heuer scheint sie das Feigenblatt zu sein.
Kurios? Nein. Aber scheinbar Ausweg aus der Misere, aus dieser ehrgeizigen Nabelschau, die von Hypertrophie und Orientierungslosigkeit gekennzeichnet ist, einen Goldenen Löwen prämieren zu müssen. Die Misere hat der Kurator Kurt W. Forster durch die Themenwahl und Themenunschärfe selbst zu verantworten.
- Verfasser/in:
- Karin Tschavgova