Halt, was schaut denn da hervor?
Über den Umgang mit öffentlichem Gut.
FRida&freD, das neue Grazer Kindermuseum der Architekten fasch&fuchs hat - fast über Nacht – ein Junges bekommen. Geduckt steht es da unter der Stahlstiege, die als Fluchttreppe von einem Podest des Museums in den Pflanzgarten führt. Steht in der Ecke, so, als würde es sich schämen. Hat es Grund dazu? Nun, es schaut seiner Mutter ganz und gar nicht ähnlich, ist ein Balg, aus Pragmatik und nur daraus entstanden.
Der Hausherr, Museumsdirektor Ehtreiber, benötigte ein Depot für Gartengerät und schritt zur Tat. Tat das, was 90 Prozent aller Häuselbauer tun würden. Erwarb eine Holzhütte mit Satteldach,
Marke „Gartenstolz“ um schätzungsweise 180 Euro im Baumarkt und ließ diese erdbeben- und hurrikansicher im eigens betonierten Fundament verankern. Ob‘s zum neu errichteten Haus passt, schien ihn nicht zu kümmern. Es gab im Vorfeld der Aktion keinen Kontakt zu den Planern und angeblich auch keinen zum Eigentümer der Liegenschaft, der Stadt Graz.
Sorgfältiger Umgang mit öffentlichem Gut, das aus Steuermitteln errichtet wird, ist notwendig - auch oder besonders nach seiner Fertigstellung. Dabei dürfen die Vorgaben zu seiner Errichtung genausowenig vergessen werden wie die Intentionen der Planer, die berücksichtigt werden sollten. Es ist eine Frage der Wertschätzung des Bauwerks (und eine des Stils), ob man bei beabsichtigten Veränderungen den Architekten einbezieht.
Geschieht dies, könnte manches Missverständnis ausgeräumt und öffentliches Ärgernis vermieden werden. Wie eben eine unpassende Gartenhütte, grob implantiert in anspruchsvolle Architektur. Der Beispiele gäbe es noch viele.....
Dieses etwa - bei genauerer Betrachtung ist vielleicht ein Zusammenhang zu erkennen:
Ein Geschäftsmann lässt zu einer Zeit, wenn die Stadt voll ist mit Touristen, seinen Laden am Grazer Hauptplatz umbauen. Gut. Wenn er Geschäftseinbußen nicht oder Winterbaustellen sehr fürchtet, warum auch nicht. Das ist seine Sache, zumindest so lange, wie er nichts von der öffentlichen Hand braucht. Will er hingegen einem Verdienstentgang entgehen, indem er auf öffentlichem Grund behelfsmäßig Baucontainer aufstellt, in denen er sein Geschäft über Monate weiterführen will, ändert das die Sachlage. Seine Sache wird öffentlich. Sehr öffentlich, wenn der Grazer Hauptplatz Ort des Ansinnens ist. Die verantwortlichen Beamten hatten damit kein Problem und sahen demnach keinen Grund, dem guten Mann sein Ersuchen um temporäre Aufstellung eines Baucontainers auszuschlagen.
Und so kreuzt er nun als Dreifachhässlichkeit den Hauptplatz. Den bedeutendsten aller städtischen Grazer Plätze, der noch gar keine Patina ansetzen konnte nach seiner Generalüberholung, die mit Gestaltungswettbewerb, unendlich vielen Diskussionen über die Wahl des Gehbelages und die zwangsbeglückende Vereinheitlichung der Marktstände äußerst zäh vonstatten ging.
Eben erst hat die Stadtverwaltung geglaubt, den Platz erfolgreich mit Lorbeerbüschen, also mit friedlichen Mitteln, gegen die fremdartigen Eindringlinge, diese Nixnutznixe, verteidigen zu müssen – und jetzt das! Ein Rückfall in balkanische Zustände. Nicht auszudenken, wie der Hauptplatz aussieht, wenn demnächst mehrere Geschäfte gleichzeitig Ausweichquartiere brauchen, weil ihr Stammhaus am Hauptplatz umgebaut wird.
Es gilt auch hier: der Umgang mit öffentlichem Gut muss sorgfältiger werden. Langfristig.
- Verfasser/in:
- Karin Tschavgova


