anGedacht 022

...anGedacht 022: Die Ausstellung "Austrian Phenomenon" im AZW gab eine Übersicht über Auflehnung und Aufbruchstimmung der jungen Architekten im Österreich der 60er u. 70

14/07/2004

Einige Anmerkungen von Konrad Frey als Nachklang zur Ausstellung "The Austrian

Phenomenon"

In der Vielfalt der Projekte jener Zeit lässt sich mehr Substanz, ja sogar

aktuelle Relevanz finden als die bisherige Rezeption - zwischen partiell,

partikulär bis ratlos - gefunden hat.

Es ist der Verdienst des AZW, erstmalig fast alle Projekte dieses "Austrian

Phenomenon" zusammengetragen zu haben. Ab jetzt wünschen wir uns, dass

genauer hingeschaut und differenziert wird .

Die Assoziationen zu Popkultur, Raumfahrt, Glücksversprechen, Sex and Drugs, Formalismuskritik usw. lassen sich leicht herstellen. Aber es gab bei den damaligen Protagonisten auch Interesse zum Beispiel für Verkehrstechnologie, Kunststoffe, Spanplatten, Kräne und computergeführte Technologien.

Neben der ständig wiederholten und wenig überlegten Aufzählung der vermeintlichen "Hauptprotagonisten" kann man sich jetzt auch mal die von Graz anschauen: Da treffen die Verallgemeinerungen der Betrachtung nicht

mehr so zu. Von denen hat sich aber damals kaum einer um "Medialisierung" oder spektakuläre Formen gekümmert.

Vielmehr war konkreter Anlass für die Grazer ein Unbehagen über

- Die Schwerfälligkeit der Architekten und ihrer Gebäude,

- Die Verweigerung der Architekten gegenüber den außerbaulichen Veränderungen in der Welt da draußen,

- Und der Frust über die selbstverschuldete Marginalisierung der Architektur.

Der bestimmende Antrieb damals in den 60er und 70er Jahren war die Frage:

Wie kann Architektur aus der Isolierung und Irrelevanz geholt werden?

Können wir nicht auch begehrte Konsumprodukte anbieten?

Was wäre die neue Rolle des Architekten am Markt?

Ganz pragmatisch: Wie kann ich als Architekt den Konsumenten ein gutes Produkt anbieten, das ihn freut und von dem er vormals nicht wusste, dass er es braucht?

Informativ dazu wäre etwa ein Vergleich der Flughafenprojekte von Laurids Ortner und Konrad Frey in der Ausstellung.

Um Differenzierung und Evaluierung auf der Suche nach heute Aktuellem in diesem Haufen wird gebeten.

Konrad Frey (geboren 1934 in Wien) ist Architekt in Graz und als einer der jungen Wilden jener Aufbruchszeit (die Ausstellung umfasst einen längeren Zeitraum von 1958 bis 1973) mit mehreren Projekten (einige in Zusammenarbeit mit Florian Beigel) in der Ausstellung "The Austrian Phenomenon" vertreten.

Konrad Frey studierte ab 1960 an der Grazer Hochschule. Ein Wettbewerbsprojekt für den Flughafen Berlin-Tegel, gemeinsam mit Richard Gratl und Peter Turner, stellt völlig neue funktionale organisation für Großflughäfen mit hoher Flexibilität vor und brachte ihm erste internationale Anerkennung. 1968 ging Frey nach London, wo er bei Arup Associates arbeitete und, auch als Reaktion darauf, mit Florian Beigel das Büro "Building, Planing & Recources" gründete, um sparsame, unprätentiöse Bauweisen zu entwickeln.

1973 kam er zurück nach Graz und arbeitete am Institut für Umweltforschung, hauptsächlich auf dem Energiesektor.

Verfasser/in:
Konrad Frey, Gastkommentar

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