Ambitionierter Neubeginn für das Haus Burggasse 15.

Man konnte es ja schon in den Tageszeitungen lesen: Der Startschuss für ein neues Haus am ehemaligen Kommod Standort wurde am Freitag offiziell gegeben.

05/07/2004

Man konnte es ja schon in den Tageszeitungen lesen: Der Startschuss für ein neues Haus am ehemaligen Kommod Standort wurde am Freitag offiziell gegeben.

Aus der Sicht der Berufsvertretung, der Architekten- und Ingenieurkammer ergibt sich dabei folgende Rückschau und ein vager Blick in die Zukunft:

Früh, sehr früh, viel früher als wir Wettbewerbs- und Vegabebetreuer in der Kammer es gewohnt sind, wurden wir mit diesem Vorhaben inhaltlich konfrontiert. Das gewünschte Außergewöhnliche sollte auch einen außergewöhnlichen Werdegang haben. So sollte es mehrere Meetings zusammen mit den verschiedenen Ämtern der Stadt, mit der Altstadtkomission und - man höre und staune - mit den späteren Fachjuroren geben. Eine von uns immer wieder geäußerte Forderung. Auch eine Art Wochenend-Workshop mit den dafür in Frage kommenden Architekten wollte man abhalten. Unter anderem deshalb, um herauszufiltern und zu konkretisieren, was an diesem Ort überhaupt sinnvoll sei.

Diese ganze Information wurde uns in einem Treffen vor ca. acht Monaten mitgeteilt.

Wie gesagt, das Gespräch war informeller Natur und gleichzeitig eine Aufforderung, einen Juror zu nennen. Einen, der auch an diesem Workshop teilnehmen würde.

Die für die Einladung zur Wettbewerbsteilnahme vorgesehenen sechs Architekten waren Zaha Hadid, CoopHimmelb(l)au, Klaus Kada, Ernst Giselbrecht, Gerhard Kreutzer und Innocad.

Nun sind unsere Forderungen für einen Wettbewerb eigentlich immer die gleichen. Wir wollen, dass die WOA Regelwerk des Wettbewerbs ist, dass es genügend Fachjuroren gibt, wobei es nicht unbedingt wichtig ist, dass wir alle nominieren. Uns ist es wichtig, dass die Juroren Architekten sind, die nicht nur aus dem Umfeld des Auslobers kommen.

Dass die Zahl der Teilnehmer für diesen wichtigen Ort erhöht wird, wir wollten 15 und dass die Aufwandsentschädigung zusätzlich auch die Vergabe von Preisen beinhaltet. Ich weiß, auch die Preise decken nicht die Kosten, die ein Architekt bei einem Wettbewerb aufzuwenden hat, aber es sollte doch für denjenigen, der ganz vorne liegt, noch eine zusätzliche Anerkennung in Form von mehr Preisgeld geben. Was uns außerdem sehr wichtig war, dass das Verfahren anonym abgewickelt wird.

Die Abhaltung eines Workshops sahen wir eher problematisch, weil die teilnehmenden Architekten zu diesem Zeitpunkt ja schon in einem Konkurrenzverhältnis gestanden wären und es daher wohl schwierig geworden wäre, ein entsprechend ehrliches, offenes Ergebnis zu erzielen. Wir kennen solche Investoren-Workshops aus Deutschland, diese sind Ideenlieferant für den schon längst feststehenden Hausplaner – meistens zumindest.

Nach der Bekanntgabe der Vorstellungen des Wettbewerbsausschusses folgte eine lange Ruhepause und Nachfragen wurde damit, dass es noch nicht soweit sei und wir uns gedulden sollten, beantwortet.

Ein paar Telefonate über die endgültige Teilnehmerzahl und über die Juroren, das war es dann, was wir inhaltlich einbringen konnten, außer eben, dass bei manchen Telefonaten Bedenken, Tipps, etc. geäußert wurden.

Andere Stellen wie die Stadtbaudirektion und die ASVK waren, wie ich vermute, inhaltlich intensiver eingebunden, dort ging es auch turbulenter zu.

Aber als dann offensichtlich auf diesen workshop verzichtet wurde, wurde auch gleich ganz darauf vezichtet, die Juroren frühzeitig zu informieren. Auch wir (das sind Fritz Wiesenhofer, Ulli Bogensberger und ich) als Betreuer der Architektenkammer für Vergabe- Wettbewerbsverfahren bekamen die fertige Ausschreibung erst zwei Tage vor der angesetzten Pressekonferenz und Begehung des Grundstücks. Die Teilehmer bekamen die Unterlagen z.T. auch erst bei der Pressekonferenz bzw. 1 Tag vorher, per mail.

Gescheitert sind wir mit der Forderung nach der WOA (Wettbewerbsordnung der Architekten, Anmerk. der Red.), sie ist nicht Bestandteil dieses Verfahrens. Dennoch denke ich, dass man während der Jurierung auf sie zurückgreifen wird, denn die Auschreibung enthält kein Procedere für die Abhaltung einer Jury. Es sind drei Fachjuroren nominiert, wobei 1 Juror vom dafür zuständigem Besetzungsgremium der Architektenkammer genannt wurde. Zwölf Teilnehmer wurden letztendlich eingeladen und die Aufwandsentschädigung und das Preisgeld wurden entsprechend angehoben.

Das ist ein durchaus achtbares Ergebnis, wenn man bedenkt, dass manch andere Gemeinde, oder auch manch auslobende Stelle der Stadt Graz uns auf unsere Anfragen und Interventionen hin nur die lange Nase zeigt und zeigte.

Ich bin überzeugt davon, dass diese Form der Vorgehensweise auch richtig ist, wünschenswert wäre allerdings, dass zumindest ein Fachjuror früher in das Projekt eingebunden wird und dass man in Zukunft die Teilnehmerzahl doch auf 15 anhebt und davon im Ausmaß von 1/3 sogenannte „wildcards“ vergibt. Das heißt, zehn werden direkt bestimmt und fünf kommen aus einem Topf, in den man nach bestimmten Kriterien hineinkommt. Architekt allein wäre kein ausreichendes Kriterium.

Was bleibt für mich in dieser kurzen Nachlese vorerst übrig? Eigentlich ein Verfahren, ein Wettbewerb, der doch ganz normal ist. Was letztendlich auch unser langjähriges Bemühen um den qualitativen Architektenwettbewerb bestätigt.

Neu ist die Transparenz und das offensive Einbinden aller wichtigen Gremien, die mitverantwortlich dafür sind, ob ein Projekt gelingt oder nicht.

Auch wenn die Absicht dieses Verfahrens klar auf der Hand liegt. Hier will ein Bauherr rasch etwas Neues schaffen, etwas Außergewöhnliches, und nicht die Zeit mit Irrwegen, Kompetenzreibereien im und um den Behörden- und politischen Dschungel verbringen.

Wenn es gelingt, wäre dies ein Startschuss für eine neue Vergabekultur in Graz. Ein Beginn, denn verbesserungswürdig ist auch diese Vorgehensweise. Interessant ist, dass ein privater Bauherr zeigt, wo‘s lang geht.

Das hätte man eigentlich vom obersten Stadthalter/Statthalter erwarten können.

Vielleicht werden die Worte von Herrn Haselsteiner, Chef der Bauholding Strabag, anläßlich einer Rede im Parlament als liberaler Abgeordneter, in der er meinte, (frei interpretiert), jedes Projekt, ob von privater oder öffentlicher Hand, hat aber einr gewissen Größe eine öffentliche Dimension und ist somit für die Öffentlichkeit von Interesse. Es sollten daher sowohl für den öffentlichen wie privaten Bauherrn die gleichen Spielregeln gelten. Qualitätssicherung durch Architekturwettbewerbe im Interesse des öffentlichen Umfeldes und Lebensraum.

Das geladene Gutachterverfahren Burggasse 15 sieht ein multifunktionales Gebäude vor, das im Erdgeschoß ein Restaurant enthalten soll, im Untergeschoß Saal/Bar/Lounge für den Abend- bzw. Nachtbetrieb und in den Obergeschoßen ein Boardinghouse, das ist ein Apartmenthotel für Langzeitgäste.

Auslober: WEGRAZ

Abgabe: 3. September 2004, Modell am 10.September 2004

Jury: 20. und 21. September 2004

Die definitiv geladenen Teilnehmer:

Erich Bernard (BMW)

Coop Himmelb(l)au

Dietmar Feichtinger

Volker Giencke

Ernst Giselbrecht

Zaha Hadid

Henke und Schreieck

INNOCAD

Klaus Kada

Kreutzer&Krisper

Hrvoje Njiric

Peter Reitmayr

Preisgericht Architekten:

Massimiliano Fuksas, Rom

Gerhard Mitterberger, Graz

Reinhardt Honold, Innsbruck

Verfasser/in:
Wolfgang Feyferlik,
Wettbewerbsbetreuer , Arch+Ing.
vormals_kommodhaus.jpg
Bild: Wenzel Mracek

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