Altenwohn- und Pflegeheim oder Hotel?

Am Samstag, den 23.07.2005 wurde das Altenwohn- und Pflegeheim Steinfeld in Kärnten, geplant und realisiert von Architekt Dietger Wissounig aus Graz, feierlich seiner Bes

28/07/2005

Das Projekt von Dietger Wissounig, der seit 2002 ein eigenes Architekturbüro in Graz betreibt, ging im April 2003 bei einem österreichweiten Wettbewerb aus 64 Einreichungen als Sieger hervor. Bereits ein Jahr später, im Juni 2004 wurde mit dem Bau des Altenwohn- und Pflegeheims begonnen, das nun nach knapp einem Jahr Bauzeit fertig gestellt und am Samstag, den 23.07.2005 seiner Bestimmung übergeben wurde.

Die starken landschaftlichen Reize, die optimale Ausrichtung des Gebäudes in Hinblick auf die Belichtung der Innenräume und die Forderung, nachhaltige Gebäudetechnologie mit moderner Holzbauweise zu verbinden, waren die wesentliche Entwurfsaspekte. Daraus entwickelte Wissounig einen kompakten dreigeschoßigen Bau mit dem Standard eines Niedrigenergiehauses. Sein äußeres Erscheinungsbild wird bestimmt durch die über das Erdgeschoß kragende zweigeschoßige „Holzbox“ mit vertikaler Lärchenholzschalung und geschoßhohen Schiebeläden.

Die beiden Obergeschosse beherbergen zwei separate, gleich große Pflegeeinheiten mit jeweils 25 Betten. Im Erdgeschoß befinden sich sowohl die Gebäudeversorgungseinrichtungen als auch die Publikums-, Verwaltungs- und die Pflegeeinrichtungen. Eingang, Foyer und Festsaal bilden eine fließende Raumfolge, die sich auf den Drautalboden Richtung Latschur hin orientiert. Ein zentral gelegenes, reich bepflanztes Atrium, um das alle Räume angeordnet sind, verbindet die drei Geschoßen des Geäudes miteinander. Es fungiert als Wintergarten und Frischluftspeicher und wird in geschlossenem Zustand mechanisch über Erdkollektoren belüftet (Sommermonate – Kühlen, Wintermonate – Vorwärmen). Ein Wärmetauscher entzieht der Abluft die Wärme. Die "kontrollierte Raumlüftung" und die Wärmerückgewinnung ergeben eine beachtliche Energieeinsparung für die Beheizung des Objektes.

Der direkte Bezug zum Park, zur angrenzenden Kulturlandschaft des Drautalbodens und zur Wetterlage ist in jedem der Obergeschoße durch nach Osten, Westen und Süden ausgerichtete, in Holz gekleidete Terrassen gegeben. Mit dem Atrium und den Terrassen als Verbindung zur Außenwelt vermittelt das Haus eher Hotel- als Pflegeheim-Charakter.

Die Konstruktion des Gebäudes besteht, mit Ausnahme des Erdgeschoßes, dessen Tragstruktur aus Beton ist, aus Holz, gefertigt mit modernster Holztechnologie. Das dafür verbaute Lärchenholz ist in Kärntens Wäldern gewachsen. Vorgefertigte Wandscheiben in Holztafelbauweise leiten aus den beiden Obergeschoßen die Lasten in die Wandscheiben und Stützen des Erdgeschoßes ab. Brettstapeldecken bilden den horizontalen Abschluss der jeweiligen Geschoße. In Zusammenhang mit der Gebäudetechnik ("kontrollierte Raumlüftung") wurden die außen liegenden Wände mit erhöhter Wärmedämmung versehen und möglichst dicht ausgeführt.

Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz von DI Erich Gutmorgeth bezeichnete Wissounigs Entwurf als ein „ausgezeichnet durchdachtes Projekt… „mit einem überraschend gut dosierten räumlichen Angebot, das die ,Kiste‘ von außen kaum vermuten lässt“. Diese Bewertung hat auch noch für das realisierte Bauwerk Gültigkeit.

PROJEKTDATEN

Bauherr: Sozialhilfeverband Spittal/Drau

Architektur und Innenraumgestaltung: Dietger Wissounig

Tragwerksplanung: ARGE DI Pock – DI Urban

Holzbau: Fa. Tschabitscher

HKLS: TB Hammer

Bauzeit: Juni 2004 bis Mai 2005

Bruttorauminhalt: 14.903 m³ inkl. 3-geschossigem Wintergarten

Bruttogrundrissfläche: 3.658m²

Baukosten netto: ca. 4,1 Mio. ohne Einrichtung

Niedrigenergiehaus mit::

_ Erdwärmegewinnung und Wärmegewinnung aus Abluft mittels Wärmetauscher

_ kontrollierter Wohnraumlüftung

_ dreigeschossigem Wintergarten als Frischluftlieferant

_ Beheizung des Gebäudes mit Fernwärme

Brandschutzkonzept:

Das gesamte Gebäude ist in F90 ausgeführt. Alle Hölzer sind auf F90 – Abbrand berechnet. Außerdem verfügt das Haus über sieben Wandhydranten und eine moderne Brandmeldeanlage. Neben den beiden Stiegenhäusern aus Beton, die jeweils einen eigenen Brandabschnitt darstellen, sind im EG zwei Brandabschnitte, im 1. und 2. OG jeweils drei Brandabschnitte (wobei der Wintergartenabschnitt über beide Obergeschoße geht) ausgebildet.Fotonachweis:

Paul Ott (Bild 1-6)

Dietger Wissounig ((Bild 7 u. 8)

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

Weiterführende Links

paulott_awh_steinfeld_fassade.jpg
Das Gebäude liegt inmitten der Kulturlandschaft des Drautalbodens.
paulott_awh_steinfeld_ansicht.jpg
Das Gebäude lehnt sich in seiner Gestalt, mit dem Sockelgeschoß aus Beton und den darüber liegenden Geschoßen aus Lärchenholz, an den traditionellen Bautypus der Region an: ein Sockelgeschoß aus Naturstein trägt das darüber liegenden Holzgeschoß.
paulott_awh_steinfeld_schiebelden.jpg
Die außen liegenden Wandelemente sind hoch wärmegedämmt, versehen mit einer hinterlüfteten Fassade aus Öberkärntner Lärche.
paulott_awh_steinfeld_terrasse.jpg
Mit Lärchenholz verkleidete Terrassen gewähren vielfältige Ausblicke in die Natur
paulott_awh_steinfeld_innen.jpg
Behaglichkeit der Räume durch den qualitätvollen Innenausbau in Holz und Glas, kombiniert mit einer wohlüberlegten Lichtführung
wissounig_foto__awh_steinfeld_atrium.jpg
Das zentral gelegene, dreigeschoßige Atrium ist eine "immergrüne Oase" und dient als Frischluft- und Tageslichtlieferant.
wissounig_awh_steinfeld_atrium02.jpg
Das Atrium wird auch als Wintergarten genutzt und ist über Stege erreichbar.

Artikelempfehlungen der Redaktion