Alles im Bild – Seiler & Kerner und Stimulus Overload bei paraSITE

Die Grazer Galerie paraSite sorgt für Webauftritte und Präsentationen junger Künstlerinnen und Künstler im „wirklichen“ Galerieraum. „Stimulus Overload“ ist noch bis 12.1

11/11/2010

Die Grazer Galerie paraSite sorgt für Webauftritte und Präsentationen junger Künstlerinnen und Künstler im „wirklichen“ Galerieraum.

Bereits im Mai dieses Jahres hat die junge Grafik- und Kommunikationsdesignerin Katharina Seiler für die Grazer Galerie paraSITE eine Wandarbeit mit dem Titel „Through the Wall“ ausgeführt. An die Wand geklebte, transparente Kunststoffbecher, jeweils ein „Horcherl“ zum Nebenraum, ergaben in ihrem Gesamtbild das Wort „Lauschangriff“. Themen wie dieses können wohl als Hinweis verstanden werden, dass die FH-Studentin in Kommunikationsdesign über ihre, auf der Website angeführten Vorlieben „Pixel, Papier, Illustration, Schneiden, Schreiben, reden und lachen“ hinausreichende Interessen haben dürfte. Interessen nämlich, die unsere mediatisierte Gesellschaft betreffen, in der wir uns im Alltag, in der Freizeit wie am Arbeitsplatz einer Flut auf uns kommender Informationen ausgesetzt sehen. Was noch nicht Information ist, ist zunächst einmal Reiz, aus dessen Fülle es zu filtern gilt, um daraus die relevanten Botschaften zu extrahieren. Multitasking ist wahrscheinlich nur eine von vielen Fertigkeiten, über die es zu verfügen gilt.

Eine anschauliche Metapher für die eigentlich vertrackte Lage ist ein aktuelles Wandrelief, das Katharina Seiler in Zusammenarbeit mit Christian Kerner nun ebenfalls für paraSite installiert hat. Wiederum ist es ein Wort, das aus kleinen blauen bis grünen geometrischen Körpern gebildet wurde. Allerdings wurde hier wie in einem Palimpsest Text über Text geschichtet, Inhalt über Inhalt und es bedarf – wie im richtigen Leben – einiger Konzentration, in diesem Wust zu lesen. Was, soll jetzt nicht aufgelöst sein, obschon der Schriftzug in Teilen hier bereits wiedergegeben wurde. Was Seiler & Kerner mit ihrer Installation praktizieren ist allerdings – neben dem Sinnbild für die mediatisierte Welt – auch einer alten Methode zur Verschlüsselung ähnlich: Alles ist als Bild mit einem Blick zu erfassen, alles ist sichtbar. Und doch wird mit der sichtbaren Botschaft auch eine zunächst unsichtbare transportiert, nach steganografischem Prinzip.

„Stimulus Overload“ von Katharina Seiler & Christian Kerner ist bis zum 12. November in der Galerie paraSITE, Kaiserfeldgasse 22 in Graz, zu sehen.

Finissage: 12. November 2010, 11.00 bis 14.00 Uhr

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Rezension

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