Absurdes Theater

Kommentar zum Vorhaben der Vorbesitzer und Minderheitseigentümer, das im Jahr 2003 von der Wegraz abgerissene Kommodhaus in Graz in seiner historischen Form wieder aufzub

14/03/2007

Zwar an der Stelle des Tummelplatztheaters und mit einem Biersanatoriums erbaut ist der Abbruch des Kommodhauses „illegal“ (1) erfolgt und zeigte uns die Gürtellinie des Rechtstaates.

Die normative Kraft des Faktischen gebar hier einen Bauplatz in der Kernzone der Altstadt, der sich auch in der UNESCO Welterbezone befindet. Ein international geladener Wettbewerb, mit der lokalen Architektenkammer abgestimmt, hat ein Projekt der Architektin Zaha Hadid (London), zur Realisierung vorgeschlagen.

Die Vorgänge rund um den Abbruch waren Gegenstand von kritischer Berichterstattung an die Welterbekonferenz der UNESCO, wie denn die Stadt Graz nun eigentlich mit ihrem historischen Erbe umgeht, waren ein immaterieller Schaden für die Stellung des Welterbes Graz in der Welt.

Die um ihre Räume gekommenen einstigen und sonstigen Mitbesitzer des ehemaligen Kommodhauses schlagen nun vor, das Haus in seiner historischen Form wieder aufzubauen.

Dieser Vorschlag weitet das Theater ins tragische Fach aus, denn pseudohistorische Gestaltung kann kein historisches Erbe ersetzen. Wie wär´s zum Beispiel mit dem Wiederaufbau der Grazer Burg?

Wiewohl der Abbruch ein Schlag ins Gesicht des historischen Erbes war, so wird ein mit heutiger Bautechnik errichteter Bau mit aufkaschierter Hauberrisser Fassade einem hohlen Zahn gleichen, einem Gebäude ohne Seele, einem potjomkinsches Dorf.

Auch die Vorgaben der UNESCO lehnen pseudohistorische Gestaltung (2) klar ab, der Altstadtschutz bekennt sich zum Bauen auf der Höhe der Zeit im Kontext mit der lebendigen historischen Stadt. Lösungen werden daher nur in einem gemeinsamen baukulturellen Dialog zwischen den Eigentümern, der Stadt Graz, dem Bundesdenkmalamt, der Altstadtsachverständigenkommission sowie der Weltkulturerbe Koordinationsstelle zu finden sein und nicht durch Historie aus Pappe.

Zeitgenössische Architektur stellt einen Mindeststandard im Umgang mit der alten Stadt dar. Wiedererrichtungen erscheinen bei nationalem Identitätsverlust, wie dies bei der Warschauer Altstadt geschah, denkbar, beim Kommodhaus sind sie aber absurdes Theater.

(1) Artikel in der Kleinen Zeitung 14.03.2007, Seite 22, 23

Artikel in Der Standard 14.03.2007, Seite 9

(2) UNESCO Konferenz Welterbe und zeitgenössische Architektur“ , Wien 2005

Wiener Memorandum der UNESCO

Christian Andexer ist Architekt in Graz,

Mitglied der Grazer Altstadtsachverständigenkommission

und hat mit Dr. Wiltraud Resch den Masterplan für das Weltkulturerbe Graz verfasst.

Fotos: Ute Angeringer, Wenzel Mracek

Rendering: zaha hadid architects

Verfasser/in:
Christian Andexer, Kommentar
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Das ehemalige Kommodhaus in der Burggasse 15 in Graz kurz vor dem Abbruch im Jahr 2003.
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Abbruch des Kommodhauses am 13.10.2003.
vormals_kommodhaus_1.jpg
Seit 13.10.2003 besteht in der Burggasse 15 eine Baulücke....
050215_hadid_wbkommod_0.jpg
...und es fraglich, ob das Siegerprojekt des geladenen Wettbewerbs im Jahr 2004 - ein Entwurf der Architektin Zaha Hadid, der ein multifunktionales Gebäude mit Restaurant im EG, Saal/Bar/Lounge für den Abend- bzw. Nachtbetrieb im UG und ein Boardinghouse

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