Auf Initiative von Kulturreferent LH-Stv. Kurt Flecker widmen sich steirische Kulturinstitutionen – Landesmuseum Joanneum, Jazzsommer, Zeiger, absolutely free – ab Mai 09 in einer Vielzahl von Veranstaltungen dem wohl legendärsten Festival der Rock- und Popgeschichte, dem „Woodstock Music and Art Festival“.
Ausgetragen wurde das Festival vor 40 Jahren, vom 15. bis 17. August 1969, auf dem Gelände einer Farm in Bethel, New York State. 32 Bands und Solisten traten auf; die Organisatoren hatten mit dem Besucherstrom von etwa 400.000 Personen nicht gerechnet. Verkehrschaos, suboptimale Organisation, exzessiver Drogenkonsum und heftige Regenfälle waren Begleiterscheinungen eines Ereignisses, das zu einem Paradigma der Musik-, Jugend- und Kulturgeschichte im 20. Jahrhundert werden sollte.
„Mit ‘Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll’ wurden gesellschaftliche Konventionen gebrochen und das konservative Bürgertum schockiert. Mit der Botschaft ‘Love and Peace’ wurden Freiheit und Frieden thematisiert und verbreitet. Wir stellen zur Diskussion, ob und was von diesen Revolutionsgedanken 40 Jahre später noch übrig geblieben ist“, beschreibt Kurt Flecker die Intention des Schwerpunktes 40 Jahre Woodstock.
Der Historiker und Projektleiter Karl Stocker betont allerdings den eher ironischen Blick zurück. Die Ausstellung und Veranstaltungsreihe „absolutely free“ im Joanneum-Gebäude, Neutorgasse 45, soll keiner rührseligen Reminiszenz von Alt-Hippies gleichen. Vielmehr soll mit Ausstellung, Konzerten, Dokumentationen und Diskussionen dem „Woodstock-Effekt“ nachgegangen werden: „Ob und wer sich heute noch soziale und politische Utopien leisten kann“ beziehungsweise „ob auch die heutige Popkultur Potentiale birgt, die noch immer die Welt verändern oder verbessern sollen und wie der Begriff der Freiheit in einer wirtschaftsorientierten Welt eigentlich gebraucht wird“. Mehr als 60 KünstlerInnen und acht KulturwissenschafterInnen im Alter unter 30 Jahren – „trau keinem über 30!“ – wurden mit Recherchen und künstlerischen Statements beauftragt. Die Ausstellung selbst ist „Lebens(stil)orientierungen“ in der Steiermark nach Woodstock gewidmet. Im Musikprogramm treten neben anderen mehr Saul Williams und Bonnie „Prince“ Billy auf. Das „Projektbüro Rockarchiv“ wird im Büro der Erinnerungen eingerichtet. Die Veranstaltungsreihe „Reunion“ ist eine akustisch-performative Spurensuche nach dem Mythos Woodstock in der Steiermark.
Pop-Musik als Gegenstand bildender Kunst wird ab 5. Juni Thema der Ausstellung „Schere-Stein-Papier“ im Kunsthaus Graz sein. Arbeiten von KünstlerInnen wie Art & Language, Sam Durant, Mike Kelly oder Uwe Schinn wurden von Kurator Diedrich Diederichsen aufgrund ihrer besonderen Beziehungen zur Pop-Musik ausgewählt.
2004 begann Robert Wilson mit der Arbeit an den VOOM Portraits, Video-Porträts, deren Bilder Kurator Peter Weibel als „historisches Quellenmaterial aus der Geschichte von Malerei, Design, Tanz, Theater, Fotografie, Fernsehen, Film, Musik und zeitgenössischer Popkultur“ ausweist. In theatralischem Setting werden neben anderen Steve Buscemi, Princess Caroline of Monaco, Johnny Depp oder Jeanne Moreau gefeatured. In der Neuen Galerie ab 20. Juni.
Die Ausstellung “Warhol, Wool und Newman“ startet am 26. September im Kunsthaus Graz und stellt Arbeiten der gewissermaßen geistesverwandten Maler gegenüber.
In den Schwerpunkt eingebunden sind die Festivals Spring09, Elevate und der Jazzsommer, der Canned Heat und John Fogerty auf die Bühne bringt. In einem „symphonischen Rockkonzert“ im Dezember treffen einander Opus und STS in der Grazer Oper.
absolutely free, Joanneum-Gebäude Neutorgasse 45 vom 1. Mai bis 16. August.
Eröffnung: 30. April 2009, 17.07 Uhr
Schere-Stein-Papier, Kunsthaus Graz, vom 6. Juni bis 6. September
Robert Wilson: VOOM Portraits in der Neuen Galerie vom 20 Juni bis 6. September
Programminformationen en detail unter www.museum-joanneum.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Bericht
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