Über 300 Filme in 157 Vorstellungen an 5 Tagen. – So könnte eine vorab radikal kurz gefasste Beschreibung der Diagonale 2008, vom 1. bis 6. April in Graz, lauten. Es ist die letzte unter der Intendanz von Birgit Flos, die mit Ende des Festivals ihr Amt an Barbara Pichler weitergibt.
Was sich hier nicht ganz ohne Sarkasmus verkürzen lässt, entspricht einer Programmfülle, die Karl Kraus vielleicht noch als Marstheater bezeichnet hätte. Jedenfalls ist nur schwer vorstellbar, wer in der Lage sein könnte, sich auch nur ein halbwegs relevantes Bild von diesem Festival des österreichischen Films machen zu können. In der Diagonale-Werkschau werden alle österreichischen Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt, die 2007 und bis kurz vor Festivalbeginn ihren regulären Kinostart hatten. Aus über 550 Einreichungen wird eine Auswahl von Kurz-, Animations- und Experimentalfilmen präsentiert. Zudem gibt es diverse Specials wie eine Filmreihe zum aus Wien stammenden sowjetischen Filmemacher Rappaport, Präsentationen des Filmarchivs Austria, eine Reihe unter dem Titel „Die Erotik der Leere“ von Michael Pilz, eine Werkschau des Linzer Filmkünstlers Dietmar Brehm und eine Hommage an den früh verstorbenen Jörg Kalt; dazu Theorie, Workshops und eine Initiative zum Unterrichtsfach Film an österreichischen Schulen und unbeschreibbar vieles mehr – allein der Katalog umfasst schlanke 320 Seiten.
Nachdem es keine deklarierte Architekturschiene gibt, wohl aber etliche Filme, die um das oder vom Thema handeln, dazu einige, die von bildenden KünstlerInnen stammen bzw. bildende Kunst und Raum thematisieren folgt hier eine zwangsläufig (s.o.) unvollständige Liste von Empfehlungen.
FILMEMPFEHLUNGEN:
Weisse Lilien - Silent Resident
Spielfilm, AT, 2007, 96 min. Regie: Christian Frosch.
Soziale Unterschiede zeichnen sich in den bewohnten Stockwerken der Bauten von Neustadt, einer „Lebensmaschinerie“ ab. Die Hoffnung auf sozialen Aufstieg ist mit der Übersiedelung in eine höher gelegenes Stockwerk verbunden, wie es Christian Frosch in „Weiße Lilien. Silent Resident“ darstellt.
Donnerstag 03.04.
20:00 Uhr, Schubertkino 1
Gibellina - Il Terremoto
Dokumentarfilm, AT, 2007, 72 min. Regie: Joerg Burger
Der Dokumentarfilm „Gibellina – Il Terremoto“ von Joerg Burger erzählt von einem sizilianischen Phänomen, Städte, nachdem sie durch Erdbeben zerstört wurden, am anderen Ort neu aufzubauen.
Freitag 04.04.
22:30 Uhr, Schubertkino 1
Samstag 05.04.
11:00 Uhr, Schubertkino 1
Das Leben will leben - Die Kunst der Weinberger
Dokumentarfilm, AT, 2006/2007, 55 min. Regie: Caspar Pfaundler
Über eineinhalb Jahre hat Caspar Pfaundler das Künstlerehepaar Lois & Franziska Weinberger mit der Kamera begleitet und daraus entstand der Film „Das Leben will leben – Die Kunst der Weinberger“.
Donnerstag 03.04.
22:00 Uhr, Schubertkino 2
Samstag 05.04.
17:00 Uhr, augartenkino kiz
Prater
Dokumentarfilm, AT, 2007, 107 min. Regie: Ulrike Ottinger.
Praterdynastien erzählen von ihrem Schaustellerleben in Ulrike Ottingers Dokumentation „Prater“.
Mittwoch 02.04.
23:30 Uhr, UCI Annenhof Saal 7
Trivial Europe
Dokumentarfilm, AT, 2007, 60 min. Regie: Regie: Gerald Harringer, Wolfgang Preisinger
Mit Stirnlampen ausgerüstete KünstlerInnen, RegisseurInnen, ein Lehrer, ein Geschäftsmann und eine Drag Queen sind unterwegs auf nächtlichen Stadtwanderungen und wollen zwischen Thessaloniki und Novi Sad dem europäischen Geist nachspüren. Ein Film von Gerald Harringer und Wolfgang Preisinger mit dem Titel „Trivial Europe".
Donnerstag 03.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Freitag 04.04.
22:00 Uhr, Schubertkino 2
2006
Experimentalfilm, AT, 2008, 4 min. Regie: Xaver Challupner
365 Blicke auf einen Platz, jeden Tag zur möglichst selben Zeit, erinnern an Daguerres frühe Typie oder an Warhols Empire State Building. Bei Xaver Challuper dauert der Film „2006“ dagegen nur vier Minuten.
Mittwoch 02.04.
16:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Samstag 05.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
alpine passage
Experimentalfilm, AT, 2007/08, 6 min. Regie: Michaela Schwentner
Der Film passiert in sechs Minuten und ist die artifizielle Bestandsaufnahme der alpinen Situation, wie sie sich für durchschnittliche Reisende darstellt: Straßen, Brücken, Galerien, Parkplätze.
„Borgate“ von Lotte Scheiber ist eine Reflexion der römischen Peripherie jetzt und in den Filmen von Passolini und Fellini. Das einstige Hoffnungsgebiet der „neuen Stadt“ ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein heruntergekommenes Viertel.
Mittwoch 02.04.
16:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Samstag 05.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Eisenwurzen. 4 beats pro Minute.
Dokumentarfilm, AT, 2007, 49 min. Regie: Eva Eckert
Vor dem Hintergrund einer alten österreichischen Kulturlandschaft ist „Eisenwurzen. 4 beats pro Minute“ von Eva Eckert ein 49 Minuten langer Blick auf Volkslieder und ihr montanistisches Umfeld.
Donnerstag 03.04.
21:30 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Sonntag 06.04.
21:30 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Im urbanen Niemandsland
Dokumentarfilm, AT, 2007, 30 min. Regie: Matthias Gugler, Johannes Honsell
Etwa 600 Obdachlose und Wanderarbeiter haben sich direkt an der zwölfspurigen Pariser Ringautobahn niedergelassen, einem der lautesten und verschmutztesten Orte Frankreichs. Das zeigt Matthias Gugler mit „Im urbanen Niemandsland“.
Donnerstag 03.04.
13:15 Uhr, Schubertkino 2
Sonntag 06.04.
19:15 Uhr, Schubertkino 2
John Lautner - The Desert Hot Springs Motel
Experimentalfilm, AT/USA, 2007, 10 min.
Kalifornischer Modernismus in „John Lautner – The Desert Hot Springs Motel“, 150 Kilometer von Los Angeles entfernt.
Sasha Pirker erzählt die Geschichte des Schriftstellers Steve Lowe, der das von John Lautner entworfene Hot Springs Motel gekauft und über Jahre betrieben hat.
Mittwoch 02.04.
19:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Samstag 05.04.
22:15 Uhr, augartenkino kiz
Mapping the Wall
Dokumentarfilm, IL/PS/AT, 2007, 32 min. Regie: Reinhard Uttentaler
Reinhard Uttentaler vermerkt den Verlauf des israelischen „Schutzzaunes“ entlang dem Westjordanland auf einer Straßenkarte.
Mittwoch 02.04.
13:15 Uhr, Schubertkino 2
Samstag 05.04.
21:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Mind Bubble
Experimentalfilm, AT, 2008, 7 min. Regie: Erwin Wurm
Erwin Wurm, Schlossbesitzer und weltberühmter Künstler aus Bruck an der Mur, handelt von einem jungen Ehepaar, das im Auto durch die Innenstadt fährt, währenddessen die beiden Überlegungen zu Physik und Philosophie anstellen. Sieben Minuten, die nicht irgendjemand auf die Diagonale gebracht haben könnte.
Donnerstag 03.04.
11:00 Uhr, Schubertkino 1
Sonntag 06.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Prelude
Experimentalfilm, AT, 2007, 4 min. Regie: Annja Krautgasser
In „Prelude“ von Anja Krautgasser dagegen werden Aspekte von Raumsoziologie mit Parametern der Kommunikation überlagert.
Mittwoch 02.04.
16:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Samstag 05.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
RAUMFAHRERINNEN
Spielfilm, AT, 2007, 2 min. Regie: Renate Kordon
In zwei Minuten fahren in einem Film von Renate Kordon „Raumfahrerinnen“, zwei Mädchen, durch Wohn- und Zeitraum von sechs Jahren.
Mittwoch 02.04.
10:00 Uhr, UCI Annenhof Saal 7
Donnerstag 03.04.
18:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Freitag 04.04.
24:0 Uhr, Schubertkino 1
Samstag 05.04.
12:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Somewhere, late afternoon...
Experimentalfilm, TW, 2007, 11 min. Regie: Ella Raidel, Hongjohn Lin
Ella Reidel untersucht neue Städte mittels bewegter Bilder. Durch mediale Täuschungsmanöver erscheinen fiktive Konstrukte wie authentische Zeugnisse in „Somewhere, late afternoon …“
Mittwoch 02.04.
16:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Samstag 05.04.
13:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 2
Space II
Dokumentarfilm, AT, 2007, 19 min. Regie: Gregor Stadlober
Eine dafür arrangierte Grillparty im Grazer Theater im Bahnhof ist das Szenario für SchauspielerInnen ohne Regieanweisungen. Gregor Stadlober schneidet daraus „Space II“.
Donnerstag 03.04.
21:00 Uhr, Geidorf Kunstkino 1
Samstag 05.04.
22:00 Uhr, Schubertkino 2
Und außerdem, aber damit ist bei weitem nicht alles gesagt, handelt „Die Österreichbox“ des Filmarchivs Austria anlässlich der Jahres8 von einem Jahrhundert visueller Zeitgeschichte, erfasst auf sechs DVDs und präsentiert am 5. und 6. April im Augartenkino KIZ. Keep on rippin, wie wir Filmsurfer sagen.
HINWEIS:
Das HDA schenkt aus:
DIAGONALE-Bar im Palais Thinnfeld
Mittwoch 02. April - Samstag 05. April 2008 ab 21.00 Uhr, HDA, Palais Thinnfeld, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz
Die Diagonale zieht in die Stadt: Viele KulturarbeiterInnen, MedienvertreterInnen, Filmschaffende sowie –KritikerInnen und Interessierte kommen aus allen Himmelsrichtungen, und Graz wird für einige Tage mondäner als es eigentlich ist. Ein guter Anlass also, um zu Ehren der Diagonale die neue HDA-Bar zu testen und alte Thienfeld-Zeiten aufleben zu lassen. Hinter der Theke stehen die Mitglieder des HDA-Vorstandes, und einige Gäste wurden ebenfalls eingeladen:
Mi.: Danijela + Jack Daniels
Do.: Fabian + MC Murati
Fr.: Markus + Dj Zois
Sa.: Manfred + Anke + Rosso
Mit Unterstützung von Murat Aygan und seinem Team.
Tipp zum Thema:
Am Mittwoch, dem 14. Mai findet als Auftakt der Architekturtage
2008 der Filmabend „FILMREIHE ARCHITEKTUR“ statt. Eine Veranstaltung der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten in Kooperation mit der Diagonale, Festival des österreichischen Films.
Kuratierung: Lotte Schreiber. www.architekturtage.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Bericht
Weiterführende Links


