"Die Stadt ist eine kontinuierliche Manifestation der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation. Die Stadtplanung hat zur Aufgabe, für die Realisierung städtischer Vorhaben günstige Voraussetzungen zu schaffen, auf räumliche Konflikte aufmerksam zu machen, zu ihrer Lösung beizutragen und öffentliche Interessen zu wahren. Sie hat nicht zur Aufgabe, die perfekte und damit utopische Stadt zu suchen und deren Bau zu fordern. Postmoderne Stadtplanung ist darum in erster Linie eine Aufgabe des Managements."1
In diesem Sinne liefert das Wettbewerbsergebnis die Grundlage für einen Dialog zwischen Stadt, Interessensvertretern und den Bürgern selbst. Es steckt damit einen klaren generellen Rahmen ab, der es Investoren ermöglicht, innerhalb der Absichten der Öffentlichkeit und dem allgemeinen Vorteil, einen Raum für persönliche Entwicklungen zu finden.
1 Carl Fingerhuth/Benedikt Huber in einem Artikel über neue Instrumente und Organisationsformen für die postmoderne Stadt Visionen und Orientierung
Hansjörg Luser, Neue Chancen für die Stadtentwicklung, Ein Stadtkonzept für Graz Süd-Ost, in: stadtarchitektur architekturstadt, Architektur und Stadtentwicklung 1986 - 1997, Magistrat Graz, Amt für Stadtentwicklung und Stadterhaltung, o.A., S 205
Visionen und Orientierung
Die großen Themen der Stadtentwicklung in Vergangenheit und Gegenwart sind das Projekt "Platz für Menschen" als umfassender Begriff der Neugestaltung des öffentlichen Raumes im Stadtzentrum, wie es Barcelona der Welt vorgezeigt hat.
Die Grazer Bahnhofcity als Nucleus eines neuen, modernen Großstadtzentrums
- Die Entwicklungsachse West, ausgehend von der Bahnhofcity nach Eggenberg, mit dem neuen Forschungs-, Technologie- und Fachhochschulzentrum an der alten Poststraße
- Das Thema der Grazer Universitäten und Hochschulen mit dem Bau des Resowi als Abschluß des Campus der Karl-Franzens-Universität [...]
- Die Kulturstadt Graz erlebt soeben eine nahezu gründerzeitliche Phase, was Vorschläge für den Bau von Veranstaltungsräumen betrifft. Das Jahr 2000 beflügelt offensichtlich den Ideenfindungsprozeß [...]
- Das derzeit aus rudimentären Ideen bestehende Projekt "Lebensraum Mur" muß nach dem Scheitern der Ausbaupläne der Elektrizitätswirtschaft im Raum Graz auf eine neue stadtphilosophische Basis gestellt werden [...]
- Die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs erhält mit der Anbindung der Stadt Graz an die Hochleistungsbahn und der damit verbundenen Einbindung in den süd-ost-europäischen Raum neue Perspektiven. Mit Entwicklungsimpulsen ist insbesondere im Bereich der Bahnhofcity zu rechnen. Die zeitgemäße und benutzerfreundliche Einbindung der Regionalbahnen (ÖBB, GKB, GVB) in Form der Nahverkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof kann aufgrund des zu erwartenden Drucks der Investoren zu Impulsen insbesondere im Bereich der Bahn führen. [...]
- Eine weitere Zukunftsvision steht im Zusammenhang mit dem Konzept "Platz für Menschen" in Verbindung mit der Identität der Grazer Randbezirke. [...] Vielleicht sollte die Grazer Altstadt in Zukunft vor weiteren Gestaltungsmaßnahmen verschont bleiben und die ganze Kraft der Stadtverwaltung und des Stadtbudgets auf die Außenbezirke gelenkt werden.
- Architektur muß auf dem gesamten Stadtgebiet zum Thema gemacht werden. Derzeit befinden Magistratsdienststellen, Kommissionen und Wohnbaugesellschaften, deren Tätigkeit in der Öffentlichkeit nicht wirklich transparent erscheint, über Fragen der Gestaltung. Besser wäre es, nach internationalem Vorbild einen für das gesamte Stadtgebiet verantwortlichen Gestaltungsbeirat einzurichten, dessen Tätigkeit öffentlich dargestellt, diskutiert und präsentiert wird.
Klaus Gartler, Architektur ist überall, in: stadtarchitektur architekturstadt, Architektur und Stadtentwicklung 1986 - 1997, Magistrat Graz, Amt für Stadtentwicklung und Stadterhaltung, Graz o.J., S 230 ff.
