1986 Städtebauliche Eingliederung von Hochleistungsstrassen in dicht-besiedelte Gebiete, dargestellt am Beispiel des Grazer Nord-, Ost und Südgürtels

Ein Gutachten der Forschungs- und Planungsgruppe Peter Breitling untersucht die städtebauliche Eingliederung des Grazer Nord-, Ost- und Südgürtels.

06/08/2004

Forschungs- und Planungsgruppe Peter Breitling.

Ausgangspunkt des Gutachtens bildet der im Rahmen des STEK80 gefaßte Beschluß, eine östliche Innenstadttangente zu schaffen.

Als Endergebnis der Untersuchung werden konkrete Aussagen über die Führung der Gürteltrasse im Detail, über Eingliederungs-maßnahmen und Vorkehrungen gegen Lärmemissionen erwartet.

Dabei wurden neben der sogenannten hundertjährigen Trasse nochmals auf Grundsatzalternativen, wie etwa hundertjährige Trasse, teilweise unterirdisch, hundertjährige Trasse unterirdisch sowie Ruckerlberg- und Rosenbergtunnel eingegangen.

Nach Ausarbeitung eines Alternativenvergleichs wurde 1984 unter dem Gesichtspunkt der "maximalen Umweltfreundlichkeit" und Leistungsfähigkeit vom Ingenieurbüro Köstenberger, Reiter , Zinthauer ein generelles Projekt ausgearbeitet.

Die wichtigsten Merkmale des Projektes:

- alle drei Teilstrecken des Gürtelstrassennetzes (Nordspange, Ostgürtel und Südspange) werden vierspurig ausgebildet

- mit Ausnahme der Teilstrecke Grabenstrasse - Heinrichstrasse verläuft der Ostgürtel genau unter der sogenannten Hundertjährigen Trasse (Muhry'scher Stadterweiterungsplan von 1880, im Generalregulierungsplan von 1892 übernommen, bildete für viele Jahrzehnte die Grundlage für alle Fluchtlinienfestlegungen und Baugenehmigungsverfahren und wurde in alle späteren Entwicklungs- und Verkehrspläne übernommen) und nutzt den seit Jahrzehnten in 28 m Breite freigehaltenen, aber nur zum Teil tatsächlich ausgebauten Gürtelraum

- der gesamte "Bügel" des Gürtelnetzes vom Messegelände im Süden bis zur Grabenstrasse im Norden wird unterirdisch geführt.

Zusammenfassend kann man feststellen, daß ein vierspuriger Gürtel auf der Hundertjährigen Trasse mit direktem Anschluß an Nord- und Südspange und niveaufreien Kreuzungen an allen Verknüpfungspunkten eine Leistungsfähigkeit erreichen würde, die es erlaubt an fast sämtlichen Strassenzügen im östlichen Grazer Innenstadtrandgebiet die Verkehrsfrequenz so weit herabzudrücken, daß zumindest die Grenzwerte der Lärmbelastung nach Dienstanweisung des Bautenministeriums, möglicherweise sogar diejenigen der ÖNORM unterschritten werden.

In gröbster Näherung dürften die Kosten für den ca. 5,5 km langen durchgehend vierspurigen Gürtel zwischen 1,5 und 2 Milliarden Schilling betragen.

Nord- und Südspange hätten auch ohne den Ostgürtel stark strukturverbessernde Wirkungen und präjudizieren die weiteren Entscheidungen nicht.

Stadtteilzentren, der Wertausgleich innerhalb der Stadt, die Verkehrsberuhigung in Wohngebieten u.a. sind als allgemeine Zielvorstellungen in die Untersuchung eingeflossen.

Knotenbereich 3 Heinrichstrasse

Besonders starke Eingliederungsprobleme ergeben sich bei der Kreuzung Heinrichstrasse. Die große Freifläche des ehemaligen Sportgeländes nördlich des Universitätskomplexes hätte vielfältige Möglichkeiten zu einer Kreuzungsausbildung geboten, die eine Schonung des denkmalwürdigen biedermeierlichen Ensembles der Klöcherperle möglich gemacht hätte, wenn auch unter Opferung eines Elements der südlich an dieses Ensemble anschließenden gründerzeitlichen Bebauung. Durch die Entscheidung den Geländestreifen für den Neubau der rechts- wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät zu nutzen, wurden die Möglichkeiten der Kreuzungsausbildung stark beschränkt. Es mußte mit dem 28 m breiten Streifen das Auslangen gefunden werden, der seit Jahrzehnten als Gürteltrasse gewidmet ist.

Knotenbereich 4 Elisabethstrasse

An der Kreuzung Elisabethstrasse kommen die topografischen Verhältnisse der Eingliederung sehr entgegen. Durch das Gefälle zwischen Leechgasse und Elisabethstrasse kann die Rampe so kurz gehalten werden, daß die Leechgasse nicht unterbrochen werden muß. Einige Abbrüche nördlich der Straßoldogasse und des STEWEAG-Verwaltungsbebäudes sind allerdings unvermeidlich, wenn die auch an dieser Kreuzung unbedingt erforderliche Verkehrsgalerie nicht zu nahe an die südliche Randbebauung heranrücken soll.

Knotenbereich 1 Körösistrasse

Blatt 1 zeigt die Behandlung der Einfahrt zur Nordspange vor der Körösistrasse. Die aus Gründen der Schadstoffableitung notwendige Mitteltrennwand zwischen Aus- und Einfahrtsrampe sollte so stark ausgebildet werden, daß auf ihrer Krone eine Bepflanzung angeordnet werden kann. Darüber hinaus wird zu beiden Seiten des Rampenbauwerks eine zweireihige Alleepflanzung vorgeschlagen, um den Eindruck einer vom Beton beherrschten Einfahrt in ein unwirtliches "Katakombensystem" des Verkehrs zu vermeiden.

Die Strecke von der Körösistrasse bis zur Grabenstrasse muß als Unterflurstrecke ausgebildet werden, da die im Rahmen der Überlegungen über die Nordspange zur Diskussion gestellte niveaugleiche Führung den Quartierszusammenhang an der Theodor-Körner-Straße auf das empfindlichste stören würde. Sie liefe auch dem Ziel der möglichst geringen Behinderung der Strassenbahntrasse zuwider.

In den Darstellungen zum Abschnitt 2 ist die Möglichkeit dargestellt im Zuge des Gürtelausbaus die BUWOG-Siedlung an der Carnerigasse auch vor den Emissionen der Grabenstrasse durch die Ausbildung eines üppig bepflanzten Walles zu schützen. Die relativ große Breite des unbebauten Streifens zwischen BUWOG-Siedlung und Tierheim läßt es zu, das Gelände über der Tunneleinmündung harmonisch mit dem Schutzwall der Siedlung zu verbinden und dennoch das Tierheim am angestammten Ort bestehen zu lassen.

Der sehr steile, fast 40 m hoch ansteigende Hang des südlichen Rainerkogelausläufers erlaubt eine zwanglose Einführung des Portals zum Rosenbergtunnel.

Durch die Überschüttung der westlichen Tunneleinfahrt und die unterirdische Führung bis zur Körösistrasse ergibt sich die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Nutzung der Restflächen nördlich des Verkehrsbandes und einer Bereinigung der jetzt dort bestehenden Lückensituation.

Quelle: Forschungs- und Planungsgruppe Prof. Dr. Peter Breitling, Städtebauliche Eingliederung von Hochleistungsstrassen in dichtbesiedelte Gebiete, dargestellt am Beispiel des Grazer Nord-, Ost und Südgürtels, Anhang Umwelt B 67b und c, Graz 1987.

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Bundesstrassennetz Graz, Ausbauvariante 1, Status quo
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Bundesstrassennetz Graz, Ausbauvariante 2, Südgürtel und Nordspange
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Bundesstrassennetz Graz, Ausbauvariante 3, Komplette Osttangente
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Bundesstrassennetz Graz, Osttangente Graz, Grobalternative2 - Hundertjährige Trasse
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Osttangente Graz, Anschluss Heinrichstrasse, Axonometrie, Blatt3
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Osttangente Graz, Anschluss Elisabethstrasse, Axonometrie, Blatt4
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Knotenbereich 4 Elisabethstrasse
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Osttangente Graz, Anschluss Kalvariengürtel, Axonometrie, Blatt1
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Osttangente Graz, Anschluss Grabenstrasse, Axonometrie, Blatt2
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23.03.2002 Eröffnung Nordspange Foto: Irmfried Windbichler
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23.03.2002 Eröffnung Nordspange Foto: Irmfried Windbichler

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