Städtebauliche Skizzen, Entwürfe und Bauten
Forum Stadtpark
9. - 24. März 1963
Da Stadtplanung sich mit den möglichen Entwicklungen der Zukunft befassen muß, ist nur diejenige Gesellschaft fähig, sich einer Planung erfolgreich zu bedienen, die selbst erkannt hat, daß gesellschaftliche Strukturen in einer ständigen Wandlung begriffen sind. Solange diese "evolutionäre Bereitschaft" nicht vorhanden ist, wird die Planung zu einer leeren Verwaltungsarbeit ohne Resultate, von der es besser ist, wenn sie gar nicht vorhanden wäre, da nur der Anschein erweckt wird, als ob etwas für die Zukunft der Bevölkerung geschieht.
Hubert Hoffmann, in: Graz und seine künftige Gestalt, Städtebauliche Skizzen, Entwürfe und Bauten 1963, S 5. _____Aktuelle Grazer Stadtbau-Probleme, von Prof. Dr. techn. Ignaz Gallowitsch
Wir wissen es nicht, aber vielleicht leitet das Hochhaus wirklich eine neue Aera für die Stadt ein, die völlige Auflösung des konventionellen Stadtkörpers in freie Baumassen, zu einem locker-dynamischen Zukunftsgebilde! Wir wissen es nicht, aber, wir können heute schon feststellen, daß das Hochhaus jedes gewohnte menschliche Maß und damit die vertraute Harmonie im Stadtraum bereits gesprengt hat. Da die schon gebauten und noch im Bau befindlichen Hochhäuser eine Realität sind, die nicht mehr annuliert werden kann, wird man sich, ob man es will oder nicht, künftig auf die damit gegebenen neuen Wertungsmaßstäbe im Städtebau umstellen müssen.
Ignaz Gallowitsch, in: Graz und seine künftige Gestalt, Städtebauliche Skizzen, Entwürfe und Bauten 1963, S 5.
_____Forderungen
1. Aufstellung eines klaren städtebaulichen Programmes
Konkreter Zeit- und Finanzierungsplan
• Sofortprogramm
• Planung auf weitere Sicht
• Rechtsgültige Flächenwidmungspläne, Bebauungspläne
Ausgangspunkt hierür nicht nur augenblickliche Situation unserer Stadt
(z.B. Wirtschaftslage), sondern künftige Entwicklungsmöglichkeiten.
2. Laufende und zeitgerechte Unterrichtung der breiten Öffentlichkeit über sämtliche Planungsfragen durch Presse, Rundfunk, Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen. – Abbau des allgemeinen Misstrauens gegen die Planung hinter verschlossenen Türen.
3. Ständiger städtebaulicher Beirat
durch Bestellung besonders qualifizierter Fachleute als das selbst-verständliche Instrument einer demokratischen Stadtverwaltung.
4. Aktivierung der Wirtschaftspolitik
Ausgleich der wirtschaftsgeografischen Nachteile unserer Stadt
Durch erhöhten Anreiz zur Betriebsansiedlung
• Verbesserung des Anschlusses an das internationale Verkehrsnetz
(Schiene, Luft, Strasse)
• Bereitstellung aufgeschlossener Grundstücke
• Gewährung steuerlicher Vorteile
• u.a intensivere Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs
• Stärkung der Fremdenverkehrsbetriebe
• Systematische Pflege des Stadt- und Landschaftsbildes
5. Planung von Erholungsgebieten – Seen in und um Graz -, die auch von Nichtmotorisierten erreicht werden können.
Dienen gleichzeitig zur Hebung des Fremdenverkehrs
6. Aktivere und bewusstere Gestaltung des städtischen Wohnungswesens
Bildung von Schwerpunkten des Wohnungsbaus nach sorgfältiger städtebaulicher Detailarbeit an Stelle von unwirtschaftlicher Verzettelung der Kräfte durch Errichtung liebloser Mietskasernen.
Eine Demonstrativsiedlung könnte den Nachweis erbringen, dass mit den gleichen Mitteln zeitgemäßes und menschenwürdiges, besseres Wohnen zu erreichen ist. – Wohnhochhäuser sollten nur als Ausnahmen an städtebaulich dazu besonders dazu geeigneten Punkten zugelassen werden. – Bedachtnahme auf Familien mit Kindern.
7. Gliederung der Stadt in überschaubare Einheiten – Fußgängerbereiche – mit eigenen Zentren: Kirche, Schule, Laden, Freiflächen – Dadurch auch klarer Abschluss der Stadt gegenüber dem Land.
8. Schutz der historischen Innenstadt als städtebauliche Einheit
Zulassung nur solcher Neu- und Umbauten, welche die Struktur des historischen Graz nicht zerstören.
9. Erweiterung des heute räumlich nicht mehr ausreichenden historischen Stadtzentrums zur Aufnahme von öffentlichen und privaten Verwaltungen, Kulturstätten, Läden, Hotels, Vergnügungsstätten u.a.
10. Im Herzen der Stadt sollten menschliche Maßstäbe und Räume menschlicher Begegnung durch die Schaffung von Fußgängerbereichen wiederhergestellt werden. – Ausreichende Möglichkeiten zum Abstellen von Kraftfahrzeugen am Rande der jeweiligen Bereiche bilden hierzu die Voraussetzung.
Ignaz Gallowitsch, in: Graz und seine künftige Gestalt, Städtebauliche Skizzen, Entwürfe und Bauten 1963, S 20.






